Die European Medicines Agency (EMA) hat Anfang April 2026 eine neue Themenseite veröffentlicht, die gezielt auf Sorgen, Fragen und Falschinformationen zu Impfstoffen eingeht. Ziel ist es, die wissenschaftliche Datenlage verständlich darzustellen und verbreitete Mythen evidenzbasiert einzuordnen. Im Zentrum steht dabei die Einordnung von Impfstoffen als eine der wirksamsten präventiven Maßnahmen in der Medizin. Jährlich retten sie weltweit Millionen Leben und schützen nicht nur Geimpfte selbst, sondern auch vulnerable Gruppen durch eine Verringerung der Übertragung.
Absage an den Autismus-Mythos
Ein Schwerpunkt liegt auf der anhaltenden Debatte um einen angeblichen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus. Die EMA verweist auf die Ursprünge dieser These in einer Studie von 1998, die mittlerweile als wissenschaftlich unhaltbar gilt und zurückgezogen wurde.
Aktuelle Evidenz aus verschiedenen Studiendesigns – darunter ökologische Studien, Fall-Kontroll-Studien und große Kohortenanalysen – zeigt konsistent, dass weder für Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffe noch für andere Vakzinen ein erhöhtes Autismusrisiko besteht. Besonders hervorgehoben wird eine dänische Registerstudie mit über 500.000 Kindern, die keinen Zusammenhang nachweisen konnte.
Thiomersal: Kaum noch relevant, gut untersucht
Auch Konservierungsmittel wie Thiomersal werden adressiert. Die EMA betont, dass für den quecksilberhaltigen Stoff keine Hinweise auf neurotoxische Effekte in Impfstoffen vorliegen. Allergische Reaktionen sind möglich, aber selten. Im Zuge globaler Strategien zur Reduktion der Quecksilberexposition ist Thiomersal heute weitgehend aus Impfstoffen verschwunden. In der EU kommt es hauptsächlich noch in bestimmten pandemischen Influenza-Impfstoffen in Mehrdosenbehältnissen zum Einsatz, die aktuell nicht im Markt verfügbar sind.
Adjuvanzien: Notwendig und sicher
Adjuvanzien, also Wirkverstärker in Impfstoffen, sind ein weiterer Fokus der neuen EMA-Seite. Sie ermöglichen eine stärkere Immunantwort bei geringerer Antigenmenge und tragen so zur Effizienz von Impfstoffen bei. Besonders Aluminiumverbindungen, die seit den 1930er-Jahren eingesetzt werden, gelten laut EMA als gut untersucht und sicher.
Die zulässige Höchstmenge von 1,25 mg pro Dosis wird in der Praxis meist deutlich unterschritten. Ein Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen, einschließlich Autismus, konnte auch hier nicht belegt werden. Typische Nebenwirkungen adjuvantierter Impfstoffe sind lokale Reaktionen wie Rötung oder Schmerzen sowie vorübergehende systemische Symptome wie Fieber oder Abgeschlagenheit.
Transparenz und kontinuierliche Überwachung
Die EMA unterstreicht zudem die strengen Zulassungsverfahren für Impfstoffe in der EU. Vor der Marktzulassung stehen umfangreiche präklinische und klinische Prüfungen, danach erfolgt eine kontinuierliche Pharmakovigilanz. Mit der neuen Seite baut die Behörde ihr Informationsangebot weiter aus. Das erfolgt auch als Reaktion auf persistierende Fehlinformationen im Zusammenhang mit Impfungen, zuletzt verstärkt im Kontext der COVID-19-Pandemie.





















