Bewegung und Schlaf senken Risiko für Schlaganfall und Demenz

Schlaganfall und Demenz teilen modifizierbare Risikofaktoren. Eine große britische Kohortenstudie untersucht den kombinierten Einfluss von Bewegung, Muskelkraft, Schlaf und sedentärem Verhalten. Die Ergebnisse untermauern die Bedeutung eines gesunden Lebensstils.

Aktive Senioren

Schlaganfall und Demenz als globale Gesundheitsprobleme

Schlaganfälle und Demenz zählen weltweit zu den führenden Ursachen für Mortalität und langfristige Behinderung. Gemeinsam verursachten sie 2019 über acht Millionen Todesfälle und stehen für den Großteil neurologischer Krankheitslast. Neben der demografischen Entwicklung erschwert insbesondere das Fehlen wirksamer präventiver Strategien – vor allem für Demenz – die Versorgung. Beide Erkrankungen teilen vaskuläre, metabolische und lebensstilassoziierte Risikofaktoren, was integrierte Präventionsansätze besonders relevant macht.

Lebensstilfaktoren als wichtiger Ansatzpunkt der Prävention

Einzelne Lebensstilfaktoren wie regelmäßige körperliche Aktivität, geringe Sitzzeit, ausreichender Schlaf und höhere Muskelkraft wurden bereits mit einem reduzierten Risiko für Schlaganfall oder Demenz in Verbindung gebracht. Allerdings betrachteten frühere Studien diese Faktoren meist isoliert. Da Bewegungs-, Ruhe- und Schlafverhalten im Alltag eng miteinander verknüpft sind, bleibt unklar, welchen zusätzlichen Nutzen ihre Kombination bietet und ob Effekte für unterschiedliche Subtypen der Erkrankungen gelten.

Prospektive Analyse von Daten der UK Biobank untersucht kombinierte Lebensstilfaktoren

Die vorliegende prospektive Analyse nutzte Daten von knapp 475.000 Teilnehmenden der UK Biobank ohne vorbestehenden Schlaganfall oder Demenz. Untersucht wurde der kombinierte Einfluss von vier als „gesund“ definierten Faktoren: Einhaltung von Bewegungsempfehlungen, Griffkraft oberhalb des geschlechtsspezifischen Medians, Schlafdauer von 7–8 Stunden pro Tag sowie sedentäre Zeit unter sechs Stunden täglich. Daraus wurde ein Score von 0 bis 4 Punkten gebildet. Primäre Endpunkte waren erstmaliger Schlaganfall und Demenz, sekundäre Endpunkte deren Subtypen. Zusätzlich wurde geprüft, ob der APOE-ε4-Genotyp die Assoziationen mit dem Demenzrisiko modifiziert.

Gesunder Lebensstil reduziert Demenzrisiko um mehr als die Hälfte

Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von gut zehn Jahren traten knapp 5.000 Schlaganfälle und über 2.100 Demenzerkrankungen auf. Mit steigender Anzahl gesunder Faktoren nahm das Risiko für Schlaganfall und Demenz dosisabhängig ab. Personen mit vier gesunden Faktoren hatten ein um rund ein Drittel geringeres Schlaganfall- und ein um mehr als die Hälfte reduziertes Demenzrisiko im Vergleich zu Teilnehmenden mit 0-1 Faktor. Die Effekte zeigten sich konsistent für ischämische Schlaganfälle und intrazerebrale Blutungen sowie für Alzheimer- und vaskuläre Demenz, nicht jedoch für Subarachnoidalblutungen.

Lebensstilfaktoren senken Demenzrisiko unabhängig von APOE-ε4-Status

Alle vier Faktoren waren zudem unabhängig voneinander mit einem geringeren Risiko für Gesamt-Schlaganfall und Gesamt-Demenz assoziiert. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang zwischen hoher Griffkraft und Demenzrisiko. Die Kombination der Faktoren erwies sich als robuster Prädiktor als jeder einzelne Lebensstilfaktor für sich. Bemerkenswert ist, dass die Assoziationen unabhängig vom APOE-ε4-Status bestanden.

Limitationen der Studie und weiterer Forschungsbedarf

Die Studie basiert auf einmaligen Basisdaten und kann kausale Zusammenhänge nicht abschließend klären. Künftige Forschung sollte longitudinale Veränderungen der Lebensstilfaktoren, dosisabhängige Effekte und Interventionsstudien berücksichtigen. Insgesamt stellen die Befunde jedoch einen wichtigen Schritt hin zu integrierten Strategien dar, um die gemeinsame Krankheitslast von Schlaganfall und Demenz nachhaltig zu reduzieren.

Ganzheitlicher Präventionsansatz kann Risiko für Demenz und Schlaganfall deutlich senken

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen den Mehrwert eines ganzheitlichen Präventionsansatzes, der mehrere Lebensstil- und Funktionsparameter berücksichtigt. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Präventionsberatung nicht allein auf Ausdaueraktivität fokussieren sollte, sondern auch Muskelkräftigung, Reduktion von Sitzzeiten und Schlafhygiene einschließen kann.

„Das sind sehr beeindruckende Zahlen“, betont Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer Pressemeldung. „Wer über zehn Jahre konsequent körperlich aktiv ist, also regelmäßig Sport treibt, am Tag wenig sitzt und darüber hinaus ausreichend schläft, kann dieser aktuellen Erhebung zufolge sein Demenzrisiko mehr als halbieren.“

Autor:
Stand:
26.01.2026
Quelle:

Chen et al. (2025): Physical activity, muscle strength, sedentary behavior, sleep, and genetic risk of stroke and dementia: findings from a large cohort study. BMC Public Health, DOI:10.1186/s12889-025-25305-4

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