Die Vaginalflora gesunder Frauen besteht aus über 200 Bakterienarten, die hauptsächlich von einer der vier häufigsten Lactobacillus-Arten dominiert werden: Lactobacillus crispatus, L. iners und L. jensenii. Lactobacillus spp. produzieren Milchsäure, die den pH-Wert der Scheide senken, sowie Wasserstoffperoxid, das für die anderen Bakterien toxisch ist. Eine gesunde Vaginalflora bildet somit eine Barriere gegen die Besiedlung durch pathogene Keime wie Bakterien (Gardnerella vaginalis, Atopobium vaginae, Prevotella, Streptokokken, Gonokokken), Humane Papilloma-Viren oder Pilze.
pH-Wert steigt, Abwehr gegen HPV sinkt
Wenn die normale Besiedlung der Vagina mit Laktobazillus-Bakterien gestört wird, kann dies zur Ansiedlung anderer Bakterienarten führen. Dies wird als bakterielle Vaginose (BV) bezeichnet. Infektionen, einschließlich HPV-Infektionen, können sich dann leichter entwickeln. Sie gelten als eine der Hauptursachen für präkanzeröse Läsionen am Gebärmutterhals. BV kann zu einem Anstieg des pH-Werts führen, der die Barrierefunktion der Vagina schwächt. Zudem kann die Produktion von Enzymen erhöht sein, welche die Epithelschleimhaut abbauen, was es HPV ermöglicht, auf die Zellen des Gebärmutterhalses zuzugreifen.
Für Dr. med. Julia Maruani (Marseille) ist klar, dass HPV-Infektionen und eine Dysbiose der Vaginalflora eng zusammenhängen, wie sie auf der 46. Jahrestagung des französischen Verbands für Kolposkopie und zervikal-vaginale Krankheiten (SFCPCV) erläuterte. Maruani beobachtet schon seit längerem, dass Patientinnen mit persistierender Vaginose die gleichen sind wie jene mit einer persistierenden HPV-Infektion.
Höhere Alpha-Diversität der Vaginalflora bei HPV-Infektion
Den Zusammenhang zwischen BV und HPV-Infektion untersuchte auch ein chinesisches Wissenschaftsteam. Sie analysierten die Vaginalflora von 90 Patientinnen mit HPV-Infektion und 45 gesunden Frauen.
Ergebnis: Patientinnen mit Hochrisiko-HPV (Hr-HPV) 16/18-Infektion hatten eine signifikant höhere Anzahl verschiedener Bakterien-Spezies (Artenvielfalt, Alpha-Diversität) als die gesunde Kontrollgruppe (p<0,01). Gehörten die HPV-infizierten Frauen nicht der Hochrisikogruppe an, war kein signifikanter Unterschied zu den Kontrollen festzustellen (p>0,05).
Probiotika könnten helfen
Wie kann eine gestörte Vaginalflora normalisiert werden? Lassen sich damit auch HPV wieder vermindern? Hier wird immer wieder der Einsatz von Probiotika propagiert. Doch die Studienlage hierzu ist nicht ausreichend. Maruani geht dennoch von einem positiven Effekt aus: verringerte HPV-Infektionen und weniger niedriggradige Zervix-Läsionen. Voraussetzung für Marunai ist jedoch, dass die Präparate über längere Zeit angewendet werden.
Auch das chinesische Team aus Gynäkologen und Bakteriologen hat in seiner Studie untersucht, wie sich Probiotika auf die HPV-Clearance auswirken. Fazit: Interferon plus Probiotika kann die Virusfreiheit bei einigen Patientinnen erheblich steigern.