DGK 2026: Digitale Prävention – Wearables und DiGA in der Kardiologie

Digitale Technologien gewinnen in der kardiovaskulären Prävention an Bedeutung. Wearables, Apps und Telemedizin könnten neue Versorgungsmodelle ermöglichen.

Digital Monitoring

Digitale Technologien in der kardiovaskulären Prävention

Digitale Technologien entwickeln sich zunehmend zu einem Bestandteil der kardiovaskulären Prävention. Wearables, mobile Anwendungen und telemedizinische Konzepte könnten dazu beitragen, Risikofaktoren früher zu erkennen und Patienten langfristig zu begleiten.

Vor allem bei häufigen Erkrankungen wie Vorhofflimmern besteht ein großes Potenzial für digitale Screeningstrategien. Unentdecktes Vorhofflimmern ist mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert, weshalb eine frühzeitige Diagnose klinisch relevant ist.

Auf einem Satelliten-Symposium von Daiichi Sankyo wurden im Rahmen der DGK-Jahrestagung 2026 aktuelle Entwicklungen zur digitalen Prävention von Prof. Dr. Andreas Goette (St. Vincenz-Hospital Paderborn), Prof. Dr. Tienush Rassaf (Universitätsmedizin Essen) und Prof. Dr. Harm Wienbergen (Bremer Institut für Herz- und Kreislaufforschung) diskutiert.

Wearable-EKGs zur Detektion von Vorhofflimmern

Wearable-basierte EKG-Systeme ermöglichen ein kontinuierliches Monitoring des Herzrhythmus im Alltag. Laut Prof. Dr. Andreas Goette zeigen Meta-Analysen eine gepoolte Sensitivität von etwa 95 % und eine Spezifität von rund 97 % für die Detektion von Vorhofflimmern.

Auch randomisierte Studien deuten auf einen Nutzen hin. In einer Untersuchung bei Patienten mit erhöhtem Schlaganfallrisiko (CHA₂DS₂-VASc ≥ 3) führte ein Smartwatch-Screening zu einer um 7,3 Prozentpunkte höheren Detektionsrate von neu diagnostiziertem Vorhofflimmern.

Trotz dieser Fortschritte bleibt die ärztliche Validierung der Diagnose durch ein konventionelles EKG weiterhin erforderlich.

Digitale Gesundheitsanwendungen in der kardiovaskulären Versorgung

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) gewinnen auch im kardiovaskulären Bereich an Bedeutung. Allerdings ist das Angebot bislang begrenzt.

Von derzeit 59 im DiGA-Verzeichnis gelisteten Anwendungen betreffen nur zwei die kardiovaskuläre Medizin. Experten sehen daher in diesem Bereich ein starkes Entwicklungspotenzial.

Eine Studie zur Präventions-App „PreventiPlaque“ zeigte beispielsweise Verbesserungen bei LDL-C-Werten, körperlicher Aktivität und Lebensqualität. Die Anwendung nutzt unter anderem individualisierte Gefäßbildgebung, um Patienten ihr persönliches Atheroskleroserisiko zu verdeutlichen.

Präventionsassistenz und telemedizinische Betreuung

Neben digitalen Tools rückt auch die strukturelle Organisation der Prävention stärker in den Fokus. Prof. Dr. Harm Wienbergen betonte die Bedeutung interdisziplinärer Versorgungsmodelle.

In der IPP-Studie wurde ein intensives Präventionsprogramm untersucht, das speziell geschulte kardiovaskuläre Präventionsassistenzen und telemedizinische Betreuung kombinierte. Nach 24 Monaten lagen die krankheitsbedingten Gesundheitskosten in diesem Programm deutlich unter denen der Standardversorgung.

Zur Unterstützung solcher Modelle wurde ein DGK-Curriculum für kardiovaskuläre Präventionsassistenz entwickelt, das eine zertifizierte Qualifikation ermöglicht.

Perspektiven für eine digitale Präventionsstrategie

Die diskutierten Ansätze verdeutlichen das wachsende Potenzial digitaler Technologien in der kardiovaskulären Medizin. Wearables könnten die Früherkennung von Herzrhythmusstörungen verbessern, während digitale Anwendungen Patienten bei Lebensstiländerungen unterstützen.

Langfristig könnten solche Technologien auch zur strukturellen Entlastung des Gesundheitssystems beitragen. Gleichzeitig bleiben Fragen zur Integration in bestehende Versorgungsstrukturen sowie zur Evidenz langfristiger Effekte offen.

Weitere Studien werden erforderlich sein, um den klinischen Nutzen digitaler Präventionsstrategien umfassend zu bewerten und ihre Rolle in zukünftigen Versorgungsmodellen zu definieren.

Autor:
Stand:
01.06.2026
Quelle:

Quellen:

  1. Satellitensymposium im Rahmen der 92. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Mannheim 2026; Pressemitteilung der Daiichi Sankyo Europe GmbH vom 22. April 2026.
  2. Barrera N et al. JACC Adv 2025; 4:102133.
  3. Van Steijn NJ et al. J Am Coll Cardiol 2026. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2025.11.032. Letzter Aufruf: 04/2026.
  4. Ullrich G et al. NPJ Digit Med 2025; 8:47.
  5. Osteresch R et al. Am J Cardiol 2021; 154:7–13.
  6. Wienbergen H et al. Kardiologe 2022; 16:34–37.

    Hinweis: Dieser Beitrag wurde redaktionell verantwortet. KI-gestützte Werkzeuge wurden unterstützend eingesetzt. Die inhaltliche Prüfung erfolgte anhand der Originalquellen.

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