AOK-Analyse: Junge Frauen verhüten immer seltener mit der Pille

Eine aktuelle AOK-Auswertung zeigt: Bei den unter 22-Jährigen ist die Pillenverordnung in den letzten zehn Jahren stark zurückgegangen. Gleichzeitig steigt der Anteil risikoreicher Präparate wieder leicht an.

Pille für die Frau

Zum 65. Geburtstag der Antibabypille hat der AOK-Bundesverband aktuelle Verordnungsdaten ausgewertet. Demnach entscheiden sich immer weniger junge Frauen für das hormonelle Verhütungsmittel. Im Jahr 2024 ließen sich nur noch 22 % der unter 22-jährigen Frauen die Pille verschreiben. Zehn Jahre zuvor lag der Anteil noch bei 43 %. Damit hat sich die Nutzung der Antibabypille in dieser Altersgruppe innerhalb einer Dekade nahezu halbiert.

Risikoprofil der Präparate: leichte Gegenbewegung

Ein weiteres Ergebnis der Analyse betrifft die Sicherheit der verordneten hormonellen Kontrazeptiva. 2024 sank der Anteil risikoärmerer Präparate leicht von 49 auf 48 %, während risikoreichere Mittel von 47 auf 48 % zulegten. Zwar bleibt das Niveau deutlich günstiger als noch 2015 – damals lag der Anteil risikoreicher Präparate bei 63 % – doch die zuletzt positive Entwicklung setzte sich nicht fort.

Gründe für den Rückgang

Nach Einschätzung von Dr. Eike Eymers, Ärztin im Stab Medizin des AOK-Bundesverbandes, bedingen mehrere Faktoren den Rückgang der Pillenverordnungen. Junge Frauen seien heute kritischer gegenüber hormonellen Methoden eingestellt und besser über Risiken informiert. Zudem habe sich das Selbstverständnis der jüngeren Generation verändert: Verhütung werde heute weniger als reine Frauensache gesehen.

Andere Methoden, um eine Schwangerschaft zu verhindern, hätten an Bedeutung gewonnen. Hier ist vor allem an das Kondom zu denken, das in Befragungen als zweithäufigste Methode genannt wird. Ein weiterer Einflussfaktor könnte der veränderte Lebensstil sein. Viele junge Menschen beginnen später mit sexuellen Erfahrungen, sodass auch das Thema Verhütung erst später relevant wird.

Ärztliche Beratung bleibt entscheidend

Für Frauen, die sich für die Pille entscheiden, ist laut Eymers eine fundierte ärztliche Beratung wichtig. Das Risiko für thromboembolische Ereignisse ist vor allem im ersten Einnahmejahr erhöht. Verstärkend wirken Faktoren wie Rauchen, Übergewicht oder eine familiäre Vorbelastung.

Meilenstein mit Schattenseiten: 65 Jahre Pille

Am 18. August 1960 wurde die erste Antibabypille in den USA zugelassen, ein Jahr später kam sie auch nach Deutschland. Sie gilt bis heute als Symbol der sexuellen Selbstbestimmung. Doch aktuelle Daten zeigen, dass junge Frauen der hormonellen Verhütung zunehmend kritisch gegenüberstehen und häufiger auf alternative Methoden zurückgreifen.

Autor:
Stand:
25.08.2025
Quelle:

AOK Bundesverband: Pressemitteilung, 18.08.2025

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