Als Folge des Alterungsprozesses liegen bei mehr als 10% der Menschen ab 75 Jahren Herzklappenerkrankungen vor. Sie manifestieren sich als Stenosen und/oder Insuffizienz. Beide Zustände führen zu einer Überbelastung des Herzens und können langfristig zu Herzschwäche oder anderen Herzerkrankungen führen.
Die typischen Symptome einer Herzklappenerkrankung umfassen Kurzatmigkeit, ein Engegefühl in der Brust, Brustschmerzen, Müdigkeit und Schwindel. Zudem können Herzrhythmusstörungen auftreten. Die Diagnose von Herzklappenerkrankungen erfolgt heute meist durch eine körperliche Untersuchung, ergänzt durch eine Echokardiographie.
Herzklappenerkrankungen bei Älteren oft unentdeckt
Eine leichte Herzklappenerkrankung kann lange unbemerkt bleiben, denn die Überweisung zur Echokardiographie basiert auf Symptomen, die bei älteren Menschen häufig auf das Alter und die Gebrechlichkeit zurückgeführt werden. Außerdem ist die Aussagekraft der Herzauskultation bei asymptomatischen älteren Patienten begrenzt. So werden viele Herzklappenerkrankungen nicht diagnostiziert.
Screening auf Herzklappenerkrankungen bei älteren Personen?
Eine frühzeitige Diagnose von Herzklappenerkrankungen könnte die Einleitung einer geeigneten Therapie ermöglichen und zu einer signifikanten Reduktion der kardialen Mortalität und Morbidität führen.
Studie mit Daten von über 4.000 symptomfreien Personen
In einer Studie konzentrierten sich Vasiliki Tsampasian von der Norwich Medical School der University of East Anglia in Großbritannien und ihre Kollegen darauf zu verstehen, wie weit verbreitet Herzklappenprobleme jeglicher Schwere bei gesunden, symptomfreien Erwachsenen ohne bekannte Herzerkrankungen sind. Sie untersuchten fast 4.500 Personen aus drei Regionen in Großbritannien und publizierten die Ergebnisse der Arbeit im Fachblatt European Heart Journal.
Die Wissenschaftler hatten asymptomatische Patienten im Alter von mindestens 60 Jahren ohne vorherige Indikation für eine Echokardiographie über ihre Hausarztpraxen zur Teilnahme an der Studie eingeladen. Die Untersuchungen bestanden aus einem Gesundheitsfragebogen, einer klinischen Untersuchung und einer transthorakalen Echokardiographie.
Herzklappenerkrankung bei einem Viertel der symptomfreien Älteren
Die Wissenschaftler diagnostizierten bei 28,2% der Patienten eine asymptomatische Herzklappenerkrankung. Am häufigsten fanden sie Regurgitationen der Trikuspidalklappe (13,8%), der Mitralklappe (12,8%) und der Aortenklappe (8,3%). Triviale Regurgitationen wurden nicht berücksichtigt.
Die Prävalenz klinisch signifikanter Herzklappenerkrankungen betrug 2,4% (2,2% mittelschwer und 0,2% schwer). Mitral- und Aorteninsuffizienz traten am häufigsten auf. Die Betroffenen waren signifikant älter, hatten einen erhöhten Blutdruck oder erhöhte Cholesterinwerte sowie einen niedrigeren Body Mass Index und rauchten seltener.
Die Prävalenz von Herzklappenerkrankungen stieg mit dem Alter an: von 21,2% bei den 60- bis 64-Jährigen auf 53,6% bei den über 85-Jährigen.
Prävalenz im Alter stark erhöht
Der einzige Parameter, der mit klinisch signifikanten Herzklappenerkrankungen assoziiert war, war das Alter (Odds Ratio 1,07 pro 1-Jahres-Inkrement). Bei jüngeren Personen (60-64 Jahre) lag die Prävalenz bei 1,5%, bei Personen über 85 Jahren bei 10,0%.
Nutzen eines echokardiographischen Screenings unklar
Die Forscher errechneten, dass 42 Personen ≥60 Jahre bzw. 15 Personen ≥75 Jahre echokardiographisch untersucht werden müssten, um einen klinisch signifikanten Fall einer Herzklappenerkrankung zu identifizieren. Ob es sinnvoll ist, ältere Menschen einem echokardiographischen Screening zu unterziehen, wurde in der Studie nicht bewertet.









