Hintergrund
Vor einer Impfung wird oft nach dem Wunscharm gefragt. Bislang standen hier die persönlichen Präferenzen im Vordergrund. Ob die Wahl des Impfarms auch einen Einfluss auf die Immunreaktion hat, war unklar.
Im Jahr 2022 ergab eine Studie an Mäusen, dass ein an gleicher Stelle injizierter Influenza-Proteinimpfstoff stärkere Immunantworten hervorruft [1]. Eine neue Studie liefert nun Hinweise darauf, dass eine ipsilaterale Impfung auch bei Menschen einen besseren Schutz generieren kann als die kontralaterale Impfmethode – zumindest bei den Erst- und Auffrischimpfungen gegen Covid-19. Zu dieser Erkenntnis kam eine Forschungsgruppe um Doktorandin Laura Ziegler, wie aus einer Pressemitteilung der Universität des Saarlandes hervorgeht [2]. Die Ergebnisse der Studie sind in der medizinischen Fachzeitschrift "eBioMedicine" erschienen [3].
Daten von über 300 Probanden ausgewertet
Für die Beobachtungsstudie wurden insgesamt 303 ungeimpfte Personen rekrutiert. Die Probanden erhielten zwei Impfungen mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty (BioNTech/Pfizer) im Abstand von sechs Wochen, entweder ipsilateral (n=147) oder kontralateral (n=156). Zwei Wochen nach der 2. Dosis wurden die Spike-spezifischen IgG-Antikörper, die IgG-Avidität und die neutralisierenden Antikörper gemessen. 143 Personen (64 ipsilateral, 79 kontralateral) untersuchte die Arbeitsgruppe auf Spike-spezifische CD4- und CD8-T-Zellen.
Stärkere Immunreaktion bei ipsilateraler Impfung
Die Immunreaktionen waren in beiden Gruppen robust, dennoch zeigten sich bemerkenswerte Unterschiede. Besonders auffällig war, dass die Anzahl der Spike-spezifischen CD8-T-Zellen zwei Wochen nach einer ipsilateralen Impfung signifikant höher war als bei denjenigen, die ihre Impfungen in beide Arme erhalten hatten. Ziegler erklärt dies näher: „Bei den ipsilateral geimpften Probanden konnten wir die Killerzellen in 67 Prozent der Fälle nachweisen. Bei den kontralateral geimpften Personen lag dieser Anteil nur bei 43 Prozent“ (p=0,004). Damit würde das Immunsystem von ipsilateral Geimpften im Falle einer Covid-19-Infektion sehr wahrscheinlich effektiver auf das Virus reagieren können.
Die mediane Konzentration der Spike-spezifischen IgG-Antikörper war in beiden Gruppen ähnlich. Allerdings fiel die neutralisierende Aktivität nach einer kontralateralen Impfung signifikant niedriger (p=0,004) aus, wie Martina Sester, Professorin für Transplantations- und Infektionsimmunologie, ergänzt. Dies legt nahe, dass die Antikörper bei den Personen, die in beiden Armen geimpft wurden, weniger effektiv arbeiteten im Vergleich zu jenen, die die Impfung im selben Arm erhielten.
Die Werte der Spike-spezifischen CD4-T-Zellen unterschieden sich in beiden Gruppen kaum, obschon Probanden nach einer kontralateralen Impfung eine signifikant höhere CTLA-4-Expression aufwiesen (p=0,011).
Anwendbarkeit auf andere Impfungen
Die erhöhte neutralisierende Antikörperaktivität und die vermehrte Anzahl von Spike-spezifischen CD8-T-Zellen bei ipsilateralen Coronaimpfungen könnten sich positiv auf den Schutz vor SARS-CoV-2-Infektionen und schweren Covid-19-Verläufen auswirken. Ob sich aus diesen Erkenntnissen Rückschlüsse auf andere Mehrfach-Impfungen wie die Influenza-Impfung oder Impfungen gegen Tropenkrankheiten ableiten lassen, bleibt abzuwarten. Hierfür sind weitere Untersuchungen erforderlich. Es sei aber durchaus denkbar, dass bestimmte Impfungen eine stärkere Schutzwirkung entfalten könnten, wenn sie im selben Arm verabreicht werden, so das Resümee der Studienautoren.









