Pilzinfektionen bei Sepsis: Risikoprofil und Therapielücken identifiziert

Bei 3,4?% aller Sepsisfälle wurden Pilzpathogene nachgewiesen – oft unbehandelt. Eine südkoreanische Multicenter-Studie legt spezifische Risikofaktoren offen und unterstreicht den Handlungsbedarf in Diagnostik und Therapie.

Sepsis

Sepsis ist ein zeitkritischer medizinischer Notfall mit weiterhin hoher Letalität. Neben bakteriellen Erregern treten zunehmend auch Pilzpathogene in den Vordergrund.

In Südkorea steigt die Zahl der Sepsisfälle kontinuierlich. Epidemiologische Studien zeigen, dass insbesondere immunsupprimierte und ältere Patienten zunehmend von Pilzinfektionen betroffen sind. In diesem Kontext hat eine aktuelle, in BMC Infectious Diseases veröffentlichte Studie der Korean Sepsis Alliance (KSA) die Risikofaktoren, Erregerspektren und Outcomes bei Sepsispatienten mit identifizierten Pilzpathogenen systematisch untersucht.

Über 11.000 Sepsisfälle ausgewertet

Zwischen September 2019 und Dezember 2021 wurden 11.981 erwachsene Sepsispatienten aus 20 südkoreanischen Universitätskliniken in die Analyse einbezogen. Die Diagnose erfolgte auf Basis der Sepsis-3-Kriterien.

Im Fokus der Auswertung standen jene Patienten, bei denen innerhalb von 48 Stunden vor oder nach Sepsisbeginn ein Pilzpathogen mittels Kultur, PCR oder Antigennachweis identifiziert wurde. Zusätzlich wurde differenziert, ob eine hämatologisch-onkologische Grunderkrankung vorlag.

Pilznachweis bei Sepsis in 3,4 % der Fälle

Bei 407 Patienten (3,4 % der Gesamtpopulation) wurde mindestens ein Pilzpathogen diagnostiziert. Von diesen wiesen 38,3 % eine hämatologische oder solide Tumorerkrankung auf.

Die häufigsten identifizierten Spezies waren:

  • Candida albicans mit 47,9 %
  • Nakaseomyces glabratus (ehemals C. glabrata) mit 20,6 %
  • Candida tropicalis mit 13,5 %

Weitere relevante Pathogene umfassten Pneumocystis jirovecii und Aspergillus-Spezies.

Als häufigste Infektionsquellen wurden Atemwege, Urin und Blutkulturen genannt. Die meisten Patienten mit Pilznachweis stammten aus intensivmedizinischen Bereichen oder wiesen eine erhebliche Komorbidität auf.

Nur ein Bruchteil der Betroffenen erhielt eine antimykotische Therapie

Trotz eines mikrobiologisch gesicherten Pilznachweis erhielten nur 6,6 % der Patienten eine gezielte antimykotische Behandlung. Dieser niedrige Anteil weist auf eine relevante therapeutische Unterversorgung hin.

Der Nachweis eines Pilzpathogens kann ein erhöhtes Risiko für ungünstige Outcomes darstellen – insbesondere, wenn keine gezielte Therapie erfolgt, betonen die Studienautoren.

Chronische Erkrankungen und Immunsuppression als Hauptrisikofaktoren

Die multivariate Analyse identifizierte folgende signifikante Risikofaktoren für den Pilznachweis bei Sepsis:

  • Chronische Nierenerkrankung (Odds Ratio [OR] 1,662; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,216–2,273; p = 0,001)
  • Bindegewebserkrankungen (OR 1,885; 95 %-KI 1,058–3,358; p = 0,032)
  • Immunsuppression (OR 2,284; 95 %-KI 2,186–3,753; p = 0,001)
  • Invasive Beatmung (OR 2,864; 95 %-KI 2,186–3,753; p < 0,001)

Auffällig war, dass Patienten ohne maligne Grunderkrankung häufiger Begleiterkrankungen wie chronische Niereninsuffizienz, zerebrovaskuläre Erkrankungen oder Demenz aufwiesen. Diese Patientengruppe war im Median älter und klinisch fragiler.

Kein Einfluss der Tumorentität auf das Outcome

Im Vergleich zwischen Patienten mit und ohne hämato-onkologische Erkrankungen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Mortalität oder intensivmedizinischer Behandlung.

Für die Prognose erwiesen sich jedoch andere Faktoren als entscheidend:

  • Höheres Alter
  • Erhöhte Werte auf der Clinical Frailty Scale (CFS)
  • SOFA-Score bei Aufnahme
  • Laktaterhöhung im Serum

Diese Parameter bestätigten sich auch in der Cox-Regression als unabhängige Prädiktoren für die Mortalität und unterstreichen ihre Bedeutung für die initiale Risikostratifizierung bei Sepsis mit nachgewiesenen Pilzpathogenen.

 Fazit: Relevanz frühzeitiger Diagnostik und gezielter Therapie

Die Studie unterstreicht die klinische Relevanz des systematischen Pilzscreenings bei Sepsispatienten. Besonders bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz, immunsuppressiver Therapie oder intensivmedizinischer Betreuung sollte frühzeitig eine mykologische Diagnostik erfolgen.

Der geringe Anteil behandelter Patienten weist auf eine potenzielle Versorgungslücke hin. Ein standardisiertes Vorgehen in der antimykotischen Diagnostik und Therapie könnte die Behandlungsqualität in dieser Hochrisikogruppe verbessern.

Für zukünftige Forschungsarbeiten sind prospektive Studien erforderlich, die resistenzbezogene Diagnostik und strukturierte Therapieevaluation einschließen. Ein multidisziplinärer Ansatz wird entscheidend sein, um das Outcome dieser Patientengruppe zu verbessern.

Autor:
Stand:
19.09.2025
Quelle:

Lee, J. E. et al. (2025): Epidemiology and risk factors of fungal pathogens in sepsis: a prospective nationwide multicenter cohort study. BMC Infectious Diseases, DOI: 10.1186/s12879-025-10722-y.

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