Heimtest zur Geruchswahrnehmung ermöglicht frühzeitiges Erkennen kognitiver Defizite

Geruchsstörungen gelten als Frühwarnsignal für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson. Ein digitaler Geruchstest für zu Hause könnte nun eine nicht-invasive, kosteneffiziente Möglichkeit zur Erkennung kognitiver Defizite bieten.

geruchssinn

Früherkennung kognitiver Störungen durch innovative Geruchstests

Die Früherkennung kognitiver Störungen wie der Alzheimer - und Parkinson-Krankheit  bleibt eine der zentralen Herausforderungen in der neurologischen Versorgung älterer Patienten. Konventionelle diagnostische Verfahren – etwa bildgebende Verfahren oder Liquoranalysen – sind oft invasiv, kostenintensiv und mit erheblichem logistischem Aufwand verbunden. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise darauf, dass Störungen des Geruchssinns – insbesondere im Bereich der Geruchserkennung und -diskriminierung – als frühe Marker neurodegenerativer Prozesse dienen können. Einer im American Journal of Rhinology and Allergy veröffentlichten Metaanalyse zufolge liegt die Prävalenz olfaktorischer Defizite bei Personen über 55 Jahren bei etwa 34,5 %.

Die AROMHA-Studie (Assessment of Remote Olfactory Measurement of Health and Aging) untersucht den Einsatz eines nicht-invasiven, kosteneffizienten und flexibel einsetzbaren Screening-Verfahrens zur Erfassung olfaktorischer Leistungsfähigkeit und trägt so dieser Entwicklung Rechnung. Im Fokus steht die Validierung eines neu entwickelten digitalen Heimtests. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Fachjournal Scientific Reports publiziert.

Entwicklung und Zielsetzung des AROMHA Brain Health Tests

Ziel der Studie war die Validierung des digitalen AROMHA Brain Health Tests (ABHT) zur Selbstanwendung im häuslichen Umfeld. Dieser Geruchstest wurde speziell entwickelt, um Veränderungen der olfaktorischen Funktion als potenziellen Frühmarker kognitiver Beeinträchtigungen zu erfassen. Im Mittelpunkt standen die Prüfung der Praktikabilität, Reproduzierbarkeit und diagnostischen Aussagekraft in verschiedenen Anwendungsszenarien (beobachtete vs. unbeobachtete Durchführung) sowie in zwei Sprachgruppen (Englisch und Spanisch).

Dafür rekrutierte das Studienteam insgesamt 180 Teilnehmer, die in drei Gruppen eingeteilt wurden: kognitiv gesunde Personen (n = 127), Probanden mit subjektiven kognitiven Beschwerden (SCC; n = 34) sowie Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI; n = 19). Ergänzend wurde eine Subgruppe mit Anosmie zur Prüfung der Spezifität des Tests herangezogen.

Struktur, Durchführung und Alltagstauglichkeit des digitalen Geruchstests

Der ABHT umfasst mehrere Teilkomponenten: Geruchserkennung (OPID9/OPID18), Gedächtnisleistung (POEM) und Geruchsdiskriminierung (OD10). Die Durchführung erfolgte mit fünf Karten, die mit Duftmarkierungen versehen waren. Die Teilnehmer wurden dabei online Schritt für Schritt durch die einzelnen Aufgaben geleitet. Die Testung konnte sowohl unter Beobachtung (z. B. per Videokonferenz) als auch unbeobachtet im häuslichen Umfeld stattfinden.

Ein besonderes Augenmerk lag darauf, ob ältere Teilnehmer auch ohne direkte Betreuung sicher mit dem digitalen Testsystem umgehen können. Tatsächlich entschieden sich die meisten kognitiv gesunden Teilnehmer für die unbeobachtete Durchführung – mit Ergebnissen, die denen der beobachteten Gruppe in wesentlichen Punkten entsprachen.

Ergebnisse: Olfaktorische Defizite korrelieren mit kognitivem Status

Die Analyse ergab eine altersabhängige Abnahme in nahezu allen olfaktorischen Subtests. Besonders ausgeprägt zeigten sich die Unterschiede in der Geruchserkennung und -diskriminierung zwischen kognitiv gesunden Probanden und Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI). Die Scores der MCI-Gruppe lagen signifikant unter denen der kognitiv Gesunden – unabhängig von Alter, Geschlecht und Bildungsniveau.

Teilnehmer mit subjektiven kognitiven Beschwerden (SCC) erzielten tendenziell Zwischenwerte, was auf ein erhöhtes Risiko für kognitiven Abbau hinweist. Die Ergebnisse zur metakognitiven Komponente – also der Fähigkeit, das eigene Antwortverhalten realistisch einzuschätzen („noguess“-Kategorien) – deuten auf eine potenziell diagnostisch relevante Zusatzdimension hin, insbesondere im Kontext von MCI.

Die Vergleichsanalyse zwischen englisch- und spanischsprachigen Probanden ergab keine signifikanten Unterschiede in den Testergebnissen, was die Eignung des Tests für den mehrsprachigen Einsatz untermauert.

Einordnung der Ergebnisse im Kontext bestehender Forschung

Die Resultate der AROMHA-Studie bestätigen frühere Erkenntnisse, wonach olfaktorische Defizite – insbesondere im Bereich der Geruchserkennung – frühe neurodegenerative Veränderungen widerspiegeln können – speziell in limbischen und medial-temporalen Hirnarealen wie dem Hippocampus und der Amygdala. Diese Strukturen sind bereits in präsymptomatischen Stadien der Alzheimer-Erkrankung betroffen.

Darüber hinaus unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung höherer kognitiver Funktionen wie Arbeitsgedächtnis und Entscheidungsverhalten für die Bearbeitung olfaktorischer Aufgaben – vor allem bei der Geruchsdiskriminierung, die sich ebenfalls als sensitiv gegenüber kognitiven Störungen erwies.

Fazit: Validierter Heimtest als ergänzendes Instrument zur Früherkennung

Die AROMHA-Studie liefert robuste Evidenz für die Validität und Alltagstauglichkeit eines digitalen Geruchstests zur Früherkennung kognitiver Beeinträchtigungen. Der ABHT wird von älteren Anwendern gut akzeptiert, ist sprachlich flexibel einsetzbar und liefert unter realweltlichen Bedingungen reproduzierbare Ergebnisse bei Selbstanwendung. Die spezifischen Testergebnisse bei MCI-Patienten korrespondieren mit bekannten pathophysiologischen Veränderungen im Rahmen neurodegenerativer Erkrankungen.

Der ABHT könnte künftig als ergänzendes Screeninginstrument dienen – insbesondere bei asymptomatischen Personen mit Risikofaktoren wie subjektivem kognitiven Abbau oder genetischer Prädisposition.

Langfristige Studien sind erforderlich, um den prädiktiven Wert im Hinblick auf Biomarker (z. B. Amyloid, Tau) sowie den Übergang in manifeste demenzielle Syndrome zu validieren. Bereits jetzt belegt die Studie das Potenzial eines niedrigschwelligen, nicht-invasiven Verfahrens zur Erweiterung etablierter Früherkennungsstrategien in der neurologischen Diagnostik.

Autor:
Stand:
10.04.2025
Quelle:
  1. Desiato, V. M. et al. (2020): The prevalence of olfactory dysfunction in the general population: A systematic review and Meta-analysis. American Journal of Rhinology and Allergy, DOI: 10.1177/1945892420946254.
  2. Jobin, B., et al. (2025): The AROMHA brain health test is a remote olfactory assessment to screen for cognitive impairment. Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-025-92826-8.
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