Die Geburt eines Kindes stellt für die Eltern ein intensives Erlebnis dar und ist mit starken Emotionen verbunden. In England muss jedes Jahr etwa eines von sieben Neugeborenen in der Neonatologie behandelt werden. Sowohl die Angst und Sorge um den Säugling als auch die stressvolle Umgebung im Krankenhaus dazu führen, dass die betroffenen Eltern ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen aufweisen.
Vorherige Studien ergaben, dass sich psychische Erkrankungen der Mutter sich negativ auf die Beziehung zum Kind und dessen Entwicklung auswirken können. Insbesondere die Mütter von Säuglingen, die zur neonatalen Versorgung aufgenommen wurden, weisen ein erhöhtes Risiko für postnatale psychische Gesundheitsprobleme auf. Die vorliegende Studie untersuchte die Prävalenz und Risikofaktoren für derartige Probleme bei Müttern von Neugeborenen, die in England zur neonatalen Versorgung aufgenommen wurden.
Analyse von zwei populationsbasierten Erhebungen in England
Die Studie basierte auf einer sekundären Analyse von zwei bevölkerungsbasierten Maternitätsumfragen in England in den Jahren 2018 und 2020. Anhand von standardisierten Fragebögen wurde das psychische Wohlbefinden der Mütter erfasst und Informationen zu potenziellen Risikofaktoren wie vorbestehenden psychischen Erkrankungen, soziodemografischen Merkmalen und der Verfügbarkeit sozialer Unterstützung abgefragt. Die erhobenen Daten wurden statistisch analysiert, um die Prävalenz postnataler psychischer Gesundheitsprobleme bei den Müttern zu bestimmen und Risikofaktoren zu identifizieren.
Hohe Prävalenz postpartaler Depression bei Müttern von Säuglingen in neonataler Versorgung
Die Daten von 8.539 Frauen wurden analysiert, davon waren 935 Frauen Mütter von Säuglingen, die nach der Geburt zur neonatalen Versorgung stationär aufgenommen wurden. Die Ergebnisse der Studie zeigten eine deutlich erhöhte Prävalenz von postnatalen psychischen Gesundheitsproblemen sechs Monate nach der Geburt bei diesen Müttern.
Fast ein Viertel von ihnen (23,7%) litt unter Depression, 16,0% unter Angsterkrankungen und 14,6% unter posttraumatischem Stress. Etwa ein Drittel der Mütter von nach der Geburt zur neonatalen Versorgung aufgenommen Säuglingen wies sechs Monate nach der Geburt mindestens ein postnatales psychisches Gesundheitsproblem auf, 8,2% der betroffenen Mütter zwei und 7,5% alle der drei oben genannten. Die Prävalenz der drei untersuchten psychischen Gesundheitsprobleme war bei Müttern von zur neonatalen Versorgung aufgenommenen Säuglingen deutlich höher als bei den Müttern, deren Neugeborene nicht neonatal versorgt werden mussten.
Zufriedenheit mit der Geburt und soziale Unterstützung wirken protektiv
Die Analyse der Risikofaktoren ergab, dass eine vorherige psychische Erkrankung und pränatale Angststörungen die stärksten und unabhängige Prädiktoren für postnatale psychische Gesundheitsprobleme waren. Gaben die Frauen an, unter einer chronischen psychischen Erkrankung zu leiden, stieg ihr Risiko für postnatale Depression, Angststörungen und posttraumatischen Stress signifikant an. Auch das Risiko für postnatale psychische Komorbiditäten erhöhte sich bis zu achtfach.
Eine hohe Geburtszufriedenheit und sozialer Unterstützung wurden als protektive Faktoren identifiziert. Je zufriedener die Mütter mit der Geburt waren und je besser die soziale Unterstützung empfunden wurde, desto geringer war das Risiko für postpartale Depression, Angststörungen und posttraumatischen Stress.
Die Studie liefert somit wichtige Erkenntnisse über die spezifischen Risikofaktoren, die mit psychischen Gesundheitsproblemen bei Müttern von zur neonatalen Versorgung aufgenommenen Säuglingen verbunden sind.
Limitationen
Durch das Querschnittsdesign der Studie lassen sich keine Rückschlüsse auf die Kausalität zwischen Risikofaktoren und dem Outcome für die psychische Gesundheit ziehen. Da die Befragung sechs Monate nach der Geburt stattfand, basieren die Angaben der Teilnehmerinnen auf ihrer Erinnerung und können anfällig für einen Recall Bias (Erinnerungsverzerrung) sein. Zudem handelt es sich bei der vorliegenden Studie um eine sekundäre Analyse und die zugrundeliegenden Daten wurden durch Selbstangabe gewonnen und nicht durch klinische Interviews, welche den empfohlenen Goldstandard darstellen.
Fazit für die Praxis
Diese Studie unterstreicht die hohe Prävalenz von postnatalen psychischen Gesundheitsproblemen bei Müttern von Neugeborenen, die zur neonatalen Versorgung aufgenommen wurden. Die Identifizierung spezifischer Risikofaktoren wie vorbestehende psychische Erkrankungen, soziodemografische Merkmale und das Vorhandensein sozialer Unterstützung ermöglicht eine gezieltere Vorbeugung und Intervention für betroffene Mütter.
Es ist wichtig, dass medizinische Fachkräfte, die in der neonatalen Versorgung tätig sind, auf die psychische Gesundheit der Mütter achten und entsprechende Hilfsangebote bereitstellen. Durch eine frühzeitige Identifizierung können negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Mütter und ihrer Säuglinge reduziert werden.





