Im Durchschnitt erkrankt eine von zwei Frauen im Laufe ihres Lebens an mindestens einer Harnwegsinfektion. Doch bei vielen, vor allem bei jüngeren Frauen, kommt die Blasenentzündung immer wieder. Diese rezidivierenden Harnwegsinfektionen (rUTIs) – definiert als drei UTI pro Jahr – sind nicht nur schmerzhaft und durch die Pollakisurie belastend, sie sind auch durch die zunehmende Antibiotika-Resistenz der Erreger immer schwieriger zu behandeln.
Auf der Suche nach Risikofaktoren
Als wichtigster Risikofaktor für die wiederkehrenden Harnwegsinfektionen gelten häufige Sexualkontakte. Doch das ist nicht der einzige Risikofaktor. Polnische Forscher der Universität Krakau machten sich auf die Suche nach weiteren Faktoren, die UTI fördern. Dabei wurden sie auf den Umstand aufmerksam, dass bei Männern ein Bart oder die Kopfbehaarung das Wachstum pathogener Bakterien hemmen könnte, während glatt rasierte Männer mit 10% höherer Wahrscheinlichkeit pathogene Bakterien aufweisen. Stellt also die Behaarung einen Schutz vor pathogenen Keimen dar? Und wenn ja: gilt dies auch für den Genitalbereich? Was ist, wenn die Haare entfernt werden?
Intimrasur ist in
Schließlich ist seit Mitte der 1990er Jahre die weitgehende oder vollständige Entfernung der Schamhaare in vielen westlichen Gesellschaften zu einer gängigen Praxis geworden – sowohl bei Männern und noch häufiger bei Frauen. Als häufigster Grund für die Intimrasur werden hygienische Belange genannt. Doch auch das Bestreben kulturellen Normen der Attraktivität und Weiblichkeit gerecht zu werden, spielt eine Rolle.
Studie mit 2.409 Frauen im gebärfähigen Alter
Ob die Schamhaarrasur nun ein Risikofaktor für UTI sein könnte, wollten die Krakauer Mediziner in einer epidemiologischen Studie herausfinden: Sie untersuchten mittels Fragebogen eine Querschnittskohorte von 2.409 Frauen im Alter von 18–45 Jahren. Darin wurden unter anderem die Häufigkeit von Harnwegsinfektionen und potenziellen Risikofaktoren abgefragt. Kofaktoren wie Alter, erste Harnwegsinfektion im Alter von 15 Jahren oder früher, Verwendung von Spermiziden, neuer Sexualpartner und Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs im letzten Jahr wurden ebenfalls einbezogen. Wiederkehrende Harnwegsinfektionen wurden als drei oder mehr Harnwegsinfektionen im Laufe eines Jahres definiert. Als extreme Schamhaarentfernung wurde die mindestens einmal wöchentliche Entfernung aller Schamhaare gewertet.
Zwei Drittel rasieren sich sehr häufig
Die Ergebnisse der Studie zeigen sich wie folgt:
- Die Prävalenz von mindestens einer Harnwegsinfektion in den letzten 12 Monaten betrug 15,7 % und die Prävalenz von wiederkehrenden Harnwegsinfektionen 2,3 %.
- Häufiger Geschlechtsverkehr (≥ 1mal pro Monat) erhöhte das Risiko für wiederkehrende Harnwegsinfektionen erwartungsgemäß um fast das Neunfache (p < 0,001).
- Fast 67% der Studienteilnehmerinnen nahmen diese extreme Schamhaarentfernung vor.
- Die Schamhaarentfernung war nicht mit dem Risiko verbunden, eine Harnwegsinfektion zu bekommen (Odds Ratio [OR] = 1,17; 95% Konfidenzintervall [KI] = 0,90 bis 1,52).
- Die Schamhaarrasur war aber mit einem höheren Risiko für wiederkehrende Harnwegsinfektionen verbunden – und zwar um das Dreifache (OR = 3,09; 95%-KI = 1,35 bis 7,06; p = 0,007), nachdem Alter, Vorgeschichte von Harnwegsinfektionen und Sexualpraktiken berücksichtigt wurden.
Frauen auf Risiko durch Intimrasur hinweisen
Die Krakauer Wissenschaftler schließen aus ihren Ergebnissen, dass Frauen mit ihrer Schambehaarung auch eine wichtige mikrobielle Nische und damit einen Schutz vor wiederkehrenden Harnwegsinfektionen beseitigen. Frauen, die eine extreme Intimrasur betreiben, sollten auf das entsprechende Risiko hingewiesen werden.











