Auswirkungen von Einsamkeit auf die Gesundheit
Einsamkeit wird als ein subjektiv empfundenes, beunruhigendes Gefühl beschrieben, das durch das Missverhältnis zwischen gewünschten und tatsächlichen sozialen Kontakten und Beziehungen entsteht. Es zeichnet sich durch erhöhte emotionale Verletzlichkeit aus. Außerdem neigen einsame Personen häufig zu ungesunden Verhaltensweisen wie körperlicher Inaktivität und Rauchen. Studien zeigten sogar einen Zusammenhang zwischen dem Gefühl des Alleinseins und den häufigsten Demenzerkrankungen, wie Alzheimer, vaskuläre Demenz und auch frontotemporale Demenz.
Parkinson-Syndrome
Parkinson-Syndrome gehören zu den neurodegenerativen Erkrankungen. Sie werden in primäre (idiopathisches Parkinson-Syndrom und erbliche Parkinson-Syndrome) und sekundäre sowie atypische Parkinson-Syndrome unterteilt. Letztere treten meist im Verlauf einer anderen neurodegenerativen Erkrankung auf. Sekundäre Parkinson-Syndrome sind oft Folge von Medikamentennebenwirkungen sowie von vaskulären, entzündlichen, metabolischen, toxischen und auch posttraumatischen Faktoren. Die erblichen Parkinson-Syndrome basieren auf genetischer Veranlagung. Das idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS) ist die häufigste Form, die bei etwa 75-80% aller Parkinson-Patienten auftritt, wobei die Ursache nicht bekannt ist.
Einsamkeit und Parkinson
Mittels einer prospektiven Kohortenstudie mit Daten aus der UK Biobank haben Forscher den Zusammenhang zwischen Einsamkeit und der Entwicklung des IPS untersucht.
Von den 491.603 Teilnehmern entwickelten während eines 15-jährigen Follow-up 2.822 ein IPS. Diejenigen, die Einsamkeit empfanden, wiesen ein um 37% erhöhtes Risiko auf. Dieses Risiko bestand sogar nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Geschlecht sowie genetischen und gesundheitlichen (körperlich und auch seelisch) sowie sozioökonomischen Faktoren fort. Es konnte immer noch ein um 25% erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines IPS nachgewiesen werden. Interessanterweise wurde festgestellt, dass objektivierbare soziale Isolation im Vergleich zur subjektiv empfundenen Einsamkeit nicht mit dem IPS-Risiko assoziiert war.
Stärken und Schwächen der Studie
Neben dem großen Stichprobenumfang, dem langen Follow-up und der Berücksichtigung von vielen möglichen Störfaktoren war auch eine hohe Sicherheit der Diagnosestellung gegeben.
Es ist wichtig anzumerken, dass eine direkte Kausalität aus dieser Studienform jedoch nicht abgeleitet werden kann. Die Autoren vermuten zudem, dass auch eine umgekehrte Kausalität bestehen könnte, wobei Einsamkeit eine Folge von IPS sein könnte. Denn Einsamkeit kann wie die Symptome Depression, Fatigue, Angst und Apathie zu den nicht-motorischen Symptomen bei IPS zählen und bereits präklinisch bzw. prodromal in den frühen Phasen der Erkrankung auftreten. Dagegen spricht jedoch die Beobachtung, dass die Assoziation zwischen Einsamkeit und IPS nicht in den ersten 5 Jahren nach Beginn der Studie, sondern erst in den nächsten 10 Jahren beobachtet werden konnte.
Pathomechanismen
Die Ursachen und die Mechanismen, durch die Einsamkeit schädliche Effekte auf die Gesundheit, insbesondere auf die Hirngesundheit, haben könnte, sind vielfältig und bisher ungeklärt. Diskutiert werden nicht nur direkte neuropathologische Auswirkungen von Einsamkeit, sondern auch eine gestörte Resilienz gegenüber neurodegenerativen Prozessen, die zur Entwicklung des IPS beitragen könnten. Daten hierzu fehlen noch, sodass diese Studie als Basis für weitere Forschungsarbeiten zu verstehen sein sollte. Speziell die möglichen neuropathologischen Mechanismen, wie in etwa Einsamkeit mit Biomarkern wie Alpha-Synuclein und Neurofilament-Leichtketten assoziiert ist, sind von großem Interesse.
Einsamkeit ist ein vermeidbarer Risikofaktor
In Anbetracht der vorliegenden Daten gehen die Forscher davon aus, dass Einsamkeit eine psychosoziale Determinante der Gesundheit ist und mit erhöhter Morbidität und Mortalität in Verbindung steht.
Schlussendlich könnte das Gefühl der Einsamkeit ein potenziell vermeidbarer Risikofaktor sein, der bei der Primärprävention von assoziierten Krankheiten wie Demenz berücksichtigt werden sollte und so zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen könnte.


