Subjektive kognitive Beeinträchtigungen und Biomarker für Alzheimer

Angesichts neuer Medikamente kommt der Früherkennung von Alzheimer eine große Bedeutung zu. Möglicherweise können subjektive kognitive Beeinträchtigungen in Verbindung mit Biomarkern wie Beta-Amyloid und Tau-Fibrillen die Früherkennung von Alzheimer verbessern.

Alzheimer Biomarker

Subjektive kognitive Beeinträchtigungen

Wenn eine Person bei sich selbst zunehmende Gedächtnisschwächen und Denkprobleme bemerkt, bevor diese Funktionsstörungen ein Ausmaß erreicht habe, dass sie in Standard-Tests detektiert werden, spricht man von subjektiven kognitiven Beeinträchtigungen. Kognitive Beeinträchtigungen, von denen die Betroffenen selbst berichten, können Manifestationen der Alzheimer-Erkrankung in frühen präklinischen Stadien sein. Auch Lebenspartner, Angehörige und Freunde, nehmen die Beeinträchtigungen häufig früher wahr als klinische Tests.

In Studien zeigten sich Assoziationen zwischen dem zerebralen Beta-Amyloid-Status sowohl von Studienteilnehmern selbst-berichteten als auch von Studienpartnern berichteten kognitiven präklinischen Beeinträchtigungen. Über die Assoziationen zwischen subjektiven kognitiven Beeinträchtigungen und die Ablagerung von Tau-Fibrillen im Gehirn ist bislang jedoch noch wenig bekannt

Teilnehmer ohne kognitive Beeinträchtigungen bei Standardtest

Um festzustellen, ob Assoziationen zwischen der Menge an Ablagerungen von Tau-Fibrillen und subjektiven kognitiven Beeinträchtigungen bestehen, nutzen US-amerikanische Wissenschaftler um Rebecca E. Amariglio, PhD, Neuropsychologin und außerordentliche Professorin an der Harvard Medical School, die Datensätze der Anti-Amyloid Treatment in Asymptomatic AD/Longitudinal Evaluation of Amyloid Risk and Neurodegeneration Studien sowie der Harvard Aging Brain Study und angeschlossene Studien. Die insgesamt ausgewählten 675 Teilnehmer dieser Studien hatten ein Durchschnittsalter von 72 Jahren. Alle Teilnehmer wiesen bei der Standardtestung mit dem Preclinical Alzheimer Cognitive Composite (PACC) Test keine kognitiven Beeinträchtigungen auf.

Von allen Teilnehmern lagen darüber hinaus Positronen-Emissions-Tomografie (PET) Gehirnscans vor. Bei 60% hatte man dabei erhöhte Beta-Amyloid-Level festgestellt. Das Screening auf Ablagerungen von Tau-Fibrillen wurde mit 18F-Flortaucipir-PET durchgeführt.

Befragung von Teilnehmern und Studienpartnern

Jeder Teilnehmer hatte einen Studienpartner, der Auskunft über die Denkfähigkeiten und das Gedächtnis des Teilnehmers bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben geben konnte. In 65% der Fälle übernahmen die Lebenspartner, in anderen Fällen erwachsene Kinder oder Freunde die Rolle des Studienpartners. Teilnehmer und Studienpartner füllten den Cognitive Function Index (CFI) Fragebogen zur Bewertung der subjektiven kognitiven Beeinträchtigungen des jeweiligen Teilnehmers aus. Die Fragen lauteten z. B. „Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Gedächtnis im Vergleich zu vor einem Jahr wesentlich nachgelassen hat?“ „Haben Sie im Vergleich zu vor einem Jahr größere Probleme mit Geld umzugehen?“ Höhere Scores im CFI zeigten größere Beeinträchtigungen hinsichtlich der Gedächtnisfunktion an. 

Assoziationen zwischen Tau-Fibrillen und subjektiven Beeinträchtigungen

Teilnehmer mit erhöhten Mengen von Ablagerungen von Tau-Fibrillen im Gehirn wiesen höhere Beeinträchtigungs-Scores sowohl bei der CFI-Selbstauskunft als auch in der CFI-Bewertung ihrer Studienpartner auf. Diese Assoziationen waren bei Teilnehmern, die auch erhöhte Mengen an Amyloid-Plaques aufwiesen, noch stärker ausgeprägt.

Die leitende Studienautorin Rebecca E. Amariglio zog auch den Umkehrschluss aus diesen Befunden, die ihrer Meinung nach zeigten, dass ein früher Verdacht auf Gedächtnisprobleme seitens sowohl der Studienteilnehmer als auch von Personen, die sie gut kannten, mit einem erhöhten Gehalt an Tau-Fibrillen im Gehirn verbunden war.

Vor diesem Hintergrund äußerte sie ihre Zuversicht: „(…), dass die Befragung älterer Personen mit erhöhten Alzheimer Biomarkern zu subjektiven kognitiven Beeinträchtigungen ein wertvolles Tool im Rahmen der Früherkennung der Erkrankung sein könnte. Die Alzheimer Früherkennung ist von besonderer Bedeutung seit man weiß, dass Behandlungen, die zum frühesten Zeitpunkt der Diagnose der Erkrankung begonnen werden, die Krankheit am effektivsten verlangsamen.“

Autor:
Stand:
01.07.2024
Quelle:
  1. American Academy of Neurology Pressemeldung vom 29. Mai. 2024
  2. Jadick et al. (2024): Associations Between Self and Study Partner Report of Cognitive Decline With Regional Tau in a Multicohort Study. (Abstract) Neurology 102 (12) DOI: 10.1212/WNL.0000000000209447
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