Variabilität der Lipoprotein(a)-Spiegel: Relevanz für die kardiovaskuläre Risikobewertung

Lipoprotein(a) gilt als wichtiger Biomarker für das kardiovaskuläre Risiko. Eine neue Studie analysiert die intraindividuelle Variabilität der Lp(a)-Spiegel und wirft Fragen zur gängigen Praxis der Messung auf.

Blutfette

Die Bedeutung von Lipoprotein(a) für die Kardiologie 

Lipoprotein(a) [Lp(a)] ist ein bekannter Risikofaktor für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ASCVD). Epidemiologische Studien zeigen, dass erhöhte Lp(a)-Spiegel mit einem erhöhten Risiko für Myokardinfarkt, Schlaganfall und Aortenklappenstenose assoziiert sind. Da die Plasmakonzentration von Lp(a) zu 70-90 % genetisch determiniert ist, empfehlen viele Fachgesellschaften bislang eine einmalige Messung zur Risikoeinschätzung. Dennoch gibt es Unsicherheiten hinsichtlich der intraindividuellen Variabilität von Lp(a), die die klinische Aussagekraft einer Einzelmessung beeinflussen könnte.

Offene Fragen zur intraindividuellen Variabilität

Die intraindividuelle Variabilität von Lp(a) wurde bisher nur unzureichend untersucht. Unklar ist, inwieweit physiologische Schwankungen oder methodische Messabweichungen zu Diskrepanzen in den Werten führen. Diese Unsicherheiten sind insbesondere relevant, wenn Lp(a)-basierte Therapieentscheidungen getroffen werden sollen. Die vorliegende Studie analysiert die intraindividuelle Variabilität der Lp(a)-Spiegel in der Placebo-Gruppe der OCEAN(a)-DOSE-Studie, um zu bewerten, ob wiederholte Messungen klinisch sinnvoll sind.

Design der OCEAN(a)-DOSE-Studie

Die OCEAN(a)-DOSE-Studie ist eine Phase-II, randomisierte, placebo-kontrollierte Studie zur Evaluierung der Wirksamkeit von Olpasiran, einem Lp(a)-senkenden Therapeutikum. Für die vorliegende Analyse wurden Daten aus der Placebo-Gruppe herangezogen. Die Teilnehmer waren Patienten mit etablierter ASCVD und erhöhten Lp(a)-Spiegeln (> 150 nmol/L). Die Messungen erfolgten über einen Zeitraum von 72 Wochen mit einer medianen Anzahl von 16 Messungen pro Patient.

Relevante intraindividuelle Schwankungen

Die mittlere intraindividuelle Variabilität (CVi) von Lp(a) betrug 10,0 % (± 3,9 %), wobei einzelne Messwerte um bis zu 49 % von den individuellen Mittelwerten abwichen.

  •  25 % der Patienten zeigten eine Abweichung von mindestens 25 % zu ihrem individuellen Mittelwert zu unterschiedlichen Messzeitpunkten auf.
  • 53 % wiesen eine absolute Differenz von mindestens 50 nmol/L zu unterschiedlichen Messzeitpunkten auf.
  • Die intraindividuelle Variabilität von Lp(a) war geringer als die von LDL-C (15,6 %) und Triglyzeriden (22 %), aber vergleichbar mit Apolipoprotein B (10,8 %).

Implikationen für die klinische Praxis

Die Studie zeigt, dass Lp(a)-Spiegel intraindividuell erheblich schwanken können. Dies stellt die gängige Praxis einer einmaligen Messung zur Risikobeurteilung infrage. Besonders in Fällen, in denen Grenzwerte zur Therapieentscheidung herangezogen werden, könnte eine erneute Messung sinnvoll sein. Noch offen ist, in welchen Abständen solche Wiederholungsmessungen erfolgen sollten.

Fazit und Forschungsbedarf

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die intraindividuelle Variabilität von Lp(a) höher ist als bisher angenommen. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die diagnostischen Strategien für Lp(a) zu überdenken und eine differenziertere Risikoabschätzung zu ermöglichen. Weitere Studien sind erforderlich, um optimale Messstrategien zu entwickeln und die Bedeutung dieser Variabilität für die kardiovaskuläre Prävention und Therapie zu klären.

Autor:
Stand:
14.03.2025
Quelle:

Gaba P et al. Intraindividual Variability in Serial Lipoprotein(a) Concentrations Among Placebo-Treated Patients in the OCEAN(a)-DOSE Trial. J Am Coll Cardiol. 2025;85(5):550-553. DOI: 10.1016/j.jacc.2024.10.081

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