Frauen häufiger von Demenz betroffen
Die globale Prävalenz von Demenz wird bis 2050 voraussichtlich auf über 150 Millionen Fälle steigen. Frauen sind hierbei überproportional betroffen, was bisher vorrangig durch ihre höhere Lebenserwartung erklärt wurde. Neuere Forschungen legen jedoch nahe, dass weitere geschlechtsspezifische Risikofaktoren, insbesondere hormonelle Veränderungen während der Menopause, eine Rolle spielen könnten. Der Verlust von Estradiol und das Auftreten menopausaler Symptome könnten die Gehirnstruktur und -funktion nachhaltig beeinflussen.
Menopausale Symptome und kognitive Veränderungen: Bisherige Erkenntnisse
Die Menopause geht häufig mit Symptomen wie Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, kognitiven Einbußen und Hitzewallungen einher. Frühere Studien zeigten, dass einzelne Symptome, etwa Schlafprobleme oder depressive Verstimmungen, mit späteren kognitiven Defiziten korrelieren könnten und neuropathologische Prozesse fördern. Unklar blieb jedoch, ob die Gesamtheit der menopausalen Symptomlast ein unabhängiger Risikofaktor für kognitive Beeinträchtigungen und demenzielle Entwicklungen sein könnte.
Assoziation zwischen Symptomen in Menopause und Kognition und Verhalten?
Die vorliegende Arbeit adressiert diese Wissenslücke, indem sie untersucht, ob die Anzahl erlebter menopausaler Symptome prädiktiv für spätere Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit und das Auftreten von Einschränkungen im Verhalten ist. Dabei wurde insbesondere geprüft, ob Hormonersatztherapien einen modulierenden Einfluss auf diese Zusammenhänge ausüben können.
Die Analyse basiert auf Daten der Studie CAN-PROTECT (Canadian Platform for Research Online to Investigate Health, Quality of Life, Cognition, Behaviour, Function, and Caregiving in Aging) und wurde von Wissenschaftlern der Universität Calgary, Kanada, durchgeführt.
Überblick über die CAN-PROTECT-Daten
Die Querschnittsstudie umfasste 896 postmenopausale Frauen mit einem mittleren Alter von 64 Jahren (Spanne 41-88 Jahre), die an der CAN-PROTECT-Plattform teilnahmen. Erfasst wurden die Anzahl erinnerter menopausaler Symptome, die aktuelle kognitive Leistungsfähigkeit mittels ECog (Everyday Cognition)-II-Skala und das Vorliegen von Verhaltensänderungen anhand der MBI (Mild Behavioral Impairment)-Checkliste. Adjustiert wurde für Alter, Bildungsgrad, Typ und Alter bei Menopause sowie Hormonersatztherapie-Nutzung.
Hauptergebnisse: Symptomlast in Menopause als signifikanter Prädiktor
Die Analysen zeigen:
- Kognitive Funktion: Jede zusätzliche menopausale Symptomatik war mit einem Anstieg der ECog-II-Scores um 5,37 % verbunden, was auf stärkere kognitive Einschränkungen hindeutet.
- Verhaltensauffälligkeiten: Ebenso stieg der MBI-C-Score pro zusätzlichem Symptom um 6,09 %, ein Hinweis auf eine Zunahme neuropsychiatrischer Veränderungen.
- Einfluss von Hormonersatztherapie: Die Einnahme von Hormonersatzpräparaten war mit einer Reduktion der MBI-Symptomatik um 26,9 % assoziiert, zeigte jedoch keinen signifikanten Einfluss auf die kognitive Funktion.
Menopause-Symptome stärker in Fokus der Demenzprävention stellen
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine ausgeprägte menopausale Symptomatik als Frühwarnzeichen für spätere kognitive und verhaltensbezogene Störungen dienen könnte. Der zusätzliche Schutz durch Hormonersatztherapien betrifft primär die Verhaltensebene, nicht jedoch die kognitive Leistung. Damit rücken symptomatische Verläufe der Menopause stärker als bisher in den Fokus der Demenzprävention.
Limitationen der Studie zur Assoziation zwischen menopausaler Symptomatik und Demenzrisiko
Zu beachten ist die Querschnittsnatur der Studie, die keine Kausalitätsaussagen erlaubt. Auch die subjektive Erinnerungsleistung bei der Symptomangabe stellt eine mögliche Verzerrungsquelle dar. Künftige Langzeitstudien, die Biomarker-Analysen integrieren sollten, sind notwendig, um die biologischen Mechanismen weiter aufzuklären und präzisere Interventionsstrategien zu entwickeln.
Frauen mit erhöhtem Demenzrisiko bereits in Menopause erkennen
Die Erfahrungen während der Menopause, insbesondere eine hohe Symptomlast, könnten frühe Indikatoren für spätere kognitive und verhaltensbezogene Veränderungen darstellen. Diese Erkenntnisse könnten helfen, Frauen mit erhöhtem Risiko frühzeitig zu identifizieren und präventive Maßnahmen rechtzeitig einzuleiten.




