In Frankreich nutzen rund 26 % der Frauen zur Empfängnisverhütung Intrauterin-Pessare (IUD) – in Deutschland sind es zwar nur ca. 14 %, doch mit steigender Tendenz. Besonders seit den Sicherheitsdebatten um hormonelle Kontrazeptiva ab 2012 entscheiden sich zunehmend junge, nullipare Frauen für Kupfer- oder Levonorgestrel-IUDs. Trotz hoher Wirksamkeit bestehen Risiken für Verhütungsfehler, vor allem durch Dislokation oder Ausstoßung des IUDs. Bekannte Risikofaktoren hierfür sind junges Alter, Menorrhagie, Dysmenorrhoe, uterine Anomalien, Adipositas sowie eine vorangegangene IUD-Ausstoßung.
Monatshygiene mit Menstruationstassen im Kommen
Parallel dazu steigt weltweit die Nutzung von Menstruationstassen – auch Menstruationscups (MC) genannt – als nachhaltige, kosteneffiziente Alternative zu Tampons und Binden. Während ihre Sicherheit für die Menstruationshygiene gut dokumentiert ist, mehren sich Fallberichte über mögliche IUD-Verschiebungen in Verbindung mit MC-Nutzung. Denn die flexiblen Cups werden zusammengefaltet tief in die Scheide eingeführt, wo sie sich um die Portio herum entfalten. Bisherige Untersuchungen konnten keinen eindeutigen kausalen Zusammenhang nachweisen und berücksichtigten häufig individuelle Risikofaktoren nicht. Frühere Daten wiesen auf Einzelfälle von IUD-Ausstößen nach Anwendung einer MC hin, möglicherweise durch einen Sog-Effekt beim Entfernen oder durch unbeabsichtigtes Ziehen an den IUD-Fäden.
Gefährdet MC-Nutzung die Verhütung?
Bisher fehlten jedoch prospektive Daten, die ein spezifisches Risiko für Dislokationen – also Lageveränderungen ohne vollständige Ausstoßung – untersuchten. Diese Wissenslücke wollte eine Forschergruppe von verschiedenen Pariser Kliniken schließen: Mit ihrer Fall-Kontroll-Studie sollte die Assoziation zwischen MC-Nutzung und IUD-Verschiebung unter Berücksichtigung etablierter Risikofaktoren quantifiziert werden. Analysiert wurden die Daten von 747 Frauen, die nach IUD-Einlage per transvaginalem Ultraschall untersucht worden waren. In die Untersuchung flossen auch die Angaben zu MC-Nutzung und bekannten Risikofaktoren (z. B. Alter, Blutungsstärke, uterine Veränderungen) ein. Die Häufigkeit der Häufigkeit der MC-Verwendung wurde zwischen Patientinnen mit gut positionierten IUDs und Patientinnen mit verschobenen IUDs verglichen.
3-fach erhöhtes Risiko für IUD-Verschiebung bei MC-Nutzung
Ergebnis:
- Prävalenz der IUD-Dislokation: 6,8 % der untersuchten Frauen wiesen ein verschobenes IUD auf.
- MC-Nutzung: 41,2 % der Frauen mit Dislokation versus 17,0 % ohne Dislokation berichteten über MC-Anwendung.
- Angepasstes Risiko: Die Nutzung einer MC war mit einem mehr als dreifach erhöhten Risiko für IUD-Verschiebung assoziiert (adjusted Odds Ratio 3,09; 95-%-KI 1,56–6,05), unabhängig von weiteren Risikofaktoren.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass MC-Nutzung einen eigenständigen Risikofaktor für Lageveränderungen von IUDs darstellt und damit potenziell die kontrazeptive Wirksamkeit beeinträchtigen kann.
Nach Ansicht der Autoren ergeben sich aus diesen Ergebnissen mehrere praxisrelevante Aspekte:
- Patientinnenaufklärung: Frauen mit IUD sollten über das potenzielle Risiko der MC-Verwendung informiert und zu alternativen Hygieneprodukten in den ersten Monaten nach Einlage beraten werden.
- Kontrolluntersuchungen: Eine sonografische Überprüfung der IUD-Position könnte vor allem bei MC-Nutzerinnen frühzeitig erfolgen.
- Berücksichtigung bei Leitlinien: Die Ergebnisse sollten in zukünftige Empfehlungen zur Nachsorge nach IUD-Einlage einfließen.
Trotz signifikanter Assoziation erlaubt die Studie keine endgültige Aussage zur Kausalität. Die Mechanismen der Dislokation durch MC-Nutzung sind bislang nur hypothetisch erklärt. Größere, multizentrische Studien mit längerer Nachbeobachtung und standardisierten MC-Anwendungsprotokollen könnten helfen, die Risiken besser zu quantifizieren und Empfehlungen weiter zu präzisieren.










