Bluthochdruck – ein modifizierbarer Risikofaktor
Bluthochdruck betrifft weltweit etwa 33% der Erwachsenen zwischen 30 und 79 Jahren und ist ein wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfälle. Die Prävalenz steigt mit dem Alter fast linear an. Bei den über 75-Jährigen liegt sie bei 75%. Die Behandlungs- und Kontrollrate bei älteren Menschen ist jedoch gering.
Frühere Studien zeigten, dass nicht-ärztlich geleitete Interventionsstrategien zur Bluthochdruckkontrolle wirksam sein können. Allerdings wurden ältere Patienten oft nicht berücksichtigt und kardiovaskuläre Erkrankungen und Todesfälle nicht ausgewertet.
Studie zu multimodalem Interventionsmodell bei Bluthochdruck
Chinesische Wissenschaftler wollten daher die nachhaltige Wirksamkeit und Sicherheit eines multimodalen Interventionsmodells mit einem strengen Zielwert für den Blutdruck von <130/80 mm Hg prüfen. Sie konzentrierten sich dabei auf Patienten mit Bluthochdruck ab 60 Jahren, die im ländlichen Raum mit weniger einfachem Zugang zu medizinischen Einrichtungen lebten. Erstautor Dr. Xiaofan vom Department of Cardiology des First Hospital der China Medical University in Shenyang, China, und Kollegen publizierten die Ergebnisse Im Fachblatt JAMA Cardiology [1].
Das China Rural Hypertension Control (CRHC)-Projekt
Die Forscher führten eine offene randomisierte Clusterstudie durch (NCT03527719). Dazu wurden 163 Gemeinden nach dem Zufallsprinzip einer multimodalen Intervention und 163 Gemeinden der üblichen Versorgung zugewiesen.
Es wurden 22.386 Personen mit Bluthochdruck im Alter ab 60 Jahren und 11.609 im Alter unter 60 Jahren in die Analyse einbezogen. Das mittlere Alter der Teilnehmer betrug 63,0 Jahre. Etwas mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer (61,3%) waren Frauen. Die Wissenschaftler teilten 11.289 ältere Personen mit Bluthochdruck nach dem Zufallsprinzip der Interventionsgruppe und 11.097 Personen der Regelversorgungsgruppe zu.
Maßnahmen in der Interventionsgruppe
Die Interventionsgruppe wurde von einer nicht-ärztlichen, medizinisch geschulten Fachkraft, einem „Gemeindearzt“ mit grundlegender medizinische Ausbildung, betreut. Ärzte in den kommunalen Krankenhäusern überprüften das Blutdruckmanagement und weitere Ärzte unterstützten die Behandlung von Patienten mit Herz- und Nierenkomplikationen. Die Gemeindeärzte in der Regelversorgungsgruppe erhielten keine Schulung oder Unterstützung für das Bluthochdruckmanagement.
Das Interventionsprogramm umfasste:
- Monatlich vergünstigte oder kostenlose blutdrucksenkende Medikamente
- Kostenlose elektronische Blutdruckmessgeräte für zu Hause und Schulung, den Blutdruck an zwei bis drei Tagen in der Woche zu messen und aufzuzeichnen
- Beratung zu Gesundheitsthemen, in Form von Einzelbesuchen oder Gruppensitzungen, in den ersten sechs Monaten monatlich und danach vierteljährlich
- In jeder Interventionsgemeinde wurden Selbsthilfegruppen für Patienten und Familienmitglieder eingerichtet.
Die Patienten in den Kontrollgemeinden erhielten die übliche Versorgung von ihren nichtärztlichen Gemeindeärzten oder Hausärzten.
Positiver Effekt in der Interventionsgruppe
Insgesamt betrug die Inzidenz von kardiovaskulären Erkrankungen in der Interventionsgruppe 2,2% pro Jahr und in der Regelversorgungsgruppe 3,0% pro Jahr über einen Zeitraum von vier Jahren (HR 0,72; P < 0,001).
Nach vier Jahren waren bei den älteren Personen in der Interventionsgruppe signifikant weniger kardiovaskuläre Erkrankungen aufgetreten als in der Regelversorgungsgruppe (2,7% vs. 3,5% pro Jahr; Hazard Ratio [HR] 0,75; P < 0,001) und die Gesamtmortalität war geringer (2,5% vs. 2,8% pro Jahr; HR 0,90; P = 0,01).
Besserer Effekt bei Jüngeren
Bei Patienten unter 60 Jahren war die Inzidenz von kardiovaskuläre Erkrankungen in der Interventionsgruppe ebenfalls niedriger als in der Regelversorgungsgruppe (1,3% vs. 2,0% pro Jahr). Die Risikoreduktion war signifikant (HR 0,64; P < 0,001).
Auch das Risiko für Schlaganfälle (HR 0,64; P < 0,001), Herzinsuffizienz (HR 0,39; P = 0,02) und Tod aufgrund eines kardiovaskulären Ereignisses (HR 0,54; P < 0,001) war deutlich reduziert.
Das Ausmaß der Risikoreduktion, die durch die Intervention bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfällen erreicht wurde, nahm mit fortschreitendem Alter allmählich ab.
Kein Einfluss der Intervention auf andere Parameter
In beiden Alterskategorien unterschieden sich die Inzidenz von Stürzen mit Verletzung, symptomatischer Hypotonie, Synkope und die Nierenergebnisse nicht signifikant zwischen den Gruppen.
Interventionsprogramm für den breiten Einsatz
Sowohl in der älteren als auch in der jüngeren Allgemeinbevölkerung mit Bluthochdruck konnte das von nicht-ärztlichen Fachkräften geleitete, multimodale, intensive Blutdruckinterventionsmodell das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfällen aller Ursachen effektiv und sicher reduzieren.
Diese praktikable und nachhaltige Strategie sollte in ressourcenarmen Umgebungen in China und weltweit in Programme zur Blutdruckkontrolle integriert werden, meint die Studiengruppe. Damit könnten angesichts einer alternden Bevölkerung auch die Gesundheitswesen entlastet werden.








