Proteomik zur Vorhersage von hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft?

In einer Fall-Kontroll-Studie zeigte die umfangreiche Analyse des Plasmaproteoms von Frauen im ersten Trimester der Schwangerschaft keinen klinischen Nutzen für die Risikovorhersage von hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft.

Biomarker Forschung

Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES), wie Gestationshypertonie und Präeklampsie, treten bei 10% bis 15% der Erstparitäten auf und führen häufig zum Tod der Mutter. Die Entwicklung eines zuverlässigen und genauen Vorhersagemodells für HES ist von großer Bedeutung, um frühzeitig Risikopatientinnen zu identifizieren. Diese könnten während der Schwangerschaft und in der frühen Wochenbettperiode engmaschiger überwacht werden und gezielt prophylaktische Maßnahmen erhalten.  

Bisher kein zuverlässiger Test zur frühen Vorhersage hypertensiver Erkrankungen in der Schwangerschaft

Mehrere demografische und anamnestische Risikofaktoren sind bekannt. In Kombination mit biophysikalischen Faktoren und biochemischen Markern, kann eine valide Risikoberechnung für eine frühe Präeklampsie erreicht werden. Der Algorithmus ist jedoch nicht geeignet, um genau vorherzusagen, welche Frauen eine Präeklampsie nach Schwangerschaftswoche 37+0 oder andere HES entwickeln werden. 

In früheren Studien fanden Wissenschaftler, dass die Blutwerte des Schwangerschafts-assoziierten Plasmaproteins A (PAPP-A) und des Plazentawachstumsfaktors (PlGF) mit der späteren Entwicklung einer HES statistisch signifikant assoziiert waren. Allerdings konnten diese Biomarker die Vorhersagemöglichkeit gegenüber klinischen Risikofaktoren nicht wesentlich verbessern.

Welchen prädiktiven Wert hat ein groß angelegtes Proteom-Panel?

In einer aktuellen Fall-Kontroll-Studie untersuchte ein Team um Dr. Philip Greenland von den Departments of Medicine and Preventive Medicine der Northwestern University, Feinberg School of Medicine, in Chicago, USA, ob anhand des Proteoms von Plasamproben ein Multimarker-Panel entwickelt werden könnte, mit dem HES genau vorhergesagt werden können.

Die Wissenschaftler bildeten eine Kohorte aus 753 Frauen mit HES. Außerdem erstellten sie eine Kontrollkohorte aus 1.097 Frauen ohne HES, die nach 37 Schwangerschaftswochen Kinder zur Welt gebracht hatten, die weder zu früh geboren wurden noch für die Schwangerschaftswoche zu klein waren. 

Umfassende Proteom-Analysen

Das Proteom gespeicherter Plasmaproben von Frauen mit ersten Schwangerschaften im ersten Trimester wurde umfassend analysiert und mithilfe des Elastic-Net-Verfahrens wurden Vorhersagemodelle entwickelt. Diese berücksichtigten auch klinische und demografische Kovariablen. Die Vorhersageleistung wurde anhand der Fläche unter der Receiver Operating Characteristic-Kurve (AUC) gemessen.

Vorhersageleistung zu HES moderat

Die Plasmaproben stammten von Frauen unterschiedlicher Abstammung, darunter Asiatinnen und nicht-hispanische Schwarze. Bei zwei Dritteln der Probespenderinnen handelte es sich um hispanische und nicht-hispanische Weiße. Das mittlere Alter lag bei rund 27 Jahren.

Die Wissenschaftler analysierten mehr als 6.400 Proteine und fanden viele Plasmaproteine, die signifikant mit dem Auftreten einer HES assoziiert waren. Die meisten Proteine trugen jedoch nicht wesentlich zur genauen Vorhersage einer HES bei. Die Vorhersageleistung des resultierenden Modells war moderat (AUC 0,64 für Trainingsdaten, 0,62 für Testdaten). Weitere Anpassungen für die Standorte der Studienzentren verbesserten das Ergebnis nicht wesentlich.

Sekundäre Analysen der Vorhersageleistung für Schwangerschaftshypertonie und Präeklampsie ergaben ebenfalls nur moderate Vorhersageleistungen und bestätigten die Ergebnisse der primären kombinierten Ergebnisanalysen.

Kein klinischer Nutzen zur Risikovorhersage von HES

Auch wenn das in der aktuellen Studie getestete Proteom aus Plasmaproben von Frauen im ersten Trimester der Schwangerschaft keinen klinischen Nutzen für die Risikovorhersage von HES zeigte, könnten die Daten dennoch weiter für mechanistische Studien genutzt werden, hoffen die Autoren der Publikation.

Autor:
Stand:
16.08.2024
Quelle:

Greenland et al. (2024): Large-scale proteomics in early pregnancy and hypertensive disorders of pregnancy. JAMA Cardiology, DOI: 10.1001/jamacardio.2024.1621

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