Es ist bekannt, dass eine Covid-19-Infektion langfristig strukturelle Veränderungen im Gehirn verursachen kann, die mit der Entwicklung von Post-Covid-Symptomen in Verbindung stehen. Die genauen neuropathologischen Mechanismen und Risikofaktoren, die diesen Veränderungen zugrunde liegen, sind bislang noch unklar. Angesichts der weltweiten hohen Covid-19-Inzidenz ist es entscheidend, Risikofaktoren frühzeitig zu identifizieren, um eine gezielte Nachsorge priorisieren zu können. Eine kürzlich in der Fachzeitschrift 'Scientific Reports' veröffentlichte Studie untersuchte kognitive Funktionen sowie strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn bei Covid-19-Patienten und identifizierte Geruchsverlust (Anosmie) als potenziellen Indikator für eine neurologische Beteiligung.
Kognitive und neurologische Evaluation bei Covid-19-Patienten und Kontrollgruppen
In der vorliegenden Studie wurden 73 Erwachsene mit einer leichten bis mittelschweren SARS-CoV-2-Infektion ohne Anzeichen einer respiratorischen Insuffizienz sowie 27 Personen mit Infektionen durch andere Erreger, die nie an Covid-19 erkrankt waren, untersucht. Alle Teilnehmenden absolvierten kognitive Tests, einen Entscheidungsfindungstest sowie MRT-Untersuchungen. Dabei wurden sowohl das Vorliegen einer Anosmie als auch die Notwendigkeit einer Hospitalisierung berücksichtigt. Beide Gruppen unterschieden sich nicht wesentlich in Bezug auf Alter und kognitive Leistung.
Die Probanden durchliefen zwei Untersuchungssitzungen. In der ersten Sitzung wurde eine ausführliche Anamnese erhoben, ergänzt durch standardisierte Fragebögen zur Erfassung von Angst- und Depressionssymptomen (GAD-7, PHQ-9), den „Reversal Learning Task“-Test sowie eine Magnetresonanztomographie (MRT). Die zweite Sitzung beinhaltete kognitive Tests (IFS-Ch, ACE-III), einen Schnelltest zur Überprüfung des Geruchssinns (KOR) und den Sechs-Minuten-Gehtest (6MWT).
Anosmie als Indikator für impulsives Verhalten und neuronale Veränderungen
Patienten mit Anosmie neigten zu impulsiveren Verhaltensweisen, wenn sich die Wahrscheinlichkeiten oder Bedingungen für den Erfolg einer Entscheidung änderten (r = −0,26, p = 0,001), während hospitalisierte Patienten vermehrt perseverative Entscheidungen trafen (r = 0,25, p = 0,003).
Der Geruchsverlust korrelierte zudem mit neurobiologischen Parametern. So wiesen Personen mit Geruchsverlust unter anderem ein verringertes BOLD-Signal in bestimmten Hirnregionen auf, was auf eine reduzierte neuronale Aktivität hinweist. Besonders betroffen waren Bereiche wie der laterale präfrontale Kortex, der mediale frontale Kortex sowie der linke temporoparietale Kortex. Darüber hinaus wurden Veränderungen in der kortikalen Dicke sowie in der Integrität der weißen Substanz festgestellt.
Anosmie als Schlüssel zur frühzeitigen Überwachung von Risikopatienten
Anosmie während der akuten Covid-19-Phase stellt einen wichtigen Marker für spätere neurologische Schäden dar, so die Schlussfolgerung der Studienautoren. Diese Erkenntnis könnte dazu beitragen, Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren und ihnen eine intensivere Überwachung sowie gezielte Therapien anzubieten. Weitere Untersuchungen sind nun erforderlich, um die genauen pathophysiologischen Mechanismen zu verstehen und potenzielle therapeutische Ansätze zu entwickeln.




