Postpartale Hypertonie – ein unterschätztes Risiko

Auch wenn in der Schwangerschaft mit dem Blutdruck alles in Ordnung war, entwickelt fast jede fünfte Frau postpartal einen Bluthochdruck. Eine retrospektive Kohortenstudie zeigt, wie wichtig es ist, Risikogruppen zu erkennen und die Frauen einer optimierten Nachsorge zuzuführen.

Ärztin misst Blutdruck

Bluthochdruck zählt zu den häufigsten kardiovaskulären Erkrankungen und kann nach der Geburt auch bei Frauen auftreten, die vor und während der Schwangerschaft normale Blutdruckwerte aufwiesen. Während in der Schwangerschaftsvorsorge gerade der Blutdruck ein zentraler Parameter ist, wird nach der Geburt kaum noch der Blutdruck kontrolliert. Doch dies kann für die Gesundheit der jungen Mutter fatal sein, da bekanntlich das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen bei langjährigem Hypertonus steigt.

Hochdruck trotz normotensiver Schwangerschaft

Doch wie häufig kommt es nach einer Schwangerschaft zu einer Hypertonie und welche Frauen sind besonders gefährdet bzw. brauchen eine engmaschige Überwachung? Das wollte eine Forschergruppe der Yale-Universität (New Haven, USA) genauer wissen.

Dafür legten sie eine retrospektive Kohortenstudie auf, in die die Daten von Geburten zwischen 2013 und 2022 ausgewertet wurden. Insgesamt wurden 7.730 Patientinnen eingeschlossen, die vor der Schwangerschaft normotensiv waren und keine Anzeichen von hypertensiven Schwangerschaftsstörungen oder chronischer Hypertonie aufwiesen.

In die Analyse flossen die Blutdruckwerte der Teilnehmerinnen von der Befruchtung bis zu sechs Monate nach der Geburt ein. Um die Validität der Ergebnisse sicherzustellen, wurden Patientinnen mit weniger als zwei Blutdruckmessungen während der Schwangerschaft oder bekannten Vorerkrankungen ausgeschlossen.

Prävalenz postpartaler Hypertonie: 18%

Fast 18 % der zuvor normotensiven Patientinnen entwickelten innerhalb von sechs Monaten nach der Geburt Blutdruckanomalien. Anders als in vorangegangenen Studien berücksichtigen die US-Forscher in dieser Untersuchung auch leichtere Blutdruckerhöhungen (Hypertonie-Stadien I und II). Davon waren 8,2 % der Patientinnen betroffen.

Risikofaktor Übergewicht

Des Weiteren ließen sich aus dem umfangreichen Datenmaterial einzelne Risikogruppen identifizieren:

  • Patientinnen mit BMI ≥ 30: Das Risiko für Hypertonie im Stadium I oder II war signifikant um 81% erhöht (adjusted Odds Ratio aOR: 1,81; 95 %-KI: 1,52–2,15).
  • Nichtlateinamerikanische schwarze Frauen: Diese Gruppe zeigte eine höhere Wahrscheinlichkeit, de novo Hypertonie zu entwickeln, verglichen mit nichtlateinamerikanischen weißen Patientinnen (aOR: 1,42; 95 %-KI: 1,11–1,82).

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass fast ein Fünftel der Frauen in dieser großen Kohorte postpartale Blutdruckanomalien entwickelte, die den Kriterien des American College of Cardiology und der American Heart Association entsprechen.

Postpartale Nachsorge verbessern

Die Studienergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, die Nachsorge für Frauen nach der Geburt zu erweitern. Besonders bei Frauen, die Risikogruppen angehören (adipöse und schwarze Frauen) sollte der Blutdruck engmaschig überwacht werden, um das Risiko für Schlaganfall & Co zu senken. Dabei könnte auch ein verbesserter Übergang von der Geburtshilfe zur Primärversorgung helfen.

Autor:
Stand:
28.02.2025
Quelle:

Sinnott, C et al. (2024): Late-Onset Postpartum Hypertension After Normotensive Pregnancy. Obstetrics & Gynecology 145(1):p 95-98, January 2025. DOI: 10.1097/AOG.0000000000005751.

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