Langkettige Omega-3-Fettsäuren aus einer Meeresquelle wie Lachs, Hering oder Thunfisch sowie Vitamin D werden vielfach als Nahrungsergänzungsmittel genutzt, um mögliche gesundheitliche Vorteile auszunutzen. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und den Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) ist unter anderem für die kardiovaskuläre Gesundheit wichtig, aber auch für eine normale Funktion des Immunsystems.
Bereits in den 1980er und 1990er Jahren zeigten randomisierte kontrollierte Studien, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Fischöl die Krankheitsaktivität, Schmerzen und Analgetikabedarf bei rheumatoider Arthritis verringern können.
Unklar war jedoch lange, ob Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl und Vitamin D auch das Neuauftreten von Autoimmunerkrankungen vermindern können. In der großen randomisierten kontrollierten Studie VITAL erhielten insgesamt 25.871 Probanden über ca. fünf Jahre in einem 2x2-Studiendesign täglich 2.000 IE Colecalciferol oder ein Placebo sowie 1000 mg Fischöl mit 460 mg EPA und 380 mg DHA oder ein Placebo mit Olivenöl.
Scheinbar präventive Wirkung von Vitamin D und Fischöl
Dabei verringerte Vitamin D das Auftreten von bestätigten Autoimmunerkrankungen (Hazard Ratio [HR] 0,78; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,61 bis 0,99). Ein statistisch signifikanter Effekt von Fischöl konnte hingegen bei bestätigten Autoimmunerkrankungen nicht beobachtet werden (HR 0,85; 95%-KI: 0,67 bis 1,08). Wurden jedoch die wahrscheinlichen Autoimmunerkrankungen hinzugenommen – hauptsächlich unzureichend dokumentierte Diagnosen von Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse – so konnte auch die Fischöl-Supplementation scheinbar das Auftreten von Autoimmunerkrankungen vermindern (HR 0,74; 95%-KI: 0,68 bis 0,99).
Die Ergebnisse der Studie zeigten also sowohl bei der Supplementation mit Vitamin D als auch mit Fischöl einen gerade so statistisch signifikanten protektiven Effekt. Dieser wurde bei dem Fischöl jedoch nur unter Hinzunahme von wahrscheinlichen Fällen gefunden. Wurden die wahrscheinlichen Fälle auch beim Vitamin D mitgerechnet, waren die Ergebnisse jedoch nicht mehr statistisch signifikant.
Nicht völlig überzeugende Ergebnisse
Vollständig überzeugend waren die Resultate damit nicht. Daher wurden nun in einer Anschlussstudie die Ergebnisse von zwei weiteren Jahren Beobachtungszeitraum veröffentlicht. Von den über 25.000 Probanden nahmen 21.592 an der verlängerten Nachbeobachtung teil. Währenddessen erhielten sie aber keine weiteren Studienpräparate.
Während dieser Beobachtungsphase nahmen 28,3% der Probanden selbst Vitamin D in einer Dosis von über 800 IE am Tag ein und 22,9% nutzten Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren.
Andere Resultate als initial
Für Vitamin D demonstrierte die Anschlussstudie einen deutlich schwächeren Effekt als die Initialstudie. Denn unter den Studienteilnehmern, die initial Vitamin D als Studienmedikation erhalten hatten, zeigte sich einschließlich der zweijährigen Nachbeobachtungszeit kein statistisch signifikanter Rückgang in der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen (HR 0,98; 95%-KI: 0,83 bis 1,17). Auch wenn wahrscheinliche Fälle von Autoimmunerkrankungen hinzugenommen wurden, waren die Ergebnisse nicht statistisch signifikant (HR 0,95; 95%-KI: 0,83 bis 1,10).
Ganz knapp statistisch signifikant war jedoch der Effekt bei der Fischöl-Supplementation (HR 0,83; 95%-KI: 0,70 bis 0,99). Das Ergebnis war weiter statistisch signifikant, wenn auch die wahrscheinlichen Fälle mitgerechnet wurden (HR 0,86; 95%-KI: 0,74 bis 0,98).
Häufiger Psoriasis bei Fischöl, seltener bei Vitamin D
Interessanterweise führte die Supplementation mit Vitamin D zu weniger Fällen von Psoriasis (HR 0,61; 95%-KI 0,38 bis 0,98). Andersherum traten mehr Fälle von Psoriasis bei Fischöl-Supplementation auf (HR 1,74; 95%-KI: 1,09 bis 2,80). Beide Zusammenhänge blieben bestehen, wenn auch die wahrscheinlichen Fälle mitberücksichtigt wurden.
Weiterhin zeigte sich ein stärkerer protektiver Effekt von Vitamin D bei einem Body-Mass-Index (BMI) unter 25 kg/m2 verglichen mit höherem BMI. Der Zusammenhang der Wirkung von Vitamin D mit niedrigerem BMI war ebenfalls statistisch signifikant.
Fischöl hingegen demonstrierte eine bessere Wirkung zur Prävention von Autoimmunerkrankungen, wenn eine positive Familienanamnese für solche Erkrankungen bestand. Der präventive Effekt war bei dieser Gruppe größer als bei allen anderen getesteten Subgruppen (HR 0,70; 95%-KI: 0,55 bis 0,90).
Insgesamt fraglicher Effekt
Insgesamt liefert leider auch die Anschlussstudie keine eindeutigen Ergebnisse. Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl zeigen zwar eine Tendenz zur protektiven Wirkung bei Autoimmunerkrankungen, jedoch ist dieser Effekt nicht sehr ausgeprägt und insgesamt nicht besonders überzeugend. Zwar sind bei diesen wichtigen Mikronährstoffen Mangelzustände sicher nachteilig, ein besonders großer individueller Vorteil bei genereller Supplementation zur Prävention von Autoimmunerkrankung in der Gesamtbevölkerung ist aber auch angesichts der großen Number Needed to Treat nicht zu erwarten.
Bestimmte Subgruppen könnten jedoch von einer entsprechenden Supplementation besonders profitieren. So wirkte Vitamin D vor allem bei Personen mit einem BMI unter 25 kg/m2. Besonders viele Autoimmunerkrankungen verhindern konnten Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl bei Personen mit einer entsprechenden positiven Familienanamnese.









