Cromoglicinsäure
Cromoglicinsäure ist ein Medikament, das durch Hemmung der Freisetzung von Entzündungsmediatoren wirkt. Es wird zur Behandlung und Prophylaxe von allergischen Erkrankungen wie Konjunktivitis und Asthma bronchiale sowie bei Nahrungsmittelallergien eingesetzt.
Cromoglicinsäure: Übersicht

Anwendung
Der Mastzellstabilisator Cromoglicinsäure besitzt folgende Indikationen:
- Allergisch bedingte akute und chronische Konjunktivitis
- Allergische Rhinitis
- Allergisches Asthma bronchiale
- Nahrungsmittelallergien
Anwendungsart
Cromoglicinsäure ist in Form von Augentropfen, Nasensprays oder inhalativ als Aerosol oder Pulver auf dem deutschen Markt.
Wirkmechanismus
Cromoglicinsäure wirkt als Mastzellstabilisator, indem es die Degranulation der Mastzellen verhindert und somit die Freisetzung von Entzündungsmediatoren wie Histamin, Leukotrienen und anderen Mediatoren hemmt. Dies geschieht durch die Hemmung des Calciumioneneinstroms, der für die Aktivierung und Freisetzung dieser Mediatoren notwendig ist. Cromoglicinsäure stabilisiert die Mastzellmembran, was den Einstrom von Calciumionen bei Exposition gegenüber Allergenen verhindert. Dadurch wird die Kaskade der Entzündungsreaktion unterbrochen, was insbesondere bei allergischen Reaktionen von Bedeutung ist. Die prophylaktische Anwendung von Cromoglicinsäure kann die Häufigkeit und Schwere allergischer Episoden, insbesondere bei allergischem Asthma, allergischer Rhinitis und anderen allergischen Erkrankungen reduzieren. Es hat eine langsame Wirkung und muss regelmäßig angewendet werden, um seine volle therapeutische Wirkung zu entfalten.
Pharmakokinetik
Resorption
- Nach Inhalation von Natriumcromoglicinsäure in Pulverform gelangen etwa 8% des Wirkstoffes in die Atemwege und werden dort vollständig resorbiert.
- Die maximalen Plasmaspiegel sind nach 15 bis 20 Minuten erreicht.
- Nach pulmonaler Aufnahme kommt es zu protrahierten Plasmaspiegeln (Halbwertszeit ca. 60 bis 90 Minuten).
- Nach einer intranasalen Dosis werden weniger als 7% systemisch resorbiert, nach oraler Gabe im Gastrointestinaltrakt nur etwa 1%.
- Natriumcromoglicinsäure ist wenig lipidlöslich und darum nicht in der Lage, die meisten biologischen Membranen, wie z.B. die Blut-Hirn-Schranke, zu durchdringen.
Verteilung
- Ein bestimmter kontinuierlicher Wirkstoffspiegel von Natriumcromoglicinsäure im Blut ist für das Erreichen und Aufrechterhalten eines optimalen Therapieeffektes nicht erforderlich.
- Maßgebend für den therapeutischen Effekt ist ausschließlich die nach lokaler Applikation am jeweiligen Erfolgsorgan (Bronchien, Nase, Auge, Magen-Darm-Trakt) erreichte Konzentration.
Metabolisierung
- Eine Metabolisierung von Natriumcromoglicinsäure ist bisher nicht nachgewiesen worden.
Elimination
- Die Elimination erfolgt zu etwa gleichen Teilen biliär und renal.
Dosierung
Konjunktivitis
Sofern nicht anders verordnet, geben geben Erwachsene und Kinder zur Behandlung der allergischen Konjunktivitis bis zu viermal täglich einen Tropfen in jedes Auge. Die Tagesdosis kann auf sechsmal täglich einen Tropfen beziehungsweise auf achtmal täglich einen Tropfen erhöht werden. Die Dosierungsintervalle können aber auch nach Erreichen der therapeutischen Wirkung verlängert werden, solange die Symptomfreiheit aufrechterhalten wird.
