Hochintensives Intervalltraining in der Rehabilitation nach Schlaganfall

Mehr als sechs Monate nach einem Schlaganfall erwies sich hochintensives Intervalltraining in einer Studie als sicher und durchführbar. Nach zwölf Wochen zeigte sich eine klinisch bedeutsame Verbesserung der kardiorespiratorischen Fitness im Vergleich zu herkömmlichem moderat-intensivem Training.

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Verbesserung der kardiorespiratorischen Fitness nach Schlaganfall 

Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Schlaganfallrehabilitation. Ziel ist es, die Körperfunktionen und den Gesundheitszustand zu verbessern und sekundären Ereignissen vorzubeugen. Traditionell wird in Rehabilitationsprogrammen nach Schlaganfall ein kontinuierliches Training moderater Intensität (MICT) über in der Regel 20-30 Minuten mehrmals pro Woche verordnet.

Der kontinuierliche Charakter dieser Trainingsform stellt selbst bei moderaten Intensitäten jedoch für viele Menschen aufgrund neuromotorischer Beeinträchtigungen und schlechter körperlicher Leistungsfähigkeit eine Herausforderung dar.

Hochintensive Übungen in kurzen Intervallen, unterbrochen von Erholungsphasen (hochintensives Intervalltraining [HIIT]), könnten eine praktikable Alternative sein, mit der höhere Intensitäten während des Trainings erreicht werden können. 

Multizentrische Studie vergleicht HIIT mit MICT 

Ein Wissenschaftlerteam um Dr. Kevin Moncion von der School of Rehabilitation Sciences an der McMaster University im kanadischen Hamilton untersuchte die Auswirkungen von zwölf Wochen HIIT im Vergleich zu MICT. Betrachtet wurden dabei die maximale Sauerstoffaufnahme, kardiovaskuläre Risikofaktoren und Mobilität bei Personen, die mehr als sechs Monate zuvor einen Schlaganfall erlitten hatten.

Bei dieser Studie handelte es sich um eine multizentrische, randomisierte, kontrollierte Studie mit 82 Teilnehmern im mittleren Alter von 65 Jahren. Diese wurden durchschnittlich knapp zwei Jahre nach erlittenem Schlaganfall in die Studie aufgenommen und randomisiert entweder einem Trainingsprogramm mit HIIT oder MICT an drei Tagen pro Woche zugeteilt. Das Programm sollte über zwölf Wochen durchgeführt werden. acht Wochen später folgte ein Nachbeobachtungstermin. 

Stärkere Verbesserungen in der maximalen Sauerstoffaufnahme mit HIIT

Die maximale Sauerstoffaufnahme in der HIIT-Gruppe betrug zu Studienbeginn 17,3 ml/kg×min. Bei den Probanden in der MICT-Gruppe waren es 17,2 mL/kg×min. Die Teilnehmer absolvierten 82% der vorgesehenen Trainingseinheiten. Während des Studienzeitraums traten keine unerwünschten Ereignisse auf. 

In der HIIT-Gruppe hatte sich die maximale Sauerstoffaufnahme nach zwölf Wochen im Mittel um 1,81 ml/kg/min mehr verbessert als in der MICT-Gruppe. Die Probanden in der HIIT-Gruppe erreichten außerdem größere Zuwächse bei der maximalen Sauerstoffaufnahme als die Probanden in der MICT-Gruppe. 

Am Ende der achtwöchigen Nachbeobachtung waren die Unterschiede zwischen den Gruppen nicht mehr ausgeprägt.

Keine Unterschiede bei kardiovaskulären Risikofaktoren oder Mobilität 

Die Forscher beobachteten keine Gruppenunterschiede im systolischen oder diastolischen Blutdruck, im Taillen-Hüft-Quotienten, der arteriellen Steifigkeit, der Gehdistanz oder der Gehgeschwindigkeit nach der Intervention.

HIIT als effektivere Alternative bewertet 

Der durch HIIT erzielte Vorteil wurde von den Wissenschaftlern als klinisch bedeutsam bewertet. Mit den höheren Intensitäten, die während des Trainings erreicht wurden, konnte die kardiovaskuläre Gesundheit verbessert werden. Ein weiterer Vorteil von HIIT sei, dass damit auch in späteren Phasen der Genesung noch kardiovaskuläre Verbesserungen erreicht werden könnten.

Zukünftige Studien sollten jedoch auch Personen mit schwerwiegenderen Einschränkungen und ungünstigeren kardiovaskulären Risikoprofilen einbeziehen. Zudem könnten die Ergebnisse beim Gehen möglicherweise durch ein Training im Stehen anstatt im Sitzen weiter verbessert werden, so die Forscher.

Autor:
Stand:
13.09.2024
Quelle:

Moncion et al. (2024): Cardiorespiratory fitness benefits of high-intensity interval training after stroke - a randomized controlled trial. Stroke, DOI: 10.1161/STROKEAHA.124.046564

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