Eingeschränkte Fertilität bei Adipositas

Adipöse Frauen haben nicht nur verringerte Chancen auf eine erfolgreiche Konzeption, das Übergewicht ist auch ein Risikofaktor für die Schwangerschaft selbst. So kommt es beispielsweise bei adipösen Schwangeren häufiger zu Gestationsdiabetes oder Präeklampsie sowie zu Geburtskomplikationen mit einer erhöhten Kaiserschnittrate.

Negativer Schwangerschaftstest

Je dicker eine Frau ist, desto schwerer wird es, den Kinderwunsch zu erfüllen: Ab einem Body Mass Index (BMI) von über 25 steigt das Risiko für ovulatorische Infertilität, berichtete Prof. Dr. Nicole Sänger (Bonn). Genauer gesagt: bei jeder Einheit des BMI über 29 reduziert sich die Chance auf eine Schwangerschaft in den nächsten 12 Monaten um 4%. Bei einem BMI von 40 ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft um 43% niedriger als bei normalgewichtigen Frauen.

Ursache dafür ist unter anderem die Stoffwechselaktivität des Fettgewebes: So kommt es nicht nur zur Insulinresistenz und Hyperinsulinämie, auch die Androgen- und Östrogen-Spiegel steigen. Und die Ausschüttung von proinflammatorischen Zytokinen wie TNF-Alpha und Interleukin-6 nimmt ebenfalls zu. Als Folge sind unter anderem Störungen der Follikelreifung, der Rezeptivität des Endometriums und eine Reduktion der Wachstumshormone zu verzeichnen.

Risikoschwangerschaft

Und selbst wenn adipöse Frauen doch schwanger werden: Die Risiken von Schwangerschaft und Geburt sind deutlich höher als bei Normalgewichtigen. Dicke Schwangere entwickeln im Vergleich zu normalgewichtigen z. B. sieben Mal häufiger eine Präeklampsie und fünf Mal häufiger eine Venenthrombose. Zudem erleiden sie auch mehr als doppelt so häufig habituelle Aborte.

Gefahren für Mutter und Kind

Peri- und postpartale Risiken nehmen ebenfalls zu: So ist bei den adipösen Schwangeren doppelt so oft eine Kaiserschnittentbindung erforderlich und postpartale Infektionen müssen dreimal so häufig behandelt werden.

Das Übergewicht der Mutter bedeutet auch Risiken für das Baby: Kinder von übergewichtigen Müttern kommen dreimal so häufig mit einem Geburtsgewicht von mehr als 4500 g zur Welt; das Risiko für eine Spina bifida ist doppelt so hoch wie bei Kindern von Müttern, deren BMI unter 25 liegt.

A und O: Gewichtsreduktion interdisziplinär

Um übergewichtigen Frauen dennoch zu einem gesunden Kind zu verhelfen, muss in erster Linie das Übergewicht schon vor der Empfängnis reduziert werden. Nach Ansicht von Sänger liegt hier die Aufgabe des Gynäkologen bei dicken Frauen mit Kinderwunsch darin, dies anzusprechen und die Patienten auf dem Weg immer wieder zu motivieren.

Um die Frauen mit Kinderwunsch von ihrem Übergewicht herunterzubringen ist nach Ansicht von Sänger ein interdisziplinäres Vorgehen aus Gynäkologen, Ernährungsberatern, Internisten, Endokrinologen und Chirurgen erforderlich –schließlich hat das Fettgewebe Einfluss auf den gesamten Stoffwechsel. A und O ist wie immer die Änderung der Lebensweise mit mehr Bewegung und Ernährungsumstellung. Dies könne aber nur gelingen, wenn auch der meist ebenfalls übergewichtige Partner mit einbezogen wird, betont Sänger. Ab einem BMI von 30 können auch pharmakologische Interventionen erwogen werden. Hier kommen beispielsweise GLP-1-Hemmer wie Liraglutid infrage. Steigt der BMI über 35 sollte auch an chirurgische Maßnahmen wie bariatrische Operationen gedacht werden.

Schlechte Chancen für IVF bei Dicken

Gewichtsreduktion ist schwierig und langwierig. Da stellen die Patientinnen schon mal die Frage nach einer In-vitro-Fertilisation (IVF). Doch hier sollten die Frauen darauf hingewiesen werden, dass die Erfolgsrate einer IVF für ein gesundes Baby mit dem Gewicht zusammenhängt – die Lebendgeburtenrate nach IVF sinkt bei einem BMI über 30 deutlich im Vergleich zu Normalgewichtigen.

Autor:
Stand:
24.05.2023
Quelle:

Fortbildungskongress des Berufsverbandes der Frauenärzte (FOKO 2023) vom 8.-11.3. 2023, Vortrag Prof. Dr. Nicole Sänger (Universität Bonn): "Adipositas und Fertilität - die Zukunft wird schwer"

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