Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) in industrialisierten Ländern zunehmend verbreitet. Zu den CEDs zählen Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die oft mit einer verringerten Lebensqualität der Betroffenen einhergehen. Auch wenn sie vor allem Erwachsene betreffen, beginnen CEDs in etwa 10% der Fälle bereits im Kindesalter. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Prävalenz dieser Erkrankung bei Kindern deutlich zugenommen. Während im Jahr 2000 in Deutschland noch etwa 4,6 Kinder pro 100.000 Einwohnern betroffen waren, waren es 2014 bereits 8,2 pro 100.000.
Ursachenforschung: Warum steigt das CED-Risiko?
Die genauen Gründe für den Anstieg der CED-Fälle sind trotz intensiver Forschung nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass Umweltfaktoren und eine komplexe Interaktion zwischen Genetik, Immunreaktionen im Darm und Darmmikrobiom eine entscheidende Rolle spielen. Ein gesundes Darmmikrobiom und körperliche Fitness könnten protektive Faktoren sein, da sie antiinflammatorisch wirken und das Darmmikrobiom positiv beeinflussen können.
Die taiwanesische Studie: Fitness und CED-Risiko
Ein Forschungsteam um Chun-Ying Qu aus Taiwan hat untersucht, wie Fitness und das CED-Risiko bei Kindern und Jugendlichen zusammenhängen. Dafür analysierten sie die Daten von Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 Jahren aus der Taiwan National Health Insurance Research Database, der National Student Fitness Tests Database und der Air Quality Monitoring System Database und verfolgten deren Gesundheit für mindestens ein Jahr. Diese Daten korrelierten sie mit den Ergebnissen der Kinder und Jugendlichen aus Fitnesstests und untersuchten den Einfluss verschiedener Fitnessformen auf das CED-Risiko.
Kardiovaskuläre Fitness reduziert CED-Risiko
Insgesamt konnten Daten von 1.393.641 Kindern und Jugendlichen in die Studie eingeschlossen werden. Getestet wurden die Fitness im 800 m-Lauf, die muskuloskelettale Ausdauer, die muskuloskelettale Kraft und die Flexibilität.
Besonders interessant war der Befund, dass Kinder, die im 800 m-Lauf besonders gut abschnitten, ein signifikant niedrigeres CED-Risiko (kumulative 6-Jahresinzidenz) aufwiesen.
Analysierte das Team die Daten hinsichtlich möglicher Störgrößen, zeigten sich zwar bei anderen Faktoren wie männlichem Geschlecht, hohem Body-Mass-Index, starker Luftverschmutzung, einem urbanen Wohnort und einer akuter Gastroenteritis in der Vorgeschichte positive Assoziation von CED. Alle Effekte waren jedoch nicht so eindeutig wie bei der kardiovaskulären Fitness.
Limitierte Aussagekraft der Ergebnisse
Erklären lässt sich dieser Effekt bisher nicht, denn auch die Taiwanesische Studie kann als retrospektive Studie nur Korrelationen und keine Kausalitäten aufzeigen. Es fehlten zudem Daten zu Risikofaktoren für CED wie Rauchen oder Alkoholkonsum. Zwar kann bei 10-Jährigen vermutet werden, dass die Prävalenz dieser Risikofaktoren gering ist, Passivrauchen lässt sich jedoch auch in diesem Alter nicht ausschließen.
Daher kann die Studie zwar darauf hinweisen, dass eine gute körperliche Fitness das CED-Risiko bei Kindern und Jugendlichen reduzieren kann, aber ein kausaler Zusammenhang kann nicht festgestellt werden.
Mögliche Präventionsmaßnahmen
Sollte sich ein kausaler Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness und reduziertem CED-Risiko bestätigen, könnten präventive Maßnahmen in dieser Richtung einen bedeutenden Einfluss auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen haben.










