Regelmäßige körperliche Aktivität verlangsamt Hirnabbau bei Parkinson

Regelmäßige körperliche Aktivität bei früher Parkinson-Krankheit verlangsamt den Volumenverlust in Hippocampus und Amygdala sowie die kortikale Ausdünnung und geht mit einem geringeren Rückgang von Gedächtnis und Aufmerksamkeit einher – so die Ergebnisse einer vierjährigen MRT-gestützten Kohortenstudie.

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Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung und betrifft weltweit über zehn Millionen Menschen. Neben motorischen Einschränkungen treten im Verlauf häufig kognitive Störungen auf, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Bislang konzentriert sich die Behandlung vor allem auf medikamentöse und physiotherapeutische Maßnahmen. Der mögliche Einfluss regelmäßiger körperlicher Aktivität auf den strukturellen Hirnabbau bei Morbus Parkinson ist bisher nur unzureichend untersucht.

Langzeitbeobachtung von 120 Parkinson-Patienten

Eine aktuell in 'Neurology' publizierte Studie der Universität Sevilla, Spanien, ging der Frage nach, wie sich körperliche Aktivität auf den Verlauf struktureller Hirnveränderungen und die kognitive Leistungsfähigkeit bei frühem Morbus Parkinson auswirkt. Grundlage waren Daten aus der Parkinson’s Progression Markers Initiative.

Eingeschlossen wurden 120 Patienten in frühen Krankheitsstadien (mittleres Alter 60,8 Jahre; 33 % Frauen). Sie erhielten innerhalb von vier Jahren mindestens zwei MRT-Untersuchungen und füllten regelmäßig standardisierte Fragebögen zur körperlichen Aktivität nach der