Nasenpolypen

Riechminderung, Kopfschmerz, Schnarchen und respiratorische Infekte können Anzeichen für Nasenpolypen sein. Diese gehen häufig mit Erkrankungen wie Asthma bronchiale oder Mukoviszidose einher. In solchen Fällen ist eine ärztliche Abklärung stets angezeigt.

Nasenpolypen

Definition

Bei Nasenpolypen handelt es sich um blass-graue, gestielte, gutartige Wucherungen der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen, die bis in die Haupthöhle der Nase hineinragen und zu einer Behinderung der Nasenatmung führen können.

Epidemiologie

Ca. 4% der deutschen Bevölkerung sind von Nasenpolypen betroffen, wobei die Prävalenz mit dem Alter ansteigt und Männer mit einem Verhältnis von 2:1 etwas häufiger erkranken [5,6].

Ursachen

Das Auftreten von Nasenpolypen steht oft im Zusammenhang mit verschiedenen systemischen oder allergischen Erkrankungen.

Etwa ein Viertel der Betroffenen leidet an einer allergischen Rhinitis, außerdem entwickeln viele Patienten mit einer chronischen Rhinosinusitis eine Polyposis nasi. Ein vermehrtes Auftreten von Nasenpolypen wird zudem bei Patienten mit Mukoviszidose (zystische Fibrose) beobachtet. Ein anderes Beispiel ist die seltene Primäre Ciliäre Dyskinesie, eine hereditäre Erkrankung mit einer Motilitätsstörung der Zilien.

Des Weiteren scheint ein Zusammenhang zwischen einem nichtallergischen Asthma bronchiale und Nasenpolypen zu bestehen.

Das gleichzeitige Auftreten von Asthma bronchiale, einer Intoleranz gegenüber nichtsteroidalen Antirheumatika und Polyposis nasi wird als „Samter-Trias“ bezeichnet [2,3,7,8].

Pathogenese

Die Pathophysiologie für die Entstehung von Nasenpolypen ist bis heute nicht abschließend geklärt. Interessanterweise konnten im Nasensekret von nicht-allergischen Patienten mit Nasenpolypen ähnlich hohe IgE und Interleukin (IL)-5-Werte wie bei Menschen mit Allergien gefunden werden, sodass hier Überschneidungen in der Pathophysiologie vermutet werden.

Bei 80-90% der Patienten mit Polyposis nasi konnte als wesentliches histologisches Merkmal eine Eosinophilie gefunden werden. Eosinophile Granulozyten beinhalten Substanzen, die zu entzündlichen Reaktion am Epithel des oberen und unteren Respirationstrakt führen. Die hohe Konzentration von Eosinophilen kommt vermutlich durch eine gesteigerte transendotheliale Migration und die Inhibition des programmierten Zelltods zustande [4,6,7].

Nasenpolypen entstehen meistens im Sinus ethmoidalis oder dem Sinus sphenoidalis, seltener im Sinus maxillaris oder frontalis. Sie zeigen sich häufig im Bereich der mittleren Nasenmuschel oder des mittleren Nasengangs, die Ursache für die typische Lokalisation ist unklar [8].

Einteilung

Nach Stammberger können Nasenpolypen in verschiedene Unterformen eingeteilt werden. Unterschieden werden die fünf folgenden Typen:

  • I Choanalpolyp
  • II Isolierte große Einzelpolypen
  • III Polypen bei chronischer Rhinosinusitis (nicht eosinophil dominiert, ohne Atemwegshyperreagibilität)
  • IV Polypen bei chronischer Rhinosinusitis (eosinophil dominiert), diffuse Polyposis bei Analgetikaintoleranz, allergischer chronischer Rhinosinusitis, Asthma bronchiale
  • V Polyposis bei spezifischen Erkrankungen

Symptome

Durch die Wucherungen in der Nase wird in Abhängigkeit von Größe und Form der Polypen die Nasenatmung behindert, was wiederum zu Kopfschmerzen und nächtlichem Schnarchen führen kann. Zudem klagen Betroffene häufig über vermindertes Riechvermögen (Hyp- oder Anosmie), postnasale Sekretion und ggf. rezidivierende entzündliche Erkrankungen wie Laryngitiden oder Bronchitiden.

Durch virale Infektionen der oberen Atemwege wird die Symptomatik insgesamt verstärkt.

Selten kann durch eine ödematöse Verlegung der Eustachi-Röhre das Hören beeinträchtigt sein [8].

Diagnostik

Das wichtigste HNO-ärztliche Verfahren zur Diagnostik von Nasenpolypen ist die Rhinoendoskopie. Dafür kann vorher ein abschwellendes Nasenspray gegeben werden, ggf. ist zudem eine örtliche Betäubung mit Lidocain hilfreich. Typischerweise zeigt sich in der Rhinoendoskopie eine glatt begrenzte, blasse Aussackung.

Teilweise können weitere bildgebende Verfahren sinnvoll sein, um vor allem bei therapieresistenten Polypen den Kenntnisstand über Größe und Form der Ausstülpungen zu ergänzen. Es eignen sich vor allem das MRT und das CT.