Rhinitis
Zur Behandlung der allergischen Rhinitis geben Erwachsene und Kinder bis zu viermal täglich je einen Sprühstoß in jede Nasenöffnung. Die Tageshöchstdosis sollte sechsmal täglich je einen Sprühstoß nicht überschreiten.
Asthma bronchiale
Bei Asthma bronchiale wird zu Beginn eine viermal tägliche Anwendung empfohlen. Bei Bedarf können die Tagesdosen verdoppelt und die Anwendungshäufigkeit auf sechsmal täglich erhöht werden. Sobald die gewünschte Wirkung erreicht ist, können die Intervalle schrittweise verlängert werden, um die Symptomfreiheit aufrechtzuerhalten.
Natriumcromoglicinsäure ist in der Asthmatherapie nur zur Vorbeugung und nicht zur Behandlung akuter Asthmaanfälle geeignet. Es wird empfohlen, eine Versuchsdosis über mindestens vier Wochen zu geben. Die volle Wirkung tritt normalerweise nach zwei bis vier Wochen ein. Es wird eine schrittweise Reduzierung der Dosis über eine Woche empfohlen.
Erwachsene und Kinder inhalieren viermal täglich je einen Ein-Dosis-Behälter, wobei jeder Behälter 2 ml Lösung enthält, die 20 mg Natriumcromoglicinsäure enthält.
Nebenwirkungen
Selten können bei Anwendung von Augentropfen folgende Nebenwirkungen autreten: Augenbrennen, Fremdkörpergefühl, Chemosis und konjunktivale Hyperämie. In einem Einzelfall wurde über schwere generalisierte anaphylaktische Reaktionen mit Broncho-spasmen im Zusammenhang mit einer Cromoglicinsäure-Therapie berichtet.
Bei Verwendung von Nasensprays können Irritationen der Nasenschleimhaut, Nasenbluten, Niesen, Husten, Heiserkeit sowie Kopfschmerzen auftreten. Außerdem kann es zu Überempfindlichkeitsreaktionen wie Juckreiz, Dyspnoe, Bronchospasmen, Angioödem oder Larynxödem kommen. Zudem sind unerwünschte Wirkungen in Form von Geschmacksirritationen, Schleimhautulzerationen und Zungenschwellung möglich.
Bei inhalativer Anwendung kann es selten zu Bronchospasmen und eosinophiler Pneumonie kommen. Ebenfalls selten können anaphylaktische Reaktionen auftreten.
Kontraindikation
Cromoglicinsäure darf nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff vorliegt.
Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Eine Therapie mit Cromoglicinsäure sollte im ersten Trimenon aus grundsätzlichen Erwägungen nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Dies gilt auch für den weiteren Verlauf der Schwangerschaft.
Stillzeit
Der Wirkstoff geht nur in äußerst geringen Mengen in die Muttermilch über. Ein Risiko für den gestillten Säugling besteht daher wahrscheinlich nicht, jedoch ist auch hier eine Nutzen-Risiko-Abwägung notwendig.
Fertilität
Beim Menschen ist nach langjähriger Anwendung kein teratogener Effekt beobachtet worden.
Verkehrstüchtigkeit
Bei der Anwendung von Augentropfen kann es generell vorübergehend zu verschwommenem Sehen oder anderen Sehproblemen kommen, welche die Fähigkeit, am Straßenverkehr teilzunehmen oder Maschinen zu bedienen, beeinflussen können. Wenn nach dem Einbringen der Tropfen in das Auge die Sicht sofort verschwommen ist, sollte der Patient weder am Straßenverkehr teilnehmen noch Maschinen bedienen, bis die Beeinträchtigung abgeklungen ist.
Für Nasensprays oder bei inhalativer Anwendung sind keine Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit bekannt.
Anwendungshinweise
Besondere Warninweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung von Augentropfen:
- Auch schon bei Verdacht auf eine allergische Reaktionslage gegen das Präparat ist eine Reexposition unbedingt zu vermeiden.
- Bei längerer Anwendung sollten die Patienten überwacht werden.
