Intervallfasten senkt Krankheitsaktivität bei Morbus Crohn

Zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme (16:8-Intervallfasten) reduzierte in einer randomisierten Studie bei übergewichtigen Patienten mit Morbus Crohn innerhalb von zwölf Wochen die klinische Krankheitsaktivität sowie viszerale Adipositas und veränderte mehrere immunmetabolische Marker.

Intervallfasten

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind durch eine anhaltende Entzündungsaktivität und einen heterogenen Krankheitsverlauf gekennzeichnet. Neben immunologischen Mechanismen rücken zunehmend auch metabolische Faktoren in den Fokus der Forschung. Übergewicht und Adipositas betreffen etwa 40 % der Patienten mit Morbus Crohn und werden insbesondere bedingt durch viszerales Fettgewebe mit ungünstigen Krankheitsverläufen in Verbindung gebracht.

Viszerale Adipositas ist mit metabolischen Veränderungen und systemischer Entzündung assoziiert und kann unter anderem eine reduzierte Wirksamkeit biologischer Therapien, eine erhöhte Krankheitsaktivität sowie ein gesteigertes Risiko für Komplikationen begünstigen. Trotz dieser Zusammenhänge wurden Lebensstilinterventionen zur gezielten Reduktion metabolischer Belastungen bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bislang nur begrenzt untersucht.

Vor diesem Hintergrund prüfte eine randomisierte kontrollierte Studie unter Leitung der University of Calgary (Kanada), ob eine zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme – eine Form des intermittierenden Fastens – klinische und metabolische Parameter bei Patienten mit Morbus Crohn beeinflussen kann. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal 'Gastroenterology' veröffentlicht.

16:8-Intervallfasten bei übergewichtigen Patienten mit Morbus Crohn im Vergleich zum regulären Essverhalten

Die randomisierte kontrollierte Studie schloss 35 Erwachsene mit Morbus Crohn ein, die sich in klinischer Remission befanden und gleichzeitig übergewichtig oder adipös waren. Die Teilnehmer wurden für einen Zeitraum von zwölf Wochen entweder einer Interventionsgruppe mit zeitlich begrenzter Nahrungsaufnahme (time-restricted feeding, TRF; n = 20) oder einer Kontrollgruppe mit unverändertem Essverhalten (n = 15) zugeteilt.

Die TRF-Gruppe nahm ihre Mahlzeiten innerhalb eines täglichen Zeitfensters von acht Stunden zu sich und fastete während der übrigen 16 Stunden. Diese Ernährungsform ist auch als 16:8-Intervallfasten bekannt. Das Schema wurde an sechs Tagen pro Woche eingehalten. Die Kontrollgruppe setzte ihr gewohntes Essverhalten ohne zeitliche Einschränkung fort.

Zu Studienbeginn und nach zwölf Wochen wurden mehrere Parameter erhoben, darunter Körpergewicht und Body-Mass-Index (BMI), Marker der Krankheitsaktivität, Laborparameter zur Beurteilung immunmetabolischer Prozesse sowie Stuhl- und Blutproben zur Analyse von Entzündungsmarkern und der Darmmikrobiota.

Verbesserungen bei BMI und Krankheitsaktivität

Nach zwölf Wochen zeigte sich in der TRF-Gruppe eine signifikante Abnahme des BMI im Vergleich zur Kontrollgruppe. Dieser sank in der Interventionsgruppe im Mittel um 0,9 kg/m², während er in der Kontrollgruppe um 0,6 kg/m² anstieg (p < 0,001).

Die Ernährungsprotokolle zeigten keine Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich Energiezufuhr oder Ernährungsqualität. Dies spricht dafür, dass die beobachteten Veränderungen nicht durch eine reduzierte Kalorienaufnahme oder eine veränderte Ernährungszusammensetzung erklärt werden.

