Persistierende depressive Störung
Unter den psychischen Erkrankungen verursachen depressive Störungen die höchste Krankheitslast hinsichtlich der durch die Erkrankung verlorenen Lebensjahre (disability-adjusted life years [DALY]) und der Jahre, die die Patienten mit der Beeinträchtigung leben. Depressive Störungen, die mehr als zwei Jahre andauern und an den meisten Tagen für einen überwiegenden Anteil des Tages den Patienten in eine depressive Stimmung versetzen, klassifiziert die DSM-V als persistierende depressive Störung (persistent depressive disorder [PDD]). Die PDD ist mit funktionellen Beeinträchtigungen, schweren Depressionssymptomen und Suizidalität verbunden.
Man schätzt, dass 61% der Patienten, die gegen Depressionen behandelt werden, unter einer PDD leiden [1]. PDD-Patienten benötigen Langzeittherapien und zeigen eine geringere Response auf eine Pharmakotherapie als Patienten mit isolierter Depressionsepisode von weniger als zwei Jahren. Um Patienten mit behandlungsresistenter chronischer Depression effektiver zu behandeln, entwickelte James P. Mc Cullough im Jahr 2000 das Cognitive Behavioural Analysis System of Psychotherapy (CBASP), das behaviorale, kognitive, psychodynamische sowie interpersonelle Strategien integriert und heute die einzige etablierte Therapie für die PDD ist [2,3].
Prädiktoren für den Therapierfolg gesucht
Doch auch die CBASP ist nicht bei jedem Patienten erfolgreich. Tatsächlich sind bei depressiven Störungen bis heute keine Prädiktoren bekannt, die Anhaltspunkte geben, auf welche Therapie Patienten im individuellen Fall gut ansprechen. Vorangegangene Studien lieferten auch bei der CBASP unterschiedliche Ergebnisse. Ein Team um Juliana A. Dean von der Universitätsklinik Groningen führte eine prospektive Kohortenstudie durch, um Prädiktoren zu identifizieren, die mit einem günstigen Therapieergebnis nach CBASP in Gruppensitzungen und einem anschließenden individuellen Follow up verbunden sind.
24 CBASP-Gruppensitzungen in sechs Monaten
Die prospektive Kohortenstudie wurde mit Patienten mit PDD durchgeführt, die an einer ambulanten Gruppen-CBASP teilnahmen. Die insgesamt 24 Gruppensitzungen im Zeitraum von sechs Monaten fanden einmal wöchentlich statt. Als Outcome wurde die Schwere der Depression nach dem Inventar depressiver Symptome-Selbst-Report (IDS-SR/Scores 0= keine Depression bis Höchstwert 84 Punkte) vor Beginn der Therapie, nach Ende der Sitzungen nach 6 Monaten und nach weiteren 6 Monaten individuellem Follow up (Monat 12) erfasst. Als Therapieresponse wurde eine Reduktion des Baseline IDS-SR um ≥50% und als partielle Response eine Reduktion um 25-49% definiert.
Als potenzielle Prädiktoren wurden die initiale Depressionsschwere, die vorausgegangene Anwendung von Antidepressiva, psychiatrische Komorbiditäten, das Alter, der Familienstand, die Einkommensquelle, das Alter bei Krankheitsbeginn und Kindheitstraumata gewählt. Zur Bestimmung der Effekte mit einer Reduktion ≥25% des IDS-SR score wurde eine multivariate logistische Regression durchgeführt.
Günstige Prädiktoren identifiziert
Zu Beginn der Studie nahmen 139 Patienten teil. Letztendlich konnten die Daten von 89 Patienten in die Analyse aufgenommen werden. Von diesen zeigten 31,46% nach 6 und 37,08% nach 12 Monaten eine partielle oder volle Response. Der IDS-Score sank signifikant von insgesamt durchschnittlich 37,78 zu Beginn der Intervention auf 33,45 nach 6 Monaten. Diese Verbesserung blieb auch bis zur Messung in Monat 12 erhalten.
Als signifikant günstige Prädiktoren für eine gute Response auf die Gruppen-CBASP wurden ein Einkommen durch Erwerbstätigkeit (im Vergleich zur finanziellen Abhängigkeit von Sozialleistungen oder einem Partner) und das Nicht-Vorhandensein einer psychiatrischen Komorbidität (Achse-I-Störung nach DSM IV) identifiziert. In den Gruppen ohne günstige Prädiktoren zeigten 16,7% und 19,2% der Patienten zumindest eine Teil-Response auf die Therapie.
Einkommensquelle und Achse-I-Störungen als Prädiktoren
Die Studie identifizierte die Einkommensquelle und psychiatrische Achse-I-Komorbiditäten als wichtige Prädiktoren für die Response von Patienten mit PDD auf eine CBASP-Gruppentherapie. In der Gruppe ohne günstige Prädiktoren zeigte eine Subgruppe zumindest eine partielle Response.
Diese Ergebnisse legen nahe, dass eine CBASP-Gruppentherapie bei Patienten, die auf Standardtherapien nicht ansprechen, zumindest eine reelle Chance darstellen könnte. Zukünftige Studien sollten Einflussfaktoren auf das Outcome wie Komorbiditäten, andere relevante klinische Veränderungen und das soziale Funktionieren der Patienten in ihren Analysen berücksichtigen.





