Antibiotic Stewardship im Fokus: ADKA-Poster beleuchten Verbrauch, Prozesse und Versorgungspraxis

Antibiotic Stewardship (ABS) endet nicht bei der Auswahl eines geeigneten Antibiotikums. Auf dem ADKA-Jahreskongress 2026 vorgestellte Poster beleuchten unterschiedliche Ansätze zur Optimierung antiinfektiver Therapien – von der kontrollierten Meropenem-Abgabe über standardisierte Vancomycin-Prozesse bis hin zu digitalen Entscheidungshilfen und Dokumentationsqualität im Stationsalltag. Gemeinsam verdeutlichen die Arbeiten, dass erfolgreiche ABS-Strategien sowohl strukturierte Prozesse als auch eine konsequente Umsetzung in der Praxis erfordern.

Antibiotika

Meropenem: Zusätzliche Indikationsprüfung wird mit weiterer Verbrauchsreduktion in Verbindung gebracht

Das Poster zur kontrollierten, patientenindividuellen Meropenem Abgabe beschreibt zwei nacheinander eingeführte Maßnahmen: regelmäßige ABS Visiten ab Januar 2022 und eine verpflichtende pharmazeutische Indikationsprüfung vor jeder Abgabe ab Juni 2024. Nach Darstellung des Posters war die kontrollierte Abgabe mit Indikationsprüfung additiv zu den ABS Visiten mit einer weiteren Verbrauchsreduktion assoziiert. Im Benchmarking verschob sich der Meropenem Verbrauch laut Poster von 2/4 Quartalen oberhalb des 75. Perzentils im Jahr 2021 auf 5/6 Quartalen unterhalb des 25. Perzentils ab dem II. Quartal 2024. Das Poster beschreibt die Indikationsprüfung außerdem als strukturierten Kommunikationsanlass, der Impulse für abteilungsbezogene Behandlungspfade gegeben habe. Gleichzeitig weisen die Autoren ausdrücklich darauf hin, dass gleichzeitige Einflussfaktoren aufgrund des retrospektiven Designs nicht ausgeschlossen werden können und prospektive Analysen zur Kausalitätsklärung sinnvoll erscheinen.

Vancomycin: Standardisierung der kontinuierlichen Gabe im Intensivbereich

Ein weiteres Poster beschreibt die Implementierung und Evaluation eines Standards zur kontinuierlichen Gabe von Vancomycin auf anästhesiologischen Intensivstationen.
Laut Poster konnte die kontinuierliche Gabe erfolgreich etabliert und in den klinischen Alltag integriert werden. Die Autoren schreiben, die Intervention habe die Prozessqualität verbessert und der neue Standard sei konsequent umgesetzt worden. Darüber hinaus werden Hinweise auf eine optimierte Steuerung der Wirkstoffspiegel beschrieben, insbesondere nach Integration in die elektronische Verordnungssoftware. Für den Nachweis signifikanter klinischer Effekte seien jedoch größere Fallzahlen erforderlich. Das Poster beschreibt zudem eine beobachtete Veränderung des Verordnungsverhaltens weg von Linezolid und hin zu Vancomycin, formuliert dies jedoch ausdrücklich als Beobachtung im Projektkontext.

Antiinfektiva-App: Positive Nutzerwahrnehmung, keine klinischen Endpunkte

Zur digitalen Unterstützung antiinfektiver Therapieentscheidungen wurde eine Antiinfektiva App evaluiert. Der Link zur Umfrage wurde nach Posterangaben an rund 2000 Mitarbeitende versandt; 145 Personen (7,25 %) nahmen teil. Von den Teilnehmenden gehörten 97,9 % dem ärztlichen Personal an. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, die App häufiger als die analoge Alternative zu nutzen. Das Poster berichtet außerdem, dass die App aus Sicht der Befragten die Arbeitsabläufe erleichtert, den Rechercheaufwand reduziert und zur Arzneimitteltherapiesicherheit beiträgt. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden sah laut Poster keinen Optimierungsbedarf an der aktuellen Version; gleichzeitig schlugen über 70 % eine Erweiterung auf weitere Themengebiete vor. Die Ergebnisse beruhen auf einer anonymen Online Befragung und bilden damit die Nutzerwahrnehmung ab. Direkte klinische Endpunkte werden im Poster nicht berichtet.

