Beliebte Nahrungsergänzungsmittel
In den USA können mehr als 80.000 verschiedene pflanzliche und diätetische Nahrungsergänzungsmittel ohne Rezept in Einzelhandelsgeschäften oder über das Internet erworben werden. Die größte Gruppe stellen Produkte mit genau definierten Inhaltsstoffen dar, wie Multivitamine oder Mineralstoffe. Pflanzliche Produkte, die mehrere Stoffe enthalten, machen 5% bis 12% aus. Problematisch ist allerdings, dass bei Produkten, die mit lebertoxischer Wirkung in Verbindung gebracht werden, häufig eine Diskrepanz zwischen dem auf dem Etikett aufgeführten sowie den nachgewiesenen Inhaltsstoffen besteht.
Zunehmende Fälle von medikamenteninduzierter Leberschädigung
Medikamenteninduzierte Leberschädigungen durch Nahrungsergänzungsmittel haben sich von 7% im Zeitraum 2004 bis 2005 auf 20% im Zeitraum 2013 bis 2014 fast verdreifacht. Ursache waren am häufigsten die hepatotoxischen Pflanzenstoffe Kurkuma, Grüntee-Extrakt, Garcinia cambogia, Traubensilberkerze, roter Hefereis und Ashwagandha. Doch wie viel Prozent der Erwachsenen in den USA konsumieren mindestens eines dieser pflanzlichen Nahrungsergänzungsmittel? Dieser Frage wollten Alisa Likhitsup und Team von der Universität von Michigan (Michigan) mit ihrer Studie auf den Grund gehen.
Knapp 5% nehmen hepatotoxische Nahrungsergänzungsmittel ein
Die Wissenschaftler verwendeten für ihre Analyse Daten aus der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES). Dies ist eine repräsentative Querschnittserhebung in der US-Bevölkerung, die seit 1999 in zweijährigen Abständen durchgeführt wird.
Von den 9.685 erwachsenen NHANES-Teilnehmer gaben mehr als die Hälfte (57,6%, n=5271) an, in den letzten 30 Tagen mindestens ein pflanzliches und diätetisches Nahrungsergänzungsmittel verwendet zu haben. Pflanzliches Mittel hatten etwa 7,5% (n=731) und eines der sechs untersuchten Produkte etwa 4,7% (n=350) konsumiert, wobei kurkumahaltige Pflanzenstoffe (n=236) am häufigsten eingenommen wurden, gefolgt von Produkten mit grünem Tee (n=92), Ashwagandha (n=28), Garcinia cambogia (n=20), rotem Hefereis (n=20) und Traubensilberkerze (n=19).
Nahrungsergänzungsmittel sollen die Gesundheit erhalten
Die Gründe für die Verwendung der pflanzlichen Präparate waren je nach Produkt sowie Alter, Geschlecht und demografischen Merkmale sehr unterschiedlich. Ziel der meisten Nutzer war die Verbesserung oder Erhaltung der Gesundheit:
- Kurkumahaltige Produkte wurden für die Gesundheit der Gelenke oder bei Arthritis eingenommen. In der ayurvedischen Medizin wird diesem Stoff antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.
- Grüntee-haltige Produkte werden meist als Energieergänzungsmittel verwendet.
- Garcinia cambogia wird häufig zur Gewichtsabnahme konsumiert. Grund hierfür ist, dass Hydroxyzitronensäure die Gewichtsabnahme fördern soll.
- Traubensilberkerze soll bei Hitzewallungen helfen.
- Ashwagandha soll den Muskelaufbau unterstützen.
- Roter Hefereis verbessert die Herzgesundheit.
Nutzer dieser Produkte waren signifikant älter, hatten ein höheres Bildungsniveau und litten eher an Arthritis.
Limitationen der Studie zu hepatotoxischen Phytotherapeutika
Die NHANES-Analyse ist eine Querschnittsstudie, weswegen es nicht möglich ist, Assoziationen mit klinischen Ergebnissen, etwa mit idiosynkratischen hepatotoxischen Wirkungen, zu ermitteln. Weitere Limitationen sind die über Selbstauskunft mitgeteilten Daten, die geringe Rücklaufquote von knapp 44%, die fehlende Angabe zur eingenommenen Tagesdosis sowie die nicht vorhandene Überprüfung der auf den Etiketten aufgeführten Inhaltsstoffe. Aufgrund der geringen Stichprobengröße war es zudem nicht möglich, hepatotoxische Wirkungen oder andere unerwünschte Ereignisse zu ermitteln. Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Konsum und der Entwicklung von Leberschäden lässt sich demzufolge mit der Studie nicht erkennen.
Nach Nahrungsergänzungsmittel fragen
Ausgehend von den NHANES-Daten schätzen die Autoren, dass mindestens 15,6 Millionen erwachsene US-Amerikaner in den letzten 30 Tagen mindestens eines der sechs potenziell hepatotoxischen Phytotherapeutika eingenommen haben. Damit sind diese pflanzlichen Nahrungsmittel beliebt und werden genauso häufig verwendet wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Simvastatin.
Im Gegenteil zu diesen schreibt die US-amerikanische Gesundheitsbehörde bei Nahrungsergänzungsmitteln vor der Vermarktung keine pharmakokinetischen oder prospektiven klinischen Studien am Menschen vor, weswegen ihre Sicherheit und Wirksamkeit nicht gut belegt ist. Die Autoren empfehlen daher Ärzten, auf mögliche unerwünschte Wirkungen dieser Produkte zu achten und bei unerklärlichen Symptomen oder Anomalien in den Lebertests eine vollständige Medikamentenanamnese inklusive der Nahrungsergänzungsmittel zu erheben.









