Emulgatoren erhöhen kardiovaskuläres Risiko

Daten der prospektiven Kohorte NutriNet-Santé zeigen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Emulgatoren in hochverarbeiteten Lebensmitteln. Die Assoziation ist schwach, allerdings werden Fertigprodukte mit Emulgatoren auch häufig konsumiert.

Reagenzgläser

Gibt man Öl in ein Glas mit Wasser, so verbinden sich die beiden Flüssigkeiten aufgrund ihrer unterschiedlichen Eigenschaften nicht. Emulgatoren sind Hilfsstoffe, die lipophile und hydrophile Flüssigkeiten, z.B. Öl und Wasser, als Emulsion vermengen und stabilisieren. Emulgatoren werden daher als Lebensmittelzusatzstoffe verwendet und kommen in hochverarbeiteten Lebensmitteln (ultra-processed foods [UPFs]) vor. Emulgatoren in Lebensmitteln verbessern die Textur und verlängern die Haltbarkeit der Produkte. Daneben gehen sie allerdings mit negativen Folgen für die Gesundheit einher und werden mit Adipositas, Krebserkrankungen, Typ-2-Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Die NutriNet-Santé-Studie

Bedenkt man, dass in Nordamerika und Europa Erwachsene ihren Energiebedarf zu 30-60% über UPFs decken und Emulgatoren zu den häufigsten Lebensmittelzusatzstoffen zählen, lohnt es sich die Assoziation zwischen Emulgatoren und ihren Auswirkungen auf die Gesundheit genauer zu untersuchen. Dies wurde beispielsweise in der französischen NutriNet-Santé-Kohortenstudie erforscht [1]. In dieser Studie wurden Ernährungs- und Gesundheitszusammenhänge in einer großen Kohorte von über 100.000 Teilnehmern in Frankreich von 2009 bis 2021 untersucht.

Assoziation zwischen Emulgatoren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Basierend auf den Daten der prospektiven NutriNet-Santé-Kohorte analysierten Forscher um Dr. Laury Sellem von der Université Sorbonne in Paris nun die Assoziation zwischen Emulgatoren in Lebensmitteln und dem Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen [2]. Das Team um Sellem wertete die Daten von 95.442 Probanden im Alter von > 18 Jahren ohne diagnostizierte Herz-Kreislauf-Erkrankung aus, die in den ersten 2 Jahren des Nachbeobachtungszeitraumes mindestens drei Ernährungsaufzeichnungen über 24 Stunden durchgeführt hatten.

Die Forscher suchten in den Daten nach möglichen Zusammenhängen zwischen der Aufnahme von Emulgatoren (mg/Tag) und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen allgemein, für koronare Herzerkrankungen (KHK) und für zerebrovaskuläre Erkrankungen wie Schlaganfälle und transiente ischämische Attacken als Outcomes.

Erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen bei zahlreichen Emulgatoren

Das mittlere Alter der Studienteilnehmer lag bei 43,1 Jahren (± 14,5) und 79,0% waren weiblichen Geschlechts. Im Nachbeobachtungszeitraum, der im Median bei 7,4 Jahren lag, wurden 1.995 kardiovaskuläre Erkrankungen, 1.044 Fälle von KHK und 974 zerebrovaskuläre Erkrankungen erfasst.

Ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, KHK und zerebrovaskuläre Erkrankungen wurde für mehrere zu den Emulgatoren zählenden Lebensmittelzusatzstoffe mit Hazard Ratios (HR) mit dem entsprechenden 95%-Konfidenzintervall (KI) erfasst:

  • Zellulose (E460-E468)
    Kardiovaskuläre Erkrankungen: HR 1,05; 95%-KI 1,02 bis 1,09 (p=0,003)
    KHK: HR 1,07; 95%-KI 1,02 bis 1,12 (p=0,004)
  • Carboxymethylzellulose (E466)
    Kardiovaskuläre Erkrankungen: HR 1,03; 95%-KI 1,01 bis 1,05 (p=0,004)
    KHK: HR 1,04; 95%-KI 1,02 bis 1,06 (p=0,001)
  • Milchsäureester von Mono- und Diglyceriden von Fettsäuren (E472b)
    Kardiovaskuläre Erkrankungen: HR 1,06; 95%-KI 1,02 bis 1,10 (p=0,002)
    Zerebrovaskuläre Erkrankungen: HR 1,11; 95%-KI 1,06 bis 1,16 (p<0,001)
  • Zitronensäureester von Monoglyceriden und Diglyceriden von Fettsäuren (E472c)
    Kardiovaskuläre Erkrankungen: HR 1,04; 95%-KI 1,02 bis 1,07 (p=0,004)
    KHK: HR 1,06; 95%-KI 1,03 bis 1,09 (p<0,001)
  • Trinatriumphosphat (E339)
    KHK: HR 1,06; 95%-KI 1,00 bis 1,12 (p=0,03).

Emulgatoren auf Basis von Monoglyceriden und Diglyceriden von Fettsäuren (E471 und E472) führten zu einem erhöhten Risiko für alle Outcome-Parameter. Konsistente Zusammenhänge bestätigten sich in den Sensitivitätsanalysen.

Stärken und Schwächen der Studie

Stärken der Studie sind die hohe Teilnehmerzahl und das prospektive Design. Der Nachbeobachtungszeitraum ist nicht vergleichbar mit Langzeitstudien wie etwa in der Framingham-Studie. Dennoch ist die Nachbeobachtungszeit von im Median 7,0 Jahren (Maximum 12,4 Jahre) vergleichbar mit anderen großen Kohortenstudien, beispielsweise der UK Biobank oder der Prevención con Dieta Mediterránea-Studie.

Eine der Limitationen der Studie ist die Geschlechterverteilung. Die Mehrzahl der Teilnehmer (79,3%) war weiblichen Geschlechts. Die Teilnehmer hatten auch einen besseren Bildungsstand und ein höheres Gesundheitsbewusstsein im Vergleich zur französischen Allgemeinbevölkerung. Weiterhin wurden Emulgatoren in losen, unverpackten Lebensmitteln wie Backwaren nicht erfasst und auch keine natürlichen Emulgatoren, wozu beispielsweise Lecithine in Eiern zählen.

Emulgatoren in Fertigprodukten erhöhen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Studienergebnisse zeigen eine positive Assoziation zwischen dem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und der Aufnahme von fünf einzelnen Lebensmittelemulgatoren und zwei Gruppen von Lebensmittelemulgatoren, welche häufig in hochverarbeiteten Lebensmitteln vorkommen. Obwohl die Assoziationen nicht stark ausgeprägt waren, sehen die Autoren die Ergebnisse als bedeutsam für die öffentliche Gesundheit an, da Emulgatoren als Lebensmittelzusatzstoffe in hochverarbeiteten Lebensmitteln weit verbreitet sind.

Die Studie wurde vom französischen Gesundheitsministerium sowie weiteren öffentlichen Institutionen in Frankreich unterstützt und ist bei ClinicalTrials.gov unter der Nummer NCT03335644 registriert.

Autor:
Stand:
07.12.2023
Quelle:
  1. Chazelas et al. (2021): Exposure to food additive mixtures in 106,000 French adults from the NutriNet-Santé cohort. Scientific Reports, DOI: https://doi.org/10.1038/s41598-021-98496-6
  2. Sellem et al. (2023): Food additive emulsifiers and risk of cardiovascular disease in the NutriNet-Santé cohort: prospective cohort study. The BMJ, DOI: https://doi.org/10.1136/bmj-2023-076058
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