Auch die Krankheitsaktivität, gemessen mit dem Harvey-Bradshaw-Index, verbesserte sich in der TRF-Gruppe signifikant gegenüber der Kontrollgruppe (Δ −2 ± 4 vs. −0,5 ± 2; p = 0,02). Die Patienten berichteten unter der Intervention unter anderem über eine Abnahme der Stuhlfrequenz um etwa 40 % sowie über eine Reduktion abdominaler Beschwerden um etwa 50 %.

Die Adhärenz zum Ernährungsregime war hoch und lag im Mittel bei 95 %

Reduktion von Fettgewebe und immunmetabolischen Markern

Neben den klinischen Parametern wurden auch hormonelle und metabolische Marker erhoben und analysiert. In der TRF-Gruppe kam es zu signifikanten Reduktionen mehrerer Adipokine, darunter Leptin, Plasminogen-Aktivator-Inhibitor-1 und Adipsin (jeweils p < 0,05).

Leptin, ein Hormon mit Funktionen in Energiehaushalt und Immunregulation, nahm in der Interventionsgruppe deutlich ab (p < 0,001). Veränderungen dieser Adipokine werden mit Prozessen des Fettgewebeumbaus sowie mit immunologischen Regulationsmechanismen in Verbindung gebracht.

Bei Teilnehmern, für die Daten aus der Dual-Energy-Röntgenabsorptiometrie vorlagen, zeigte sich zudem eine Abnahme des viszeralen Fettgewebes in der TRF-Gruppe, während es in der Kontrollgruppe zunahm. Zwischen den Gruppen bestand ein signifikanter Unterschied (p < 0,05).

Zusammenhang zwischen Gewichtsreduktion, Zytokinen und Darmmikrobiota

Zusätzliche Analysen untersuchten den Zusammenhang zwischen Gewichtsreduktion und immunologischen Parametern. Bei Teilnehmern mit einer BMI Reduktion von mehr als einer Einheit korrelierte der Gewichtsverlust sowohl mit antiinflammatorischen Zytokinen wie dem Interleukin 1 Rezeptorantagonisten und Interleukin 4 (r = 0,78) als auch mit proinflammatorischen Zytokinen wie Interleukin 2 sowie Interleukin-12-Varianten (r = 0,83–0,90) positiv.

Untersuchungen der Darmmikrobiota ergaben in der TRF-Gruppe einen Trend zu einer höheren mikrobiellen Diversität (p = 0,06). Zudem nahm die relative Häufigkeit mehrerer Bakterienarten zu, die kurzkettige Fettsäuren produzieren, darunter Butyricimonas synergistica, Odoribacter splanchnicus und Blautia schinkii. Einige dieser mikrobiellen Veränderungen standen statistisch mit der BMI-Reduktion in Zusammenhang, blieben jedoch nach Adjustierung für multiples Testen nicht signifikant.

Fazit: Pilotstudie zeigt mögliche Rolle von Intervallfasten bei Morbus Crohn

Die randomisierte Studie liefert Hinweise darauf, dass eine zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme bei übergewichtigen Patienten mit Morbus Crohn mit Verbesserungen von BMI, viszeralem Fettgewebe und klinischer Krankheitsaktivität einhergehen kann.

Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich um eine Pilotstudie mit begrenzter Teilnehmerzahl und kurzer Beobachtungsdauer handelt. Größere Studien mit längerer Nachbeobachtung seien erforderlich, um Sicherheit und Wirksamkeit dieser Ernährungsstrategie in unterschiedlichen Patientengruppen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu bestätigen.

Autor:
Stand:
16.04.2026
Quelle:

Haskey, N. et al. (2026): Time-Restricted Feeding Reduces Body Mass Index, Visceral Adiposity, Systemic Inflammation, and Clinical Disease Activity in Adults With Crohn’s Disease: A Randomized Controlled Study. Gastroenterology, DOI: 10.1053/j.gastro.2025.11.008.

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