Um die Durchgängigkeit der Nase zu messen, ist die die Messung des „Peak Nasal Inspiratory Flow“ (PNIF) eine Möglichkeit.

Zur weiterführenden Diagnostik kommen die Olfaktometrie sowie eine allergologische Diagnostik in Frage [8].

Stadieneinteilung

Zur Stadieneinteilung von Nasenpolypen schlagen Rasp et al. in ihrem Paper aus dem Jahre 2000 ein vierstufiges Modell vor, bei dem die Größe der Polypen, etwaige Einschränkungen des Geruchs- und Hörsinnes, nasale Obstruktion und Begleitsinusitiden eine Rolle spielen [7].

  • Stadium 0: kein Polypenwachstum,
  • Stadium 1: Polypenwachstum bis in das Siebbein
  • Stadium 2: Polypenwachstum bis in den mittleren Nasengang
  • Stadium 3: Polypenwachstum über den mittleren Nasengang hinaus
  • Stadium 4: komplette Verlegung der Nasenhaupthöhle

Therapie

Zur symptomatischen Therapie von Nasenpolypen eignen sich in erster Linie topische Kortikosteroide. Diese Maßnahme sollte vor allem bei bislang unbehandelten Wucherungen und zur Rezidivprophylaxe nach einer chirurgischen Therapie angewandt werden.

Eine Therapie mit systemischen Kortikosteroiden in zunächst höherer Dosis, die dann ausgeschlichen werden, kann einen operativen häufig hinauszögern. Rezidive nach oraler Steroidtherapie sind zwar sehr häufig, die präoperative Therapie mit Kortikosteroiden erleichtert aber oft die Operation.

Wenn bei Patienten mit schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen systemische Kortikosteroide oder eine Operation keine ausreichende Wirkung zeigen, bieten Biologika (z. B. Dupilumab) eine Option.

Bei Patienten mit Polyposis und ASS-Intoleranz kann eine adaptive Desaktivierung durch Leukotrien-Antagonisten durchgeführt werden. Das Ziel der Therapie, eine induzierte ASS-Toleranz, wird durch die täglich sich erhöhende Gabe oraler Acetylsalicylsäure erreicht. Die Therapie muss zumindest in der Induktionsphase stationär erfolgen, da anaphylaktische Reaktionen nicht auszuschließen sind.

Bei Versagen der medikamentösen Therapie weist die Leitlinie zur Polyposis nasi auf die Möglichkeit der endoskopischen Nasennebenhöhlenchirurgie hin, bei der das hyperplastische Sinusgewebe entfernt wird. Die genaue Operationstechnik muss individuell festgelegt werden und reicht von einer einfachen Polypenabtragung bis zur Pansinusoperation.

Da die operative Therapie nur symptomatisch ist und die zugrunde liegende entzündliche Pathophysiologie unbeeinflusst bleibt, ist eine postoperative medikamentöse Therapie mit Steroiden für mindestens sechs Monate bis zu einem Jahr unabdingbar.

Generell sollte bei bekannter Allergie oder Asthma bronchiale eine suffiziente Therapie dieser Komorbiditäten erfolgen, um die Symptomatik nicht zu verschlimmern.

Bei der Polyposis nasi handelt es sich um eine Erkrankung mit hoher Rezidivrate, die häufig chronisch verläuft. Darüber müssen die Patienten aufgeklärt werden [1,4].

Prophylaxe

Die Prophylaxe von Nasenpolypen besteht im Allgemeinen in der Kontrolle und Behandlung von prädisponierenden oder assoziierten Krankheiten wie Asthma bronchiale oder Allergien. Eine gute Raumfeuchtigkeit und die gelegentliche Anwendung von Salzwassersprays und/oder Nasenduschen kann bei der Pflege der Schleimhäute helfen. Körperliche Aktivität an der frischen Luft und eine gesunde Ernährung stärken das Immunsystems und sind grundsätzlich zu empfehlen.

Autor:
Stand:
28.07.2023
Quelle:
  1. Behrbohm et al. (2012): Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, DOI: 10.1055/b-002-37761
  2. Coromina et al. (1990): Nasal mucociliary clearance in patients with nasal polyposis, Journal for oto-rhino-laryngology and its related specialties, DOI: 10.1159/000276156
  3. Davidsson et al. (1993): The so-called ‘allergic’ nasal polyp, Journal for oto-rhino-laryngology and its related specialties, DOI: 10.1159/000276349
  4. Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie, Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Sinusitis und Polyposis nasi, August 2003
  5. Hosemann et al. (1994): Epidemiology, pathophysiology of nasal polyposis, and spectrum of endonasal sinus surgery, American journal of otolaryngology, DOI: 10.1016/0196-0709(94)90056-6
  6. Newton, Ah-See (2008): A review of nasal polyposis, Therapeutics and clinical risk management, DOI: 10.2147/tcrm.s2379
  7. Rasp et al. (2000): Ein neues System zur Einteilung der Siebbeinpolyposis, Laryngo- rhino- otologie, DOI: 10.1055/s-2000-8806
  8. Trautmann et al. (2022): Allergologie in Klinik und Praxis, Georg Thieme Verlag KG, DOI: 10.1055/b000000469
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