Intravenöse Antiinfektiva-Therapie: Abweichungen im Stationsalltag

Ein weiteres Poster untersuchte die Übereinstimmung zwischen ärztlicher Anordnung und pflegerischer Dokumentation intravenöser Antiinfektiva Gaben. In der retrospektiven Beobachtungsstudie wurden 5016 verordnete intravenöse Antiinfektiva Gaben bei 219 Patienten ausgewertet. Bei 1135 Gaben beziehungsweise 22,6 % wurde laut Poster mindestens eine Abweichung festgestellt. Davon entfielen 68,2 % auf die Dokumentation und 24,2 % auf die Verabreichung. Als häufigste Gründe für Verabreichungsabweichungen nennt das Poster das Fehlen eines intravasalen Zugangs sowie verspätete Gaben. Das Poster fasst zusammen, dass im Stationsalltag etwa jede fünfte intravenöse Antiinfektiva Gabe eine Abweichung aufweist – besonders bei der Dokumentation – und dass Dokumentationsprozesse standardisiert sowie Stationsprozesse optimiert werden sollten.

Redaktionelle Einordnung

Die vier Poster beschreiben unterschiedliche Ebenen des Antibiotic Stewardship: Indikationsprüfung, Standardisierung einer Therapie, digitale Unterstützung und die praktische Umsetzung am Patientenbett. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Prozesse rund um Antiinfektiva Therapien in den Mittelpunkt stellen. Die Poster zum Meropenem Verbrauch und zur Vancomycin Standardisierung beschreiben Veränderungen im Verbrauch beziehungsweise in der Prozessqualität unter strukturierten Maßnahmen. Die Arbeit zur Antiinfektiva App beschreibt vor allem die Akzeptanz aus Anwendersicht. Das Poster zur intravenösen Antiinfektiva Therapie macht deutlich, dass im klinischen Alltag weiterhin Abweichungen zwischen Anordnung, Dokumentation und Durchführung auftreten. In der gemeinsamen Betrachtung sprechen die Poster daher dafür, Antiinfektiva Therapien nicht nur unter dem Aspekt der Wirkstoffwahl, sondern auch unter dem Blickwinkel von Indikationsprüfung, Standardisierung, Dokumentation und Anwendbarkeit im Alltag zu betrachten.

Fazit

Die auf dem ADKA-Kongress 2026 vorgestellten Poster beschreiben Antibiotic Stewardship Maßnahmen auf mehreren Ebenen. Dabei wird eine zusätzliche Verbrauchsreduktion unter strukturierter Indikationsprüfung für Meropenem berichtet, während die kontinuierliche Gabe von Vancomycin als erfolgreich etablierter Prozessstandard beschrieben wird. Zugleich verweisen die Poster auf fortbestehende Herausforderungen bei Dokumentation und Umsetzung antiinfektiver Therapien sowie auf die Bedeutung praxistauglicher digitaler Werkzeuge. 

Für Apotheker in Klinik und Offizin bleibt damit die Prüfung, Einordnung und Begleitung antiinfektiver Therapien ein zentraler Beitrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit.

Autor:
Stand:
05.07.2026
Quelle:

ADKA-Kongress, Posterpräsentationen:

  1. ADKA-Poster 52: Evaluation intravenöser Antiinfektivatherapie – Dokumentationsqualität (Klimpel/Dahse, Leipzig)
  2. ADKA-Poster 63: Kontrollierte, patientenindividuelle Meropenemabgabe mit Indikationsprüfung (Richling et al., Dortmund)
  3. ADKA-Poster 78: Kontinuierliche Gabe von Vancomycin – Implementierung und Standardisierung (Wingen et al., Köln)
  4. ADKA-Poster 81: Evaluation eines digitalen Antibiotic-Stewardship-Tools (Wöstmann et al., Schleswig-Holstein)

Hinweis: Diese Meldung wurde unter Zuhilfenahme von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt, redaktionell geprüft und freigegeben. Für die inhaltliche Richtigkeit und Aktualität wurden die Originalquellen herangezogen.

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