Temperatur von Speisen und Getränken beeinflusst mentale und gastrointestinale Gesundheit

Kalte Getränke waren bei asiatischen Erwachsenen mit mehr Angst, Schlafstörungen und Völlegefühl assoziiert, während heiße Getränke bei weißen Erwachsenen im Winter mit besserem Schlaf und weniger Depression verbunden waren.

Frau mit Tee

Ernährungsfaktoren haben einen wesentlichen Einfluss auf psychische und körperliche Gesundheit. Neben Nährstoffzusammensetzung und Essverhalten kann auch die Temperatur von Speisen und Getränken eine Rolle spielen. Während in traditionellen Medizinsystemen wie der Chinesischen Medizin und im Ayurveda seit Jahrhunderten Empfehlungen zur Vermeidung extremer Temperaturen existieren, fehlt bislang eine systematische Untersuchung dieser Aspekte in westlichen Bevölkerungen.

Psychische Störungen wie Angst und Depression sowie funktionelle gastrointestinale Beschwerden stellen erhebliche Herausforderungen dar. Auch Schlafstörungen sind in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet. Vor diesem Hintergrund untersuchten Wissenschaftler der San Diego State University im Rahmen des Healthy Aging Survey den Zusammenhang zwischen Speisetemperatur und entsprechenden Gesundheitsparametern in einer US-amerikanischen Kohorte. Die Ergebnisse wurden im 'British Journal of Nutrition' veröffentlicht.

Untersuchung von Ernährungsgewohnheiten und Gesundheitsparametern

Die Querschnittsstudie schloss 415 Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren ein, darunter 212 Personen asiatischer und 203 Personen weißer Herkunft. Die Teilnehmer berichteten über ihre Gewohnheiten zum Konsum kalter und heißer Speisen sowie Getränke, differenziert nach Sommer- und Wintermonaten.

Erfasst wurden Symptome von Depression, Angst, Schlafstörungen (Insomnie) und gastrointestinalen Beschwerden wie abdominelles Völlegefühl oder Flatulenz. Multivariable Regressionsmodelle wurden unter Adjustierung relevanter Confounder (z. B. Alter, Geschlecht, BMI) angewandt. Zusätzlich erfolgte eine Tertil-Analyse des Konsumverhaltens.

Höherer Kaltkonsum bei asiatischen Erwachsenen mit mehr Angst, Schlafstörungen und Verdauungsbeschwerden assoziiert

Ein hoher Konsum kalter Getränke und Speisen im Sommer war bei asiatischen Teilnehmern mit vermehrten psychischen und gastrointestinalen Symptomen verbunden.

  • Angst: Ein höherer Konsum kalter Getränke war mit einer Zunahme der Angstsymptome verbunden (Regressionskoeffizient Beta [β] = 0,24; 95 %-Konfidenzintervall [KI]: 0,05–0,44).
  • Völlegefühl: Ein vermehrter Verzehr kalter Speisen stand in positivem Zusammenhang mit abdominellem Völlegefühl (β = 0,05; 95 %-KI: 0,01–0,86).
  • Insomnie: Im Vergleich zu Teilnehmern mit geringem Kaltkonsum wiesen Personen im höchsten Drittel des Konsums signifikant ausgeprägtere Schlafstörungen auf (β = 1,26; 95 %-KI: 0,19–2,33).

Die Effekte waren besonders ausgeprägt bei Personen, die häufig kalte Hände angaben.

Heißgetränkekonsum im Winter mit günstigen Auswirkungen auf Schlaf, Stimmung und Verdauung bei weißen Teilnehmern

Bei weißen Erwachsenen zeigten sich gegenteilige Befunde im Winter.

  • Insomnie: Ein höherer Konsum heißer Getränke war mit geringeren Schlafstörungen assoziiert (β = –0,23; 95 %-KI: –0,42 bis –0,04).
  • Flatulenz: Teilnehmer mit höherem Heißgetränkekonsum berichteten über weniger Gasbildung (β = –0,05; 95 %-KI: –0,09 bis –0,01).
  • Depression: Teilnehmer im höchsten Tertil des Heißkonsums zeigten signifikant niedrigere Depressionsscores (β = –1,73; 95 %-KI: –3,28 bis –0,18).

Verstärkte Temperatureffekte bei Personen mit kalten Händen

Die Effekte traten besonders bei Personen mit kalten Händen auf, was auf eine mögliche Verbindung zur peripheren Durchblutung hinweist. Unterschiede innerhalb der asiatischen Subgruppen zeigten, dass chinesische Teilnehmer – mit generell geringem Kaltkonsum – weniger negative Effekte aufwiesen, während bei indischstämmigen Teilnehmern stärkere Assoziationen beobachtet wurden.

Fazit: Temperaturabhängige Ernährungsgewohnheiten als Faktor für psychische und gastrointestinale Gesundheit

Die Studie zeigt, dass die Temperatur von Speisen und Getränken mit psychischen und gastrointestinalen Symptomen assoziiert ist. Asiatische Erwachsene reagierten empfindlicher auf hohen Kaltkonsum im Sommer, während weiße Erwachsene von vermehrtem Heißkonsum im Winter profitierten.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Ernährungsgewohnheiten nicht nur in Bezug auf die Nährstoffzusammensetzung, sondern auch hinsichtlich der Temperaturdifferenzen in klinischen und präventiven Kontexten berücksichtigt werden sollten. Weitere prospektive und interventionelle Studien sind erforderlich, um die Kausalität dieser Zusammenhänge zu prüfen.

Autor:
Stand:
24.11.2025
Quelle:
  1. Wu, T. et al. (2025): Cold and Hot Consumption and Health Outcomes Among U.S. Asian and White Populations. British Journal of Nutrition. DOI: 10.1017/S000711452510514X.
  2. San Diego State University, News, 30. September 2025.
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