DBT verringert Suizidversuche bei jugendlicher BSD

In Studien mit Erwachsenen mit bipolarer Spektrumsstörung hat die Dialektisch-Behaviorale Therapie bereits gezeigt, dass sie suizidales Verhalten verringert. Nun konnte nachgewiesen werden, dass dieser Effekt der DBT auch bei Jugendlichen mit BSD erzielt werden kann.

Psychologin

Suizidrisiko bei bipolarer Störung

Bis zu 50% der Jugendlichen mit bipolarer Spektrumsstörung (bipolar spectrum diorder [BSD]) versuchen sich das Leben zu nehmen. Postmortale psychologische Analysen weisen darauf hin, dass BSD die psychiatrische Diagnose ist, die mit dem höchsten suizidalen Sterberisiko bei Jugendlichen verbunden ist.

DBT verringert das Suizidrisiko

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) ist eine evidenzbasierte psychotherapeutische Behandlung, die  spezifisch für Patienten mit Borderline Persönlichkeitsstörung entwickelt und evaluiert wurde. Die DBT kann bei emotionaler Dysregulation helfen, die ein Kernmerkmal der BSD im Jugendalter ist. Bei erwachsenen Patienten mit BSD verringerte die DBT suizidales Verhalten. In Studien und Metaanalysen mit Jugendlichen, die Suizidgedanken hegten oder sich selbst verletzten, erzielte die DBT im Vergleich mit anderen Therapien gute Ergebnisse hinsichtlich der Reduktion von suizidalen Gedanken, selbst verletzendem Verhalten und Selbstmordversuchen.

Erste DBT-Studie bei Jugendlichen mit BSD

Bei den vorgenannten Studien wurde die Hochrisikogruppe der Jugendlichen mit BSD jedoch ausgeschlossen. An der University of Pittsburgh verglich nun ein Team um Professor Tina R. Goldstein, Kodirektorin des Services for Teens at Risk (STAR) Center, in einer randomisierten Studie die Effektivität der DBT mit psychiatrischen Standardtherapien (standard of care [SOC]) bei der Verringerung von Suizidversuchen bei Jugendlichen mit BSD [1].

Patienten einer Spezialambulanz

Zwischen November 2014 und September 2019 wurden jugendliche Patienten (12-18 Jahre) mit der Diagnose BSD, die in der psychiatrischen Spezialambulanz der Universität von Pittsburgh behandelt wurden, rekrutiert. Die Teilnehmer wurden 1:1 in eine DBT-Gruppe (18 individuelle Sitzungen und 18 Familien-Sitzungen innerhalb eines Jahres) und eine SOC-Gruppe (verschiedene Therapien nach klinisch angepasstem Plan) randomisiert. Die Medikamentierung der Jugendlichen erfolgte nach einem flexiblen Algorithmus basierend auf den amerikanischen Leitlinien für das Management bei pädiatrischen BSD von 2005 [2].  

Verblindete Begutachter

Gegenüber der Behandlungsgruppe verblindete Experten begutachteten die Jugendlichen und ihre Eltern vierteljährlich während des einjährigen Follow-ups. Zur Evaluierung von Suizidversuchen wurden die Patienten mit Hilfe des Adolescent Longitudinal Follow-Up Evaluation (ALIFE) und der Columbia-Suicide Severity Rating Scale Pediatric Version (C-SSRS) befragt. Die primären Endpunkte umfassten die Suizidversuche innerhalb eines Jahres sowie Stimmungssymptome und -zustände (Depression und Hypomanie, Manie).

Suizidversuche Baseline

Insgesamt wurden 100 Patienten (85% weiblich, Durchschnittsalter 16,1 Jahre) in die Studie eingeschlossen. Die von den Patienten in ALIFE berichteten Suizidversuchsraten zu Beginn waren mit im Durchschnitt 2,0 Versuchen in der DBT-Gruppe und 1,8 Versuchen in der SOC-Gruppe ähnlich hoch. Im C-SSRS war die Suizidversuchsrate zu Beginn in der DBT-Gruppe mit 1,4 gegenüber 0,6 in der SOC-Gruppe höher.

Weniger Suizidversuche in der DBT-Gruppe

Verglichen mit der SOC-Gruppe berichteten die Teilnehmer in der DBT-Gruppe von signifikant weniger Suizidversuchen während des Follow-ups von einem Jahr (ALIFE: DBT 0,2 gegenüber SOC 1,1; p=0,03 nach Baseline-Kontrolle; CSSRS: DBT 0,04 gegenüber 0,1; p=0,03 nach Baseline-Kontrolle). DBT war signifikant effektiver als SOC bei der Verringerung von Suizidversuchen. (ALIFE: Incidence rate ratio [IRR], 0,32; 95% Konfidenzintervall [KI] 0,11 bis 0,96; C-SSRS: IRR 0,13; 95% KI 0,02 bis 0,78).

In beiden Behandlungsgruppen kam es zu einer signifikanten und ähnlichen Verbesserung der Stimmungssymptome und Episoden über ein Jahr.

DBT vielversprechende Intervention

In dieser randomisierten klinischen Studie erwies sich die DBT als effektiver bei der Verringerung von Suizidversuchen in der Hochrisikogruppe der Jugendlichen mit BSD. Bei Jugendlichen mit BSD und erhöhtem suizidalen Risiko oder einer ausgeprägten emotionalen Dysregulation bewirkt die DBT durch die Stärkung emotionaler Regulation die größte Verringerung des Risikos von Suizidversuchen. Dabei erzielt die DBT eine ebenso gute Verbesserung von Stimmungsepisoden und -symptomen wie andere evidenzbasierte Strategien. Beide Effekte machen die DBT zu einem vielversprechenden Therapieansatz beim stufenweisen Versorgungsmodell von BSD bei Jugendlichen.

Die Studie wurde von der University of Pittsburgh gesponsort und ist auf ClinicalTrials.gov unter der Nummer NCT02003690 einzusehen.

Autor:
Stand:
23.10.2023
Quelle:
  1. Goldstein et al. (2023): Dialectical Behavior Therapy for Adolescents With Bipolar Disorder: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry, DOI:10.1001/jamapsychiatry.2023.3399  
  2. Kowatch et al. (2005): Psychiatric Workgroup on Bipolar Disorder. Treatment guidelines for children and adolescents with bipolar disorder. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry, DOI:10.1097/00004583-200503000-00006
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