Zunahme neurologischer Erkrankungen durch Hitzewellen

Die DGN und KLUG klären über die gesundheitlichen Folgen von Hitzewellen auf und informieren über Präventionsmaßnahmen. Diese sind notwendig, um die Zunahme von Schlaganfällen und die Auswirkungen für Menschen mit chronischen neurologischen Erkrankungen zu reduzieren.

Hitze

Hitzeperioden als Gesundheitsrisiko: Europa besonders betroffen

Der Klimawandel belastet nicht nur unsere Umwelt. Auch für den Menschen bleiben Extremwetterlagen nicht folgenlos. Eine Zunahme von Hitzeperioden im Zuge des Klimawandels hat Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Dabei ist Europa der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt. Gleichzeitig leben in Europa aufgrund der demographischen Entwicklung viele ältere, vulnerable Personen. Auf die daraus resultierenden Gefahren und die Wichtigkeit von Gegenmaßnahmen weist die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) anlässlich des Hitzeaktionstages am 5. Juni 2024 hin.

Folge von Hitzeperioden für neurologische Erkrankungen

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) begrüßt die Initiative der KLUG, denn Hitzeperioden erhöhen auch das Risiko für neurologische Erkrankungen und tragen zur Verschlechterung bei chronisch neurologischen Erkrankungen bei. So zeigt eine aktuell publizierte Studie eine Zunahme von Schlaganfällen begleitend zum Auftreten von Hitzewellen in Deutschland.

Studie untersucht Schlaganfallrisiko in Hitzeperioden

In der Studie analysierten Forscher um Erstautor Dr. Cheng He, Helmholtz Munich, retrospektiv Daten des Universitätsklinikums Augsburg zur Häufigkeit von Schlaganfällen. Dabei erwiesen sich vor allem hohe Temperaturen in der Nacht als problematisch. „Das ist deshalb von Bedeutung, weil durch den Klimawandel die nächtlichen Temperaturen deutlich schneller zunehmen als die Tagestemperaturen“, so Dr. Alexandra Schneider, Leiterin der Arbeitsgruppe Environmental Risks bei Helmholtz Munich.

Mehr Schlaganfälle in Hitzeperioden

Bei der Auswertung von Daten aus über 15 Jahren registrierten die Forscher rund 11.000 Schlaganfälle. Dabei zeigte sich eine Zunahme des Schlaganfallrisikos (ischämische Schlaganfälle und transitorische ischämische Attacken) um 7% durch extreme nächtliche Hitze im Zeitraum von 2013 bis 2020 im Vergleich zu der Periode von 2006 bis 2012. Die extremen Hitzesommer von 2022 und 2023 waren in den Auswertungen somit noch gar nicht enthalten. Neben dem Anstieg der Schlaganfall-Zahlen zeigte sich auch ein schlechteres Outcome. Schlaganfälle, die in Perioden extremer nächtlicher Hitze auftraten, verliefen häufiger tödlich.

Mögliche Ursachen für das höhere Schlaganfallrisiko bei hohen Temperaturen in der Nacht könnten nächtliche Dehydrierung, die Unterbrechung der normalen Schlafphysiologie und der zirkadianen Thermoregulation sein.

Hohe Temperaturen belasten Patienten mit chronischen neurologischen Erkrankungen

Die DGN betont in ihrer Pressemeldung, dass durch hohe Temperaturen nicht nur akute Erkrankungen wie Schlaganfälle begünstigt werden. Menschen mit chronischen neurologischen Erkrankungen leiden ebenfalls unter dem Temperaturanstieg durch den Klimawandel:

  • Migräne: Migräneattacken können während Hitzewellen häufiger auftreten. Dehydratation und Schlafmangel werden durch Hitzeperioden begünstig und sind ebenfalls Triggerfaktoren für die Kopfschmerzattacken.
  • Multiple Sklerose (MS): Etwa jeder zweite MS-Patient leidet unter dem Uthoff-Phänomen, einer Symptomverschlechterung bei Hitze.
  • Querschnittslähmung:  Bei Rückenmarksverletzungen und Querschnittslähmung ist häufig auch die Temperaturregulation des Körpers eingeschränkt. Patienten sind teilweise auf externe Geräte angewiesen und besonders anfällig für Hitzestress.

KLUG gegen Hitze: Präventionsmaßnahmen

Durch gezielte Prävention können die gesundheitlichen Folgen von Hitzewellen abgemildert werden. Die Akteure von KLUG fordern Regelungen seitens der Politik und informieren über präventive Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem die Vermeidung direkter Sonneneinstrahlung, Kühlhalten des Körpers, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Anpassung der Medikamentendosis.

„Wir freuen uns über diese öffentlich wirksame Aktion der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. Es ist wichtig, dass diese Maßnahmen in der Bevölkerung bekannt sind und insbesondere von vulnerablen Gruppen, z. B. ältere Menschen oder Menschen mit bestehenden neurologischen Erkrankungen, ernstgenommen werden. Die gesundheitliche Gefahr von Hitze wird heute immer noch unterschätzt“, betont Prof. Dr. Peter Berlit, Pressesprecher und Generalsekretär der DGN.

Autor:
Stand:
29.06.2024
Quelle:
  1. Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, Pressemeldung, 04.06.2024; abgerufen am 05.06.2024
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Pressemeldung, 31.05.2024; abgerufen am 05.06.2024
  3. He et al. (2024): Nocturnal heat exposure and stroke risk. European Heart Journal, DOI: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae277
  4. Helmholtz Munich, Pressemeldung, 21.05.2024; abgerufen am 05.06.2024
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden