Chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP) ist eine entzündliche Erkrankung der Nasennebenhöhlen, die durch persistierende Schleimhautwucherungen gekennzeichnet ist. Die Pathophysiologie ist vielschichtig und umfasst sowohl immunologische als auch umweltbedingte Faktoren.
Eine der Haupttherapien besteht in der Anwendung nasaler und systemischer Kortikosteroide. Falls diese nicht ausreichen, wird die endoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie (ESS) als operative Behandlungsoption eingesetzt. Trotz dieser Intervention entwickeln einige Patienten erneut Polypen, sodass eine weitere Operation erforderlich wird. Eine aktuelle, in 'Clinical and Translational Allergy' veröffentlichte Studie aus Finnland analysierte, welche Faktoren das Risiko für eine Revisionsoperation beeinflussen.
Daten von mehr als 3.500 Patienten ausgewertet
Die populationsbasierte finnische Analyse umfasste 3.506 Patienten mit CRSwNP, die sich zwischen 2012 und 2018 einer endoskopischen Sinuschirurgie unterzogen hatten. Das Alter der Patienten lag zwischen 42 und 65 Jahren; 72 % waren männlich. Die Nachbeobachtung erstreckte sich bis Ende 2019.
Während der Nachbeobachtungszeit von bis zu sieben Jahren benötigten 15,9 % dieser Patienten mindestens eine erneute Operation.
Risikofaktoren für erneute chirurgische Eingriffe
Einfluss von Asthma und Antibiotikagebrauch
Die Wahrscheinlichkeit einer Revisionsoperation der Nasennebenhöhlen einschließlich der Entfernung von Nasenpolypen stieg, wenn der Patient zum Zeitpunkt der ersten Operation an Asthma litt oder eine Antibiotikatherapie erhielt.
- Patienten ohne Asthma oder Antibiotika hatten eine 11 %ige Wahrscheinlichkeit, innerhalb von drei Jahren eine Revisionsoperation zu benötigen.
- Patienten mit entweder Asthma oder einer Antibiotikatherapie wiesen ein 16 %iges Risiko auf.
- Bei Vorliegen beider Faktoren stieg das Risiko auf 23 %
Einfluss von Alter und Operationsumfang
Interessanterweise war ein höheres Alter mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für eine erneute Operation assoziiert (Odds Ratio [OR] = 0,82 pro Jahrzehnt; 95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI] 0,76–0,88).
Zusätzlich zeigte sich, dass ein ausgedehnterer chirurgischer Eingriff mit einem höheren Risiko für eine erneute Operation innerhalb von drei Jahren verbunden war (OR = 14,13; 95 %-KI 3,41–95,64).
Jeder sechste Patient muss erneut operiert werden
Die Untersuchung ergab, dass etwa jeder sechste Patient mit chronischer Rhinosinusitis und Nasenpolypen nach einer ersten endoskopischen Sinuschirurgie eine Revisionsoperation benötigt. Asthma, Antibiotikaeinsatz und das Ausmaß des ersten chirurgischen Eingriffs sind entscheidende Einflussfaktoren. Professor Sanna Toppila-Salmi, leitende Studienautorin, betont: „Die Ergebnisse zeigen, dass schwere Formen der CRSwNP oft mit Asthma assoziiert sind. Patienten mit einem schweren Verlauf könnten von zusätzlichen Behandlungsoptionen wie Biologika profitieren, falls Antibiotika, orale Kortikosteroide und wiederholte chirurgische Eingriffe nicht ausreichen.“
Darüber hinaus sollten Patienten bereits vor der ersten Operation über das Risiko eines erneuten Polypenwachstums informiert werden. Eine umfassende Aufklärung ist essenziell, um realistische Therapieerwartungen zu schaffen und fundierte Entscheidungen über die Behandlung zu ermöglichen.