- Bei Entzündungen, auch bei allergischer Bindehautentzündung, ist vom Augenarzt festzustellen, ob trotz der Beschwerden Kontaktlinsen getragen werden dürfen.
Besondere Warninweise und Vorsichtsmaßnahmen für die inhalative Anwendung:
- Die Asthmatherapie sollte dem Schweregrad entsprechend stufenweise erfolgen. Der Erfolg der Therapie sollte durch regelmäßige ärztliche Untersuchungen und durch tägliche Selbstkontrolle (z.B. durch die Aufzeichnung des mit dem Peak-flow-Meter gemessenen Atemstoßes) überprüft werden.
- Soll bei Patienten unter Kortikosteroid- und Natriumcromoglicinsäure-Therapie eine Reduktion der Kortikosteroid-Dosis versucht werden, müssen die Patienten während der schrittweisen Reduktion der Kortikosteroid-Dosis sorgfältig überwacht werden. Die Kontrolle mit dem Peak-Flow-Meter sollte währenddessen fortgeführt werden, und die Patienten sollten Anweisung darüber erhalten, was zu tun ist, wenn eine Verschlechterung der Asthmasymptome auftritt.
- Cromoglicinsäure ist nicht zur Behandlung akuter Asthmaanfälle geeignet.
- Wie bei anderen inhalativen Therapien kann es direkt nach der Inhalation zu einem paradoxen Bronchospasmus kommen. In solchen Fällen sollte das Arzneimittel abgesetzt und eine alternative Therapie verordnet werden.
- Beim Auftreten eosinophiler pneumonischer Infiltrate unter Natriumcromoglicinsäure-Therapie sollte diese unverzüglich abgebrochen werden.
- Bei Kindern sind regelmäßige Kontrollen des Krankheitsverlaufes besonders wichtig, um sicherzustellen, dass die inhalative Behandlung ausreichend wirksam ist.
- Beim plötzlichen Absetzen der inhalativen Therapie kann es zur Verschlechterung des Grundleidens kommen. Ein schrittweises Absetzen über eine Woche wird empfohlen.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Cromo ratiopharm
- Medizinische Chemie: Targets und Arzneistoffe, Steinhilber, Schubert-Zsilavecz, Roth
-
AARANE® N, 1 mg/0,5 mg pro Sprühstoß Druckgasinhalation, Suspension
Hormosan Pharma GmbH
-
Allergospasmin® N, Druckgasinhalation, Suspension
Viatris Healthcare GmbH
-
Allergoval® Kaps.
Köhler Pharma GmbH
-
Crom-Ophtal®, 20 mg/ml Augentropfen, Lösung
Dr. Winzer Pharma GmbH
-
Crom-Ophtal® sine, 20 mg/ml Augentropfen
Dr. Winzer Pharma GmbH
-
Cromo Micro Labs 20 mg/ml Augentropfen
Micro Labs GmbH
-
Cromo-ratiopharm® Augentropfen
ratiopharm GmbH
-
Cromo-ratiopharm® Augentropfen Einzeldosis
ratiopharm GmbH
-
Cromo-ratiopharm® Kombipackung (Nasenspray/Augentropf.)
ratiopharm GmbH
-
Cromo-ratiopharm® Nasenspray
ratiopharm GmbH
-
Cromo-Stulln® UD
Pharma Stulln GmbH
-
DNCG iso, Lösung 1 % zur Inhalation
Penta Arzneimittel GmbH
-
Pentatop® 100 mg Kapseln, Hartkapseln
Pädia GmbH
-
Pentatop® 200 mg Granulat
Pädia GmbH
-
Pollicrom® 20 mg/ml Augentropfen
Ursapharm Arzneimittel GmbH
-
Pollicrom® 20 mg/ml Nasenspray, Lösung
Ursapharm Arzneimittel GmbH
-
Vividrin® antiallergische Augentropfen
Dr. Gerhard Mann, Chem.-pharm. Fabrik GmbH
-
Vividrin® iso EDO® antiallergische Augentropfen
Dr. Gerhard Mann, Chem.-pharm. Fabrik GmbH










