DGK 2026: Smartwatches zur Hypertoniefrüherkennung?

Die arterielle Hypertonie zählt zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen. Vor diesem Hintergrund rückt auch die Frage in den Fokus, ob Smartwatches erhöhte Blutdruckwerte im Alltag frühzeitig erfassen und die Hypertoniefrüherkennung unterstützen können.

Wearable

Die arterielle Hypertonie zählt weltweit zu den bedeutendsten kardiovaskulären Risikofaktoren. Entsprechend groß ist das Interesse an Ansätzen, die eine frühere Erkennung erhöhter Blutdruckwerte im Alltag ermöglichen könnten. Vor diesem Hintergrund beleuchtete Prof. Dr. Christina Magnussen auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) den potenziellen Nutzen von Smartwatches zur Früherkennung einer Hypertonie.

Hypertonie als zentraler Risikofaktor

Zunächst betonte Prof. Magnussen die zentrale Rolle des Blutdrucks in der kardiovaskulären Prävention. Den präsentierten Daten zufolge wäre mehr als die Hälfte aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch die Kontrolle der fünf klassischen Risikofaktoren potenziell vermeidbar. Zu diesen Risikofaktoren zählen Hypertonie, erhöhte Cholesterinwerte, Übergewicht oder Adipositas, Diabetes und Rauchen.

Hohe präventive Relevanz der Hypertonie

Dabei kommt der arteriellen Hypertonie eine besondere Bedeutung zu. In den präsentierten Analysen war ihr Anteil an vermeidbaren Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Bevölkerung am größten, wobei dieser Anteil bei Frauen höher war als bei Männern.

Auch im Hinblick auf den Lebenszeitgewinn ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung erwies sich die Blutdruckkontrolle als besonders relevant. Die präsentierten Daten unterstreichen damit die hohe präventive Relevanz der Hypertonie. Eine frühere Erkennung und konsequentere Blutdruckkontrolle könnten wesentlich zur Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse beitragen.

Zwei Ansätze für das Blutdruckmonitoring per Smartwatch

Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Frage, was Smartwatches in diesem Kontext tatsächlich leisten können. Prof. Magnussen unterschied dabei zwei Ansätze. Der erste Ansatz umfasst algorithmische Hypertonie-Hinweise in Form von Benachrichtigungen, die auf erkannten Mustern beruhen.

Am Beispiel der Apple Watch wurde erläutert, dass keine klassische Blutdruckmessung in mmHg erfolgt. Stattdessen werden Muster identifiziert, die mit einem erhöhten Hypertonierisiko vereinbar sein können. Der potenzielle Nutzen liegt somit vor allem im longitudinalen Alltagsmonitoring. In Kombination mit weiteren Funktionen, wie Herzfrequenzwarnungen, Rhythmusbenachrichtigungen oder einem 1-Kanal-EKG, kann daraus ein digitales kardiovaskuläres Frühwarnsystem entstehen.

Der zweite Ansatz besteht in der direkten Blutdruckmessung am Handgelenk. Prof. Magnussen nannte als Beispiel eine Smartwatch mit integrierter aufblasbarer Manschette, die sowohl Einzelmessungen als auch eine ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung ermöglicht.

Kein Ersatz für validierte Oberarmmessung

Gerade bei der direkten Messung wies die Referentin auf wesentliche Limitationen hin. So ist die Handgelenksmessung störanfälliger als die Oberarmmessung und hängt in hohem Maße von der korrekten Positionierung auf Herzhöhe ab. Dadurch entstehen Risiken für Fehlmessungen, Fehlalarme und eine trügerische Sicherheit im Umgang mit den erhobenen Werten.

Auch algorithmische Benachrichtigungssysteme sind in ihrer diagnostischen Aussagekraft deutlich begrenzt. Sie sind nicht für die Diagnostik konzipiert und können die standardisierte Blutdruckmessung sowie die klinische Bewertung nicht ersetzen. Somit stellen Wearables derzeit keinen Ersatz für eine validierte Oberarmmessung und die ärztliche Einordnung dar.

Smartwatches nur als Teil eines Gesamtkonzepts

Prof. Magnussen zufolge liegt der Nutzen dieser Technologien in erster Linie nicht in ihrer technischen Innovation selbst, sondern darin, sie sinnvoll in den medizinischen Kontext zu integrieren. So können Smartwatches beispielsweise Verläufe im Alltag sichtbar machen und bislang unerkannte Hinweise auf eine Hypertonie liefern. Ihr Wert liegt vor allem in der Frühwarnfunktion.

Entsprechend differenziert fiel das Fazit des Vortrags aus. Wearables können die Hypertoniefrüherkennung unterstützen und künftig möglicherweise Teile des Screenings erleichtern. Der Referenzstandard bleibt jedoch derzeit die validierte Oberarmmessung. Entscheidend ist eine kluge ärztliche Einordnung der digitalen Signale.

Autor:
Stand:
20.04.2026
Quelle:

Magnussen C. et al.: „Blutdruck auf einen Blick? Smartwatches als Frühwarnsystem“, Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Mannheim, 09.04.2026

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden