Zum Weltmenopausetag am 18. Oktober rückt die Deutsche Menopause Gesellschaft e. V. (DMG) die Aufklärung über ein häufig tabuisiertes Thema in den Fokus: die vulvovaginale Atrophie. Etwa neun Millionen Frauen in Deutschland befinden sich derzeit in den Wechseljahren. Während vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen mit der Zeit nachlassen, schreiten urogenitale Veränderungen aufgrund des Östrogenmangels unbehandelt stetig fort.
Bis zu 90 % der Frauen leiden im Verlauf der Menopause unter Beschwerden wie vaginaler Trockenheit, Brennen, Juckreiz oder Dyspareunie. Hinzu kommen rezidivierende Harnwegsinfekte und Libidoverlust. Diese Symptome beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich – dennoch werden sie oft aus Scham oder Unkenntnis nicht angesprochen.
Pathophysiologie: Folgen des hormonellen Rückgangs
Der Östrogenmangel führt zu einer deutlichen Ausdünnung des Vaginalepithels, einer verminderten Durchblutung und einem Anstieg des Vaginal-pH-Werts. Das vaginale Mikrobiom verändert sich, wodurch die Schutzfunktion der Schleimhaut abnimmt und das Risiko für Infektionen steigt. Auch die Vulva, die Schamlippen und der Scheideneingang sind betroffen: Sie bilden sich zurück, der Introitus verengt sich, was Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und funktionelle Einschränkungen begünstigt.
Diese Veränderungen sind – im Gegensatz zu vasomotorischen Beschwerden – dauerhaft und progredient, wenn keine Behandlung erfolgt. Eine frühzeitige Diagnostik und Therapie sind daher essenziell.
Klinische Relevanz und Lebensqualität
Die Auswirkungen der vulvovaginalen Atrophie gehen weit über lokale Symptome hinaus. Studien wie die REVIVE-Erhebung (Nappi et al., 2016) belegen, dass sexuelle Zufriedenheit, Intimität und Spontaneität deutlich eingeschränkt werden. In der Praxis berichten viele Patientinnen erst auf gezieltes Nachfragen über Beschwerden, was die Bedeutung einer aktiven ärztlichen Kommunikation unterstreicht.
Therapeutische Optionen und Langzeitmanagement
Das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten reicht von symptomorientierten bis zu kausalen Ansätzen:
- Gleitgele erhöhen die Gleitfähigkeit beim Geschlechtsverkehr.
- Befeuchtungsgele unterstützen die Schleimhautregeneration und normalisieren den pH-Wert.
- Probiotika (oral oder vaginal) fördern die Milchsäureproduktion und stabilisieren die lokale Flora.
- Lokal wirksame Hormontherapien mit Estradiol, Estriol, DHEA oder Prasteron verbessern die Schleimhautstruktur und -durchblutung.
- Nicht-hormonelle Verfahren wie Laserbehandlungen stimulieren Kollagenbildung und Durchblutung, wobei die Effekte zeitlich begrenzt sind.
Die DMG betont die Notwendigkeit einer dauerhaften Anwendung lokaler Therapien, um die Schleimhautgesundheit langfristig zu stabilisieren. Auch nach Brustkrebserkrankungen können niedrig dosierte lokale Präparate nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung erwogen werden.
Ärztliche Aufklärung und interdisziplinäre Verantwortung
Eine gezielte Aufklärung ist entscheidend, um Tabus zu brechen und frühzeitige Therapieentscheidungen zu fördern. Gynäkologinnen und Gynäkologen tragen hier eine zentrale Rolle.
Der Weltmenopausetag erinnert jährlich daran, dass Aufklärung über vaginale Gesundheit nicht nur Lebensqualität, sondern auch Selbstbestimmung fördert.










