Die Frage, ob Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (HF) ihre tägliche Flüssigkeitszufuhr einschränken sollten, gehört zu den kontrovers diskutierten Aspekten der Therapie. Zwar empfehlen kardiologische Leitlinien wie die der ESC bei stabiler HF eine Flüssigkeitsrestriktion von etwa 1.500 ml pro Tag, doch die Evidenzlage war bislang schwach. Auf dem ACC-Kongress 2025 wurden nun erstmals kontrollierte Daten vorgestellt: Die FRESH-UP-Studie untersuchte den Einfluss einer liberalen im Vergleich zu einer restriktiven Flüssigkeitsaufnahme auf Lebensqualität und Sicherheit bei stabilen Patienten mit HF.
Empfehlung zur Trinkmengenrestriktion bei Herzinsuffizienz?
Eine reduzierte Trinkmenge soll das Risiko einer Volumenüberlastung bei Herzinsuffizienz verringern. Es ist jedoch noch unklar, ob dies klinisch relevante Vorteile bringt. Beobachtungen zeigen, dass eine zu strenge Limitierung das Durstempfinden erhöhen und die Lebensqualität verschlechtern kann. Dies kann sich auch negativ auf die Therapieadhärenz auswirken. Die Nationale Versorgungsleitlinie Herzinsuffizienz verzichtet daher auf feste Trinkmengenempfehlungen und empfiehlt eine individuelle Anpassung anhand der Gewichtsentwicklung.
Studie zur Lebensqualität unter unterschiedlicher Flüssigkeitszufuhr
Die FRESH-UP-Studie („Fluid Restriction vs. liberal fluid intake in Stable Heart failure“) wurde zwischen Mai 2021 und Juni 2024 in sieben Zentren in den Niederlanden durchgeführt. Eingeschlossen wurden 504 ambulant behandelte Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium II oder III, unabhängig von der Ejektionsfraktion. Ausgeschlossen wurden u.a. Patienten mit kürzlicher Hospitalisierung, signifikanter Niereninsuffizienz oder Hyponatriämie.
Die Teilnehmenden wurden randomisiert entweder einer liberalen Flüssigkeitszufuhr (Trinken nach Bedarf, ohne feste Obergrenze) oder einer Restriktion auf maximal 1.500 ml pro Tag zugeteilt. Die Interventionsphase dauerte drei Monate. Der primäre Endpunkt war die Veränderung des Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire Overall Summary Score (KCCQ-OSS), ein validiertes Maß für die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei HF. Als sekundärer Endpunkt wurde der Durst mittels der Thirst Distress Scale for Heart Failure (TDS-HF) gemessen.
Klinische Endpunkte vergleichbar in beiden Gruppen
Im Verlauf der Studie zeigte sich ein durchschnittlicher Unterschied von etwa 280 ml pro Tag zwischen den beiden Gruppen. In der liberalen Gruppe lag die Adhärenz nach Selbsteinschätzung bei über 85 %, in der restriktiven Gruppe bei knapp 56 %.
Nach drei Monaten war der KCCQ-OSS in der liberalen Gruppe etwas höher, jedoch war der Unterschied nicht signifikant. Deutlichere Vorteile zeigten sich in einzelnen Subskalen wie dem Clinical Summary Score und dem Symptom Score. Darüber hinaus berichteten die Teilnehmenden mit liberaler Flüssigkeitsaufnahme signifikant weniger Durst.
Hinsichtlich klinischer Sicherheitsparameter - wie Mortalität, Hospitalisierung, Nierenfunktion oder NT-proBNP-Werte - zeigten sich keine relevanten Unterschiede. Auch die Dosierung der Diuretika blieb weitgehend konstant.
Experten-Kommentar: Relevanz für die Praxis
Prof. Birgit Aßmus (Universitätsklinikum Gießen und Marburg) sieht in den Ergebnissen einen wertvollen Beitrag zur Therapieoptimierung. Bei den überwiegend stabilen und medikamentös optimal eingestellten NYHA-II-Patienten zeigte sich kein klinischer Vorteil durch eine Trinkmengenbeschränkung auf 1.500 ml pro Tag - wohl aber eine höhere Durstbelastung.
Zwar war der Beobachtungszeitraum auf drei Monate begrenzt, und der Unterschied in der Trinkmenge vergleichsweise gering. Dennoch sprechen die Ergebnisse gegen starre Restriktionen bei stabilen HF-Patienten ohne Anzeichen einer Volumenüberlastung.
Flüssigkeitsmanagement individuell gestalten
Die FRESH-UP-Studie stellt die routinemäßige Empfehlung zur Flüssigkeitsrestriktion bei stabiler HF infrage. Eine liberale Flüssigkeitszufuhr scheint in dieser Patientengruppe sicher zu sein und kann das subjektive Wohlbefinden verbessern. In Zukunft sollte das Flüssigkeitsmanagement stärker individualisiert werden – orientiert an Symptomatik, Gewichtsverlauf und klinischer Stabilität.








