Mehr Hitzetage – Risiko für Schwangere steigt

Der Klimawandel führt global zu mehr Tagen mit gesundheitsgefährdender Hitze – für Schwangere heißt dies, dass das Risiko für Komplikationen wie Frühgeburt, Hypertonie und Gestationsdiabetes steigt.

Hitze

Extreme Hitze setzt Schwangeren zu – das ist nicht neu. Dass sich jedoch in den letzten fünf Jahren die Zahl der Tage mit extremer Hitze verdoppelt hat, ist nicht nur aktuell, sondern auch alarmierend. 

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Organisation Climate Central hat anhand von Temperaturdaten aus 247 Ländern und über 900 Städten im Zeitraum 2020 bis 2024 analysiert. Grundlage für diese Auswertung war, an wie vielen Tagen die Maximaltemperatur über dem 95. Perzentil der durchschnittlichen Temperaturen im jeweiligen Land lag. Verglichen wurden die Werte mit denen der Referenzperiode 1991–2020. Ein Temperaturniveau oberhalb der 95. Perzentile gilt in der Forschung als kritisch, da es mit einer signifikanten Zunahme schwangerschaftsassoziierter Komplikationen korreliert.

Laut den Analysen hat sich die Zahl dieser Hitzetage in über 90 % der untersuchten Länder mindestens verdoppelt. Besonders betroffen sind Inselstaaten und Regionen im globalen Süden, wie die Karibik, Südostasien und Subsahara-Afrika – Gebiete mit ohnehin eingeschränktem Zugang zur Gesundheitsversorgung und teils hohen Müttersterblichkeitsraten.

Deutschland: 22 zusätzliche kritische Hitzetage 

Auch in Deutschland ist der Einfluss des Klimawandels deutlich messbar. Zwischen 2020 und 2024 wurden durchschnittlich 22 Hitzetage mit einem Temperaturwert über dem 95. Perzentil gezählt – ein Anstieg um 47 % verglichen mit der vorherigen Referenzperiode. Der Climate Shift Index (CSI) zeigt, dass über die Hälfte dieser Tage direkt dem Klimawandel zuzurechnen sind. Besonders betroffen waren laut Bericht Städte wie Stuttgart (24 Tage), Berlin (23) und Hamburg (22). 

Für Schwangere stellt diese Entwicklung ein wachsendes Risiko dar: Die mit Hitze assoziierten Gesundheitsgefahren reichen von hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen über Gestationsdiabetes bis hin zu einem erhöhten Risiko für Frühgeburten. Besonders bedenklich ist die unzureichende Anpassung vieler Gesundheitssysteme an diese klimatischen Veränderungen – auch in Industrienationen wie Deutschland.

Mehr Frühgeburten durch Hitzestress

Der Zusammenhang zwischen Hitzeexposition in der Schwangerschaft und Frühgeburtlichkeit ist mittlerweile gut belegt. Nach Ergebnissen einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf erhöhen sowohl extreme Hitze als auch längere Hitzeeinwirkung das relative Risiko für eine einer Frühgeburt um etwa 50 % (RR: 1,59; 95 %-KI: 1,01–2,43; p = 0,045; RR: 1,20; 95 %-KI: 1,02–1,40; p = 0,025). 

Doch auch andere schwangerschaftsassoziierte Komplikationen, darunter hypertensive Erkrankungen, Gestationsdiabetes und ein erhöhtes Risiko maternaler Mortalität, stehen im Zusammenhang mit Extremtemperaturen. Dennoch fehlen bislang klare Grenzwerte für eine „gefährliche Hitze“, da die individuelle Vulnerabilität stark von regionalen, soziodemografischen und medizinischen Faktoren abhängt.

Hinzu kommen mögliche synergistische Effekte durch weitere Umweltbelastungen wie Feinstaub oder Ozon. Die physiologischen Mechanismen hinter diesen Zusammenhängen sind bisher nur unzureichend erforscht. Daher sollten Umweltfaktoren künftig systematisch in der geburtshilflichen Versorgung stärker berücksichtigt werden.

Autor:
Stand:
11.07.2025
Quelle:
  1. Climate change increasing pregnancy risks around the world due to extreme heat (May 2025).docx.
  2. Yüzen, Dennis et al. (2023): Increased late preterm birth risk and altered uterine blood flow upon exposure to heat stress, eBioMedicine, DOI: 10.1016/j.ebiom.2023.104651.
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