Bei Parkinson Bewegung verordnen

Derzeit gibt es keine Arzneimittel, die die Parkinson-Krankheit heilen oder ihren Verlauf verlangsamen. Körperliche Bewegung kann aber dazu beitragen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern.

Physiotherapie älterer Mann

Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die sich langsam entwickelt und mit motorischen und nicht motorischen Einschränkungen einhergeht. Sie wird durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn verursacht. Bislang existieren keine pharmakologischen Maßnahmen, die die Parkinson-Krankheit heilen oder ihren Verlauf verlangsamen können. Zudem sind die verfügbaren symptomatischen medikamentösen Behandlungen nur begrenzt wirksam und können Nebenwirkungen verursachen. Basierend auf einer umfangreichen Literaturübersicht, die kürzlich in der Fachzeitschrift 'Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry' veröffentlicht wurde, gelangen dänische Forschende zu dem Schluss, dass körperliche Bewegung ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung von Parkinson-Patienten sein sollte. Es wäre deutlich erkennbar, dass körperliche Aktivität dazu beitragen kann, die Krankheitsentwicklung zu verhindern und möglicherweise ihren Verlauf zu verlangsamen.

Bewegung senkt Parkinson-Risiko

Bewegung ist bereits ein fester Bestandteil der Rehabilitation von Parkinson-Patienten. Die Forschungsgruppe aus Dänemark betont jedoch, dass Bewegung noch grundlegendere klinische Vorteile bieten könnte. So kann Bewegung ein äußerst wirksamer präventiver Faktor sein. „Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass moderate bis intensive körperliche Aktivität das Risiko, an Parkinson zu erkranken, verringert. Bestehende Studien zeigen, dass ein hohes Maß an körperlicher Aktivität das Risiko um bis zu 25% senken kann“, erklärt Associate Professor Martin Langeskov-Christensen von der Abteilung für klinische Medizin an der Universität Aarhus und der Abteilung für Neurologie am Regionalkrankenhaus Viborg, Dänemark. Er ist einer der Forscher, die die wichtigsten Studien zur Verbindung von Bewegung und Parkinson-Krankheit gesammelt und ausgewertet haben.

Ideal sind Bewegungsprogramme mit aktuellen Übungsanleitungen

Weiterhin gibt es Hinweise darauf, dass sich eine Reihe von Symptomen, für die es in der Regel keine pharmakologische Therapie gibt, ebenfalls durch Bewegung verbessern. „Viele Parkinson-Patienten haben zum Beispiel Schwierigkeiten beim Gehen, und Bewegung kann diese erheblich lindern. Dies kann die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern. Wenn sie Schwierigkeiten haben, von Ihrem Stuhl aufzustehen, sollten sie sich auf Kraft- oder Gleichgewichtsübungen konzentrieren“, so der Professor.

Auch Patienten mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck sollten sich sportlich betätigen. Wichtig ist jedoch ein maßgeschneiderter Trainingsplan. Man könne nicht davon ausgehen, dass der Einzelne weiß, welche Übungen seine Symptome verbessern werden. Daher sollten Patienten mit Parkinson-Krankheit in Verbindung mit ihrer pharmakologischen Medikation personalisierte Bewegungsprogramme erhalten, einschließlich regelmäßiger Nachuntersuchungen. Ideal wäre ein Bewegungsprogramm mit aktuellen Übungsanleitungen, dass kontinuierlich von Physiotherapeuten, Sportphysiologen, Neurologen und anderen relevanten Berufsgruppen überwacht wird. Hier würden Leitlinien, in denen die Bedeutung von Bewegung für die Patientengruppe anerkannt wird, helfen, so der Parkinson-Experte.

Bewegung senkt Arzneimittel-Bedarf

Die Beweise dafür, dass Bewegung das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen kann, sind weniger solide, wenn auch sehr plausibel. Der Parkinson-Forschung fehlt jedoch der entscheidende empfindliche Biomarker, um den Verlauf der Erkrankung bei allen Patienten vorherzusagen. Es gibt jedoch überzeugende Bewegungsstudien mit Tieren, die an einer Parkinson-ähnlichen Krankheit leiden, wenngleich man die beobachteten Effekte nicht immer mit denen beim Menschen gleichsetzen kann, weiß Langeskov-Christensen.

Parkinson könne man nicht einfach wegtrainieren. Aber Studien zeigen, dass die Menge der Medikamente durch Bewegung stabilisiert und sogar reduziert werden kann, wenn das Aktivitätsniveau erhöht wird. Andere Studien zeigen Verbesserungen in der klinischen Testbatterie MDS-UPDRS (Unified Parkinson's Disease Rating Scale), die derzeit der beste Marker zur Verlaufsbeobachtung bei der Parkinson-Krankheit ist.

Fußball spielen, Krafttraining oder spazieren gehen – Hauptsache Bewegung

Die meisten Studien über Parkinson und Bewegung untersuchen die Auswirkungen von Kraft- oder Ausdauertraining. Beides funktioniert, aber für unterschiedliche Bereiche, erklärt Langeskov-Christensen. Patienten, die an Parkinson erkrankt sind, sollten die Art von Bewegung wählen, die ihnen am besten liegt.

Betroffene sind bereits durch einen niedrigen Dopaminspiegel beeinträchtigt, sodass es schwierig sein kann, sich zu motivieren. Dennoch können Patienten, die aufgrund von Komplikationen der Parkinson-Krankheit Schwierigkeiten haben, sich intensiv zu bewegen, positive Ergebnisse erzielen, indem sie zu Hause Aktivitäten mit geringer Intensität durchführen, wie Gartenarbeit oder tägliche Spaziergänge mit dem Hund.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Patienten mit neurologischen Krankheiten wie Parkinson unter starker Müdigkeit und einem starken Gefühl der Erschöpfung leiden, das sich nicht so einfach abschütteln lässt. Dies kann sich noch verstärken, wenn mit dem Training begonnen oder das Bewegungsprogramm intensiviert wird. Studien zu Multipler Sklerose (MS) zeigen jedoch, dass Bewegung tatsächlich gegen Müdigkeit helfen kann. Neue Studien über die Auswirkungen von Bewegung auf die Müdigkeit bei Parkinson-Patienten sind bereits in Vorbereitung, weiß Langeskov-Christensen.

Paradigmenwechsel: Bewegung als Medizin bei Parkinson

„Auf Grundlage der aktuellen Erkenntnisse schlagen wir einen Paradigmenwechsel vor: Bewegung sollte Menschen mit Parkinson im Frühstadium neben der konventionellen medizinischen Behandlung als Medizin verschrieben werden“, sagt der Parkinson-Experte. In jedem Fall ist es besser, etwas zu tun, als untätig zu sein, denn die Vorteile überwiegen bei weitem die möglichen Nachteile.

Bewegung ist eine sichere, kostengünstige, leicht zugängliche und wirksame Maßnahme für Menschen mit Parkinson-Krankheit. Studien an der Allgemeinbevölkerung zeigen zudem, dass Bewegung auch das Risiko von Komorbiditäten wie Bluthochdruck, Diabetes und Osteoporose verringert, so die abschließende Erklärung.

Autor:
Stand:
05.07.2024
Quelle:

Langeskov-Christensen, M. et al. (2024): Exercise as medicine in Parkinson's disease, Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry, DOI: 10.1136/jnnp-2023-332974.

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