AM-301: ein barrierebildendes Nasenspray bei allergischer Rhinitis

AM-301 verbesserte die nasalen Symptome und die Lebensqualität der Patienten effektiver im Vergleich zum Kochsalznasenspray. Beide Therapien waren sicher und wurden gut toleriert.

Nasenspray schematisch

Allergische Rhinitis beeinträchtigt Betroffene stark

Die allergische Rhinitis betrifft 20-30% der Erwachsenen und bis zu 40% der Kinder in Europa und den USA. Damit ist sie die häufigste atopische Erkrankung und der zweithäufigste Auslöser einer chronischen Erkrankung. Wenn die allergische Rhinitis schlecht kontrolliert ist, hat sie einen starken Einfluss auf die Lebensqualität, den Schlaf, tägliche Aktivitäten und die Produktivität.

Behandlungsoptionen umfassen als (einzige) kausale Therapie die spezifische Immuntherapie, sowie zur Symptomlinderung verschiedene Medikamente, wie beispielsweise topische Glukokortikoide, Antihistaminika, Antileukotriene, Cromoglicinsäure und abschwellend wirkende Sympathomimetika.

Kochsalzspray als Alternative zur pharmakologischen Therapie

Als Alternative oder begleitend zur pharmakologischen Therapie nutzen viele Patienten Kochsalz- oder Meersalznasensprays, um die Nasenhaupthöhle von Allergenen zu reinigen und den Nasenschleim zu verflüssigen. Ein anderer Ansatz ist das Herstellen einer Schutzschicht auf der Nasenschleimhaut, um die Exposition gegenüber Aeroallergenen und konsekutive Aktivierung der Kaskade proinflammatorischer Zytokine zu vermindern.

Neuer Ansatz: AM-301 bildet Barriere auf nasaler Mukosa

Ein solches barrierebildendes Produkt ist beispielsweise AM-301, das als Bentrio ® vermarktet wird. Nach der Applikation bildet das Spray eine dünne Barriere auf der Nasenschleimhaut, um den Kontakt mit Allergenen zu verhindern, diese zu binden und ihre Entsorgung zu erleichtern. Der Hauptinhaltsstoff ist Bentonite, ein Tonmineralgemisch.

Real-Life Studie analysiert Wirksamkeit von AM-301 bei allergischer Rhinitis

Eine aktuelle Studie evaluierte nun die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von AM-301 unter Real-life Bedingungen bei Patienten mit allergischer Rhinitis im Vergleich zu einem Kochsalznasenspray.

Insgesamt wurden in die Studie 100 Patienten eingeschlossen und 1:1 auf die Gruppen AM-301 und Salzwasserspray randomisiert. Die Applikation der Nasensprays erfolgte dreimal täglich für zwei Wochen.

Das mittlere Alter der Patienten betrug 41,1 Jahre. 53,1% waren weiblich.

Der primäre Studienendpunkt war die Reduktion des mittleren täglichen reflektorischen Gesamtsymptomscores (reflective Total Nasal Symptom Score [rTNSS]).

AM-301 führte zu intensiverer Verbesserung der nasalen Symptome

Die nasalen Symptome verbesserten sich bei beiden Interventionsgruppen während der Behandlung. Die Verbesserung trat bereits ab dem ersten Behandlungstag ein und erhöhte sich im Verlauf der Therapie. Die Patienten, die mit AM-301 behandelt wurden, hatten signifikant niedrigere rTNSS Werte im Vergleich zur Kochsalzgruppe (p=0,013). Der protektive Effekt der Behandlung hielt auch mindestens eine Woche über das Therapieende an. Die Studienautoren vermuten, dass dies für eine Erholung der Immunabwehr sprechen könnte.

Alle individuellen nasalen Symptome verbesserten sich

AM-301 zeigte sich auch bei den sekundären Endpunkten als deutlich effektiver im Vergleich zum Kochsalznasenspray. So war der individuelle TNSS signifikant stärker verbessert durch AM-301 (p=0,039). Der Unterschied in Bezug auf nasalen Juckreiz war ebenfalls signifikant (p=0,016).

Lebensqualität wurde durch AM-301 stärker verbessert

Auch die Werte im Rhinoconjunctivitis Quality of Life Questionnaire (RQLQ)für die Messung der Lebensqualität verbesserten sich in der AM-301 Gruppe stärker (p<0,01).

Patienten bewerteten AM-301 als wirksamer im Vergleich zu Kochsalznasenspray

Während die klare Mehrheit der mit AM-301 behandelten Patienten die Wirksamkeit der Therapie als „gut“ bis „sehr gut“ bewertete (34,4% bzw. 31,9%), war die häufigste Bewertung in der Kochsalzgruppe „schlechte“ Wirksamkeit (46,9%) (p<0,001).

Gute Sicherheit und Verträglichkeit bei beiden Nasensprays

Beide Behandlungen waren gut verträglich. Unerwünschte behandlungsbezogene Effekte waren vorübergehender Natur und mild. Am häufigsten traten u.a. Kopfschmerzen, oropharyngeale Schmerzen und Epistaxis auf. Schwere unerwünschte Wirkungen blieben aus. Im Gegensatz zu vielen häufig genutzten topischen Medikamenten wie beispielsweise Glukokortikoiden oder Antihistaminika gab keiner der Patienten nach AM-301 eine Trockenheit der Nase an.

Mit AM-301 weniger Symptome als mit Kochsalzspray

Mit dem AM-301 Nasenspray nutzten die Patienten weniger symptomlindernde Medikamente und gaben mehr symptomfreie Tage an im Vergleich zu der Gruppe, die nur das Kochsalzspray nutzte.

Applikation dreimal täglich ausreichend

Die Wirkdauer von AM-301 wurde in anderen Studien mit drei bis vier Stunden ermittelt. So wird mit einer dreimal täglichen Applikation ein Schutzfenster von 9-12 Stunden erreicht, das unter Real-World-Bedingungen ausreichend zu sein scheint.

Die Studie war unter der Nummer ACTRN12621001727831 im Australian New Zealand Clinical Trial Registry registriert.

Autor:
Stand:
30.06.2024
Quelle:

Becker et al. (2024): AM-301, a barrier-forming nasal spray, versus saline spray in seasonal allergic rhinitis: A randomized clinical trial. Allergy. DOI: 10.1111/all.16116

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