Durch die steigende Lebenserwartung erkranken zunehmend mehr Menschen an Demenz. In Anbetracht dieser steigenden Zahlen, sind Präventionsmaßnahmen dringend nötig. Die gute Nachricht ist, dass es zahlreiche Risikofaktoren gibt, die gezielt angesprochen und beeinflusst werden können. Dazu gehören beispielsweise Bluthochdruck, Depressionen und Bewegungsmangel. Eine Studie der Lancet Commission on Dementia Prevention, Intervention and Care aus dem Jahr 2020 führt 40% aller Demenzfälle auf potenziell modifizierbare Risikofaktoren zurück.
Multikomponenten-Intervention modifiziert Demenz-Risiko
Wissenschaftler der Universität Leipzig erforschten die Wirkung einer multimodalen Intervention auf das Demenz-Risiko. Die Intervention mit dem Namen AgeWell.de ist die erste deutsche Interventionsstudie, welche den Effekt einer Multikomponenten-Intervention auf die kognitive Leistungsfähigkeit und weitere Zielgrößen untersucht. Im Rahmen der Studie sind bundesweit an fünf Standorten insgesamt 1.030 ältere Hausarztpatienten zwischen 60 und 77 Jahren mit erhöhtem Demenzrisiko nach dem Zufallsprinzip einer Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt und über 24 Monate beobachtet worden. Die Intervention umfasst verschiedene Komponenten, bei deren Umsetzung die Teilnehmer von geschulten Studienassistenten unterstützt wurden:
- Ernährungsberatung
- Erhöhung körperlicher Aktivität
- Kognitives Training
- Förderung sozialer Aktivität
- Intervention bei Trauer und depressiver Symptomatik
- Optimierung der Medikation.
Keine Verbesserung der Kognition in Interventionsgruppe
Der Effekt der Intervention wurde über zwei Jahre in der Interventionsgruppe beurteilt und mit einer Kontrollgruppe verglichen, welche regulär vom jeweiligen Hausarzt betreut wurde und allgemeine Gesundheitsinformationen erhielt. Die globale kognitive Leistungsfähigkeit zeigte keine Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppe, aber der subjektive Gesundheitszustand war in der Interventionsgruppe besser und bei Frauen kam es zu einer Reduktion depressiver Symptome. Die Ergebnisse wurden 2023 im Fachjournal „Alzheimer’s & Dementia“ der Alzheimer’s Association veröffentlicht.
Auswertung des Demenz-Risikos in Sekundäranalyse
In einer Sekundäranalyse der Studie aus 2023 untersuchte ein Team um Dr. Andrea Zülke vom Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health an der Universität Leipzig nun, ob die Intervention das Demenz-Risiko im 24-Monats-Follow-up reduziert. Dabei wurde das Demenzrisiko der Teilnehmer mittels LIBRA (LIfestyle for BRAin health)-Index bestimmt. Der LIBRA-Index umfasst zwölf Risiko- und Schutzfaktoren (verschiedene kardiovaskuläre Erkrankungen, Laborparameter, Raucherstatus, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, Depressionen, Ernährung) und kann Werte zwischen -5,9 bis 12,7 (höchstes Demenzrisiko) annehmen.
Effekte der Intervention auf LIBRA alters- und geschlechtsabhängig
Die Daten von 461 Teilnehmern, bei denen alle Daten zur Bestimmung des LIBRA-Index beim Follow-up nach zwei Jahren vorlagen, wurden in der Sekundäranalyse ausgewertet. Zu Beginn lag der LIBRA-Wert in der Interventionsgruppe bei 1,7 Punkten und in der Kontrollgruppe bei 1,3 Punkten. Nach zwei Jahren zeigte sich ein reduzierter LIBRA-Score in der Interventionsgruppe (b-Koeffizient bei -0,63). In Subgruppenanalysen ergab sich die Reduktion des LIBRA-Scores vor allem durch die Ergebnisse männlicher Studienteilnehmer und Teilnehmer aus der Altersgruppe von 60-69 Jahren. Insgesamt waren die positiven Effekte der Intervention vor allem durch Ernährungsumstellung bei Frauen und Therapie von Bluthochdruck bei Männern bedingt.
Längere Beobachtung notwendig
Die Studienautoren ziehen ein positives Fazit zur Studie. „Die Ergebnisse zur Veränderung des Risikoprofils sind ermutigend. Wir gehen davon aus, dass solche Interventionsstudien längere Beobachtungszeiträume brauchen, damit die Effekte der Lebensstilveränderungen ihr volles Potenzial entfalten können“, erklärt Prof. Dr. Steffi G. Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health der Universität Leipzig.




