Schwangerschaft und kardiovaskuläre Krankheiten
Etwa ein Drittel der Todesfälle im Zusammenhang mit Schwangerschaften können auf kardiovaskuläre Krankheiten (cardiovascular disease [CVD]) zurückgeführt werden. Häufig handelt es sich um Kardiomyopathien oder zerebrovaskuläre Krankheiten, aber auch andere CVDs können eine Rolle spielen. Dabei sollen die meisten Todesfälle (65,8%) im Rahmen einer Schwangerschaft vermeidbar sein. Um einer potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft gezielt vorzubeugen, müssen unter anderem die Risikofaktoren für eine CVD identifiziert werden [1,2].
Psychologische Risikofaktoren bislang vernachlässigt
Bereits bekannt ist, dass Schwangerschaftskomplikationen wie hypertensive Störungen, Mehrlingsschwangerschaften, Frühgeburten oder intrauterine Wachstumsrestriktion das Risiko für CVDs erhöhen. Bislang weitgehend unbeachtet wurde der Einfluss der perinatalen mentalen Gesundheit. Dabei ist eine Depression als unabhängiger Risikofaktor für CVDs bei nichtschwangeren Personen allgemein anerkannt. Eine potenzielle Verbindung zwischen Depressionen bei schwangeren Frauen und dem Risiko von CVDs ist bislang kaum untersucht worden.
Erhöhen pränatale Depressionen das CVD-Risiko?
US-amerikanische Wissenschaftler um Dr. Christina M. Ackerman-Banks vom Department of Obstetrics, Gynecology, and Reproductive Sciences der Yale University School of Medicine, gingen der Frage nach, wie hoch das kumulative Risiko einer kardiovaskulären Neuerkrankung in den ersten 24 Monaten nach einer Geburt bei Frauen ist, die während ihrer Schwangerschaft an einer pränatalen Depression litten [1]. Als Vergleichsgruppe dienten Frauen, die während der Schwangerschaft nicht depressiv waren. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Autoren im Journal of the American Heart Association.
Analyse von Daten aus zwölf Jahren
Die longitudinale, populationsbasierte Studie schloss schwangere Frauen ein, die von 2007-2019 geboren hatten und in der Maine Health Data Organization’s All Payer Claims (MHDO)-Datenbank registriert waren. Ausgeschlossen wurden Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft an CVDs erkrankt waren, Mehrlingsschwangerschaften hatten oder ohne kontinuierlichen Krankenversicherungsschutz während der Schwangerschaft waren.
Pränatale Depression und CVD wurden über die in der Datenbank registrierten und über (ICD-9) oder (ICD-10) Codes klassifizierten Diagnosen identifiziert. Im Einzelnen wurden folgende CVD-Diagnosen in der Studie berücksichtigt:
- Herzinsuffizienz
- ischämische Herzkrankheit
- Arrhythmie/Herzstillstand
- Kardiomyopathie
- zerebrovaskuläre Krankheiten
- chronische Hypertonie.
Zur Schätzung der CVD-Risiken wurden Cox-Modelle unter Adjustierung potenzieller Störfaktoren genutzt. Die Analysen wurden um hypertensive Störungen während der Schwangerschaft stratifiziert.
Erhöhte Risiken für CVD durch pränatale Depression
Insgesamt wurden 119.422 Schwangerschaften untersucht. Schwangere Frauen mit pränataler Depression hatten ein erhöhtes Risiko für mehrere CVDs
- ischämische Herzkrankheit (adjusted HR [aHR] 1,83; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,20 bis 2,80).
- Arrhythmie/Herzstillstand (aHR 1,60; 95%-KI 1,10 bis 2,31)
- Kardiomyopathie (aHR 1,61; 95%-KI 1,15 bis 2,24)
- neuaufgetretene Hypertonie (aHR 1,32; 95%-KI 1,17 bis 1,50).
Auch nach Stratifizierung um während der Schwangerschaft aufgetretene hypertensive Störungen blieben einige dieser Zusammenhänge bestehen.
Pränatale Depression als unabhängiger Risikofaktor
Das kumulative Risiko neuer CVD-Diagnosen postpartal war bei Frauen mit pränataler Depression erhöht. Dieses Ergebnis war auch dann persistent, wenn sich während der Schwangerschaft keine hypertensiven Störungen ereigneten. Um die Prävention von CVDs im Zusammenhang mit pränatalen Depressionen zu verbessern, bedarf es prospektiver Interventionsstudien, um mögliche pharmakotherapeutische Ansätze und/oder Lebensstiländerungen auf ihre Effekte bei schwangeren und postpartalen Frauen zu untersuchen.
Die Studie wurde unterstützt von Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health & Human Development of the National Institutes of Health.








