Invasive Pilzinfektionen (IFD) stellen eine wachsende Herausforderung in der modernen Medizin dar. Weltweit werden jährlich rund 6,5 Millionen invasive Mykosen diagnostiziert, die mit einer geschätzten Mortalität von bis zu 3,8 Millionen Fällen assoziiert sind. Etwa 2,5 Millionen dieser Todesfälle gelten als direkt durch die Pilzinfektion verursacht. Die WHO reagierte 2022 auf die zunehmende Relevanz und veröffentlichte erstmals eine Liste priorisierter Pilzpathogene. Diese Einstufung basiert unter anderem auf Faktoren wie globaler Verbreitung, Mortalität, Resistenzlage und Verfügbarkeit diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten.
Traditionell galten Patienten mit hämatologischen Neoplasien, nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation oder Organtransplantation als Hauptrisikogruppe für IFD. Inzwischen hat sich dieses Spektrum erheblich erweitert. Neue immunsupprimierte Populationen, etwa unter zielgerichteten oder biotechnologischen Immuntherapien, zeigen ein verändertes Infektionsrisiko. Die damit verbundenen Herausforderungen für Diagnostik, Prophylaxe und Therapie sind Gegenstand einer in 'Clinical Microbiology and Infection' veröffentlichten Übersichtsarbeit.
Erweiterung der Risikopopulationen durch moderne Therapiekonzepte
Während für klassische Risikogruppen etablierte Screening- und Behandlungsprotokolle existieren, ist die Datenlage für Patienten unter neuartigen Immunmodulatoren unzureichend. Für viele dieser Substanzen liegt weder ein klares Risikoprofil für IFD vor noch sind belastbare Infektionsdaten vorhanden. Besonders betroffen sind Patienten mit entzündlich-immunvermittelten Erkrankungen, bei denen die zugrunde liegende Pathologie, Vorbehandlungen und die eingesetzten Therapien synergistisch zur Infektionsanfälligkeit beitragen.
Ein weiteres Problem stellt die zunehmende Umweltexposition gegenüber resistenten Pilzstämmen dar, unter anderem durch den landwirtschaftlichen Einsatz von Azolen oder klimatische Veränderungen. Diese Faktoren begünstigen das Auftreten neuer Pathogene und führen zur geografischen Ausweitung bislang lokal begrenzter Spezies.
Veränderungen in der Erregerlandschaft und Resistenzentwicklung
Die epidemiologischen Verschiebungen betreffen nicht nur die Risikopopulationen, sondern auch die ätiologische Verteilung invasiver Mykosen. Neben den klassischen Erregern wie Candida albicans und Aspergillus fumigatus treten zunehmend Spezies mit intrinsischer oder erworbener Resistenz auf. Dazu zählen etwa Candida auris, Lomentospora prolificans oder multiresistente Aspergillus-Stämme.
Diese Resistenzentwicklung wird sowohl durch individuelle antimykotische Vorbehandlung als auch durch Umweltfaktoren wie eine zunehmende fungizide Belastung begünstigt. Die eingeschränkte Wirksamkeit etablierter Therapien und diagnostische Verzögerungen erschweren das klinische Management resistenter Infektionen, so die Autoren.
Fortschritte und Defizite in Diagnostik und Therapie
Trotz verbesserter diagnostischer Verfahren – darunter PCR-basierte Nachweise, Galaktomannan- und Beta-D-Glucan-Assays – bestehen weltweit weiterhin erhebliche Defizite bei Verfügbarkeit und Zugang. Besonders in ressourcenlimitierten Regionen stellt dies ein wesentliches Hindernis dar. Der Einsatz dieser Methoden bleibt zudem oft auf klassische Hochrisikopatienten beschränkt, während neuartige Risikopopulationen nicht adäquat erfasst werden.
Auch im therapeutischen Bereich zeichnen sich neue Optionen ab: Neu entwickelte Antimykotika mit erweitertem Wirkspektrum gegen resistente Erreger – darunter Ibrexafungerp, Rezafungin, und Olorofim – verfügen über innovative Wirkmechanismen, verbesserte pharmakokinetische Eigenschaften und Wirksamkeit gegenüber multiresistenten Pathogenen.
Notwendigkeit koordinierter Strategien angesichts wachsender Herausforderungen
Die Übersichtsarbeit verdeutlicht die zunehmende Komplexität in der Versorgung immunsupprimierter Patienten mit invasiven Pilzinfektionen. Der Anstieg antimykotischer Resistenzen, das Auftreten neuer Pathogene und begrenzter Zugang zu Diagnostik und Therapieoptionen machen koordinierte Gegenmaßnahmen erforderlich. Neben globalem Zugang zu modernen Antimykotika sind antifungale Stewardship-Programme entscheidend, um die Behandlungsqualität zu sichern und Resistenzen systematisch zu erfassen.
Darüber hinaus plädieren die Autoren für eine konsequentere Berücksichtigung von IFD-Risiken bei der Entwicklung neuer Immuntherapien. Für viele dieser Substanzen fehlen belastbare Infektionsdaten, was eine fundierte Risikobewertung erschwert. Prospektive Studien und Registerstrukturen sind daher unerlässlich.










