HIV-Remission nach Stammzelltransplantation ohne resistente Genmutation

Die HIV-Infektion ist durch die antiretrovirale Therapie gut kontrollierbar, eine generelle Heilungschance besteht bisher jedoch nicht. Dennoch gibt es Fälle, bei denen eine Stammzelltransplantation zu einer HIV-Remission geführt hat, die auf eine spezielle Genmutation zurückgeführt wird.

HIV

Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) gehört zur Familie der Retroviren. Die Infektion führt zu einer fortschreitenden Immunschwäche, deren Endstadium als AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) bekannt ist.

HIV-Therapie – Kontrolle aber keine Heilung?

Die HIV-Infektion wird mit einer antiretroviralen Therapie behandelt. Diese zielt darauf ab, die Replikation der Viren zu hemmen, um so die Symptome zu lindern und die Progression der Krankheit zu verlangsamen. Mit dieser Therapie ist eine Rekonstitution des Immunsystems möglich, wodurch die Viruslast im Körper und damit die Infektiosität und das Transmissionsrisiko reduziert werden.

Mutation verantwortlich für Resistenz

Bisher gelten fünf Patienten als wahrscheinlich von einer HIV-Infektion geheilt. Sie erhielten eine Knochenmark- oder Stammzelltransplantation. Die Spender wiesen alle die seltene Genmutation CCR5Δ32 auf.

Der Co-Rezeptor CCR5 ist eine wichtige Zielstruktur, die es dem Virus erst ermöglicht, in die Wirtszelle einzudringen. Fehlt dieser Rezeptor, besteht eine natürliche Resistenz.

Außergewöhnlicher Fall in Genf

Auf einer Konferenz der IAS (International AIDS Society) berichten Prof. Alexandra Calmy und Prof. Asier Sáez-Cirión aus Genf über eine Patientin, die nach einer Stammzelltransplantation als geheilt gilt.

Die Frau hatte sich Anfang der 1990er Jahre mit dem HI-Virus infiziert und wurde seither antiretroviral behandelt. Nachdem bei ihr Leukämie diagnostiziert worden war, erhielt sie 2018 eine Stammzelltransplantation zur Therapie.

Das Besondere in diesem Fall: Im Gegensatz zu den anderen Patienten trug der Stammzellspender nicht die CCR5Δ32-Mutation. Einen Monat nach der Transplantation konnte nachgewiesen werden, dass die Blutzellen der Patientin vollständig durch die des Spenders ersetzt worden waren. Dies führte zu einem deutlichen Rückgang der HIV-tragenden Zellen, so dass die antiretrovirale Therapie schrittweise reduziert und im November 2021 endgültig abgesetzt werden konnte.

Regelmäßige Kontrollen nach Absetzen der Therapie zeigten bei der Patientin keine Viruspartikel, kein aktivierbares Virusreservoir und auch keine erhöhte Immunantwort gegen das Virus. Diese Befunde schließen zwar nicht aus, dass das Virus noch im Körper persistiert, jedoch kann in diesem Fall von einer Remission der Infektion ausgegangen werden.

Stammzelltransplantation: Ein Heilungsweg für alle HIV-Patienten?

Trotz des unerwarteten Erfolgs ist es unwahrscheinlich, dass die Stammzelltransplantation als Therapieoption für eine breite Masse von HIV-Patienten in Frage kommt.

Zum einen kann die Krankheitsaktivität durch die antiretrovirale Therapie gut reduziert und kontrolliert werden. Andererseits ist die Stammzelltherapie jedoch ein risikoreicher und aggressiver Eingriff und die HLA-Allele von Spender und Empfänger müssen übereinstimmen.

Dennoch liefert der Genfer Fall laut Sáez-Cirión „unerwartete Einblicke in die Mechanismen der Elimination und Kontrolle viraler Reservoirs, die für die Entwicklung von HIV-Therapien wichtig sein werden".

Autor:
Stand:
04.08.2023
Quelle:

Universitätsklinikum Genf, Pressemitteilung: Un patient genevois en rémission du vih à la suite d’une greffe de moelle osseuse, 20.07.2023

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