Präventive Effekte sind bei Frauen unklar
Parkinson ist die neurologische Erkrankung mit den größten Zuwächsen hinsichtlich Prävalenz, Behinderungsursache und Tod. Da es keine kurative Behandlung gibt, kommt der Parkinson-Prävention eine besondere Bedeutung zu [1]. Vorangegangene Studien, die die präventiven Effekte von physischer Aktivität (PA) auf Parkinson untersucht hatten, zeigten bei Männern signifikante Assoziationen zwischen einem höheren Bewegungslevel und einer niedrigeren Parkinson-Inzidenz. Bei Frauen waren die Ergebnisse jedoch inkonsistent — nicht zuletzt deshalb, weil sie in Studien unterrepräsentiert waren [2,3].
Verdacht der umgekehrten Kausalität
Darüber hinaus konnten die vorangegangenen Studien den Verdacht einer umgekehrten Kausalität nicht ausräumen, nämlich dass eine latente Erkrankung an Parkinson zu einem Bewegungsmangel führte und nicht — wie behauptet — der Bewegungsmangel das Parkinson-Risiko erhöhte. Ein Team um Professor Dr. Alexis Elbaz vom Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale (Inserm) in Paris initiierte eine Kohortenstudie, um die Präventionseffekte von körperlicher Aktivität bei Frauen zu untersuchen und zu beweisen, dass diese nicht durch eine umgekehrte Kausalität bedingt sind.
Datensätze einer großen nationalen Kohortenstudie
Das Team nutzte Daten der E3N-Kohortenstudie (1990-2018), einer Gruppe von Frauen, die an einem Projekt der französischen Nationalen Gesundheitsversicherung für Beschäftige im Bildungssektor teilnahmen. Die Daten zur körperlichen Aktivität wurden hierbei über sechs Zeitpunkte als Selbstberichte erfasst, um Bewegungsmuster zu vergleichen. Die Parkinson-Diagnose wurde durch Patientenakten bestätigt.
Berücksichtigung der Latenz von Parkinson
Um die umgekehrte Kausalität auszuschließen, analysierte das Team Aktivitätsniveaus im Laufe der Zeit und modellierte eine angenommene Verzögerung bis zur Parkinson-Diagnose.
Körperliche aktive Frauen erkrankten seltener
Von den 95.354 zu Studienbeginn Parkinson-freien Frauen, die an der E3N-Studie teilnahmen, erkrankten während des rund 30jährigen Beobachtungszeitraum 1.074 an Parkinson. Es zeigte sich, dass Frauen, die einen aktiveren Lebensstil pflegten, eine um 25% niedrigere Parkinson-Erkrankungsrate aufwiesen als die am wenigsten aktiven Frauen.
Zeitliche Zusammenhänge
Die eingebetteten Fall-Kontrollstudie zeigte, dass bei den Parkinson-Patientinnen die Bewegungsaktivität über den gesamten Beobachtungszeitraum signifikant niedriger war als bei den Kontrollpersonen. Diese Differenz nahm insbesondere zehn Jahre vor der Diagnose zu. Dies untermauert sowohl die Annahme einer Kausalität zwischen niedriger Bewegungsaktivität und erhöhter Parkinson-Inzidenz, als auch, dass eine latente Parkinson-Erkrankung die Bewegungsaktivität zusätzlich reduziert.
Trainingsprogramm gegen Parkinson
Aus den Ergebnissen dieser Studie schlussfolgerte Elbaz: „Mit unserer Studie haben wir nicht nur herausgefunden, dass die Parkinson-Inzidenz bei den Teilnehmerinnen, die sich am meisten bewegten, am niedriger war, wir zeigten auch, dass frühe Parkinson-Symptome diese Effekte wahrscheinlich nicht erklären.“
Trotz der Einschränkung, dass die Teilnehmerinnen vorwiegend gesundheitsbewusste Beschäftigte im Bildungssektor waren, ist Elbaz zuversichtlich, dass die Ergebnisse die Entwicklung eines Trainingsprogramms zur Reduzierung des Parkinson-Risikos unterstützen.
Die Studie wurde von verschiedenen nationalen und staatlichen Institutionen in Frankreich gefördert.




