Morbus Crohn (M. Crohn) ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), bei welcher eine multifaktorielle Pathogenese angenommen wird. Unter anderem wird vermutet, dass die Krankheit durch eine fehlgeleitete Immunantwort auf die intestinale Mikrobiota bei genetisch prädisponierten Individuen ausgelöst wird. Diese abnorme Reaktion führt zu einer chronischen Entzündung, die am häufigsten das terminale Ileum betrifft.
Trotz chirurgischer Eingriffe wie der Ileozökalresektion kommt es häufig zu Rezidiven, da sich die Entzündung im neoterminalen Ileum (neo-TI) erneut manifestiert. Dies macht die postoperative Phase zu einem wertvollen Modell für die Erforschung der Pathogenese des Morbus Crohn.
Rolle der Mukosa-assoziierten Mikrobiota
Aktuelle Forschungsergebnisse haben die Zusammensetzung der Mukosa-assoziierten Mikrobiota als möglichen Schlüsselfaktor für das Wiederauftreten von Entzündungen nach einer chirurgischen Remission identifiziert. Die Analyse mikrobieller Profile vor dem Auftreten klinischer Symptome könnte neue Strategien zur Vorbeugung von Darmentzündungen liefern und die Mechanismen der Krankheitsentstehung weiter aufklären.
Studie untersucht mikrobielle Marker
In einer prospektiven, multizentrischen Studie wurden insgesamt 262 Patienten mit M. Crohn untersucht, bei denen eine Ileozökalresektion durchgeführt wurde. Von diesen Patienten wurden 944 Biopsien aus dem neoterminalen Ileum, dem Kolon und dem Rektosigmoid entnommen und mittels 16S rRNA-Gensequenzierung auf ihre mikrobielle Zusammensetzung untersucht. Ziel war es, mikrobielle Marker zu identifizieren, die Rezidive nach chirurgischer Remission vorhersagen können.
Einfluss von Ileum-Entzündung und Antibiotikagabe
Die Studie zeigt, dass die Zusammensetzung der Darmmikrobiota stark von der Entzündungsaktivität im Ileum beeinflusst wurde, die anhand des Rutgeerts-Scores klassifiziert wurde. Patienten mit ausgeprägter Entzündungsaktivität wiesen signifikante Veränderungen ihrer Mikrobiota auf. Besonders auffällig war die Zunahme von Bakterien der Klasse der Gammaproteobacteria, zu denen proinflammatorische Gattungen wie Klebsiella und Escherichia-Shigella gehören. Diese pathogenen Bakterien wurden häufiger bei Patienten gefunden, die nach der ersten postoperativen Koloskopie ein Rezidiv entwickelten.
Darüber hinaus zeigte sich, dass die postoperative Gabe von Antibiotika die Mikrobiota signifikant beeinflusste. Nach Ausschluss der Proben von Patienten, die Antibiotika erhalten hatten, blieb jedoch die Ileitis der wichtigste Faktor für Veränderungen in der Zusammensetzung der Mikrobiota.
Mikrobielle Veränderungen als Prädiktoren für Rezidive
Patienten, die nach einer ersten endoskopischen Remission ein Rezidiv erlitten, wiesen eine geringere Vielfalt ihrer Mikrobiota auf. Insbesondere die Präsenz von antiinflammatorischen Bakterien wie Anaerostipes und Faecalibacterium nahm ab. Im Gegensatz dazu wurden pathogene Bakterien wie Clostridium sensu stricto 1 und Enterococcus in höheren Mengen nachgewiesen. Diese Veränderungen der Mikrobiota traten konsistent an verschiedenen Biopsiestellen auf, einschließlich des neoterminalen Ileums, des Kolons und des rektosigmoiden Bereichs.
Präventive Ansätze durch gezielte Mikrobiota-Intervention
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine gezielte Modulation der Mikrobiota nach chirurgisch induzierter Remission eine vielversprechende Strategie zur Rezidivprophylaxe bei Morbus Crohn darstellen könnte. Durch die frühzeitige Identifizierung von Patienten mit hohem Rezidivrisiko könnten präventive Maßnahmen entwickelt werden, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu verbessern.









