Medizinisch gesehen ist der Verlust des Fötus eine der schwerwiegendsten Komplikationen der Schwangerschaft. Weltweit kommt es pro Jahr etwa zu 23.000.000 Fehlgeburten und 2.000.000 Totgeburten. International ist der Verlust des Fötus vor der 28. Schwangerschaftswoche als Fehlgeburt definiert, danach spricht man von einer Totgeburt. Jedoch schwanken die Definitionen national. In Großbritannien liegt die Grenze zwischen Tot- und Fehlgeburt bei der 24. Schwangerschaftswoche.
Fehl- und Totgeburt als Marker für chronischer Erkrankungen?
Nach einem solch traurigen Ende der Schwangerschaft ist in Sachen Gesundheit der Frau aber nicht wieder alles auf Anfang. Vielmehr gibt es Hinweise, dass Fehl- bzw. Totgeburten langfristig der Gesundheit schaden. Anders ausgedrückt: Schwangerschaftskomplikationen könnten frühe Marker für chronische Krankheiten sein. Jedoch ist die Studienlage dazu noch recht dürftig.
Um hier mehr Klarheit zu schaffen, hat eine britische Forschergruppe eine große Metaanalyse aufgelegt. Darin untersuchten sie die Zusammenhänge zwischen Tot- oder Fehlgeburten und der Inzidenz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Malignomen, anderen Morbiditäten und der Gesamtmortalität bei Frauen ohne vorherige Fehlgeburt.
Daten von mehr als 1 Million Frauen ausgewertet
In diese Metaanalyse wurden 56 Beobachtungsstudien eingeschlossen. Dabei wurden die Daten von 1.119.815 Frauen, die einen Schwangerschaftsverlust erlitten hatten (951.258 Frauen mit Fehlgeburt, 168.557 mit Totgeburt), verglichen mit 11.965.574 Frauen ohne vorherigen Verlust.
Das Hauptergebnis: Die langfristigen Gesundheitsrisiken der Frauen sind nach Fehlgeburten nicht die gleichen wie nach einer Totgeburt.
Höherer Rate an kardiovaskulären Erkrankungen nach Totgeburt
So belegte die Analyse, dass Frauen mit einer Totgeburt in der Vorgeschichte verglichen mit Frauen ohne Schwangerschaftsverlust
- ein um 56% höheres Risiko für ischämische Herzkrankheiten (IHD) hatten (Relatives Risiko [RR] 1,56; 95% Konfidenzintervall [KI] 1,30 bis 1,88; p < 0,001) haben.
- ein um 71% erhöhtes Risiko für ein zerebrovaskuläres Ereignis (RR 1,71; 95%-KI 1,44 bis 2,03; p < 0,001) haben.
- für alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammengenommen eine Risikoerhöhung auf 86% (RR 1,86; 95%-KI 1,01 bis 3,45; p = 0,05) haben.
Bei Frauen, die “nur” eine Fehlgeburt erlitten hatten, ergab sich keine Risikoerhöhung für kardiovaskuläre Erkrankungen.
Risiko für Diabetes, Nierenerkrankungen und Malignome nach Totgeburt
Nur Frauen mit einer Totgeburt in der Anamnese
- entwickelten häufiger einen Typ-2-Diabetes mellitus (RR: 1,16; 95%-KI 1,07 bis 2,26; p < 0,001).
- hatten ein erhöhtes Risiko Nierenerkrankungen zu erleiden (RR 1,97; 95%-KI 1,51 bis 2,57; p < 0,001).
Als weitere Ergebnisse zeigten sich:
- Frauen mit einer Totgeburt in der Vorgeschichte hatten ein geringeres Risiko für Brustkrebs (RR 0,80; 95%-KI 0,67 bis 0,96; p-0,02).
- Es gab keine Hinweise auf ein verändertes Risiko für andere Malignome bei Frauen, die eine Fehlgeburt oder Totgeburt erlitten hatten, im Vergleich zu Kontrollen.
Totgeburt als Risikoindikator für chronische Erkrankungen
Die Autoren schließen aus ihren Ergebnissen, dass Totgeburten ein Risikoindikator für spätere Erkrankungen – vor allem für zerebrovaskuläre Ereignisse, Typ-2-Diabetes und Nierenerkrankungen – sein könnten. Entsprechend sollte bei Frauen mit einer Totgeburt in der Anamnese eine langfristige Nachsorge bzw. Prävention erfolgen. Nach Ansicht der britischen Wissenschaftler sollten außerdem die Zusammenhänge zwischen Fehlgeburten und deren langfristige gesundheitliche Folgen für die Mütter weiter erforscht werden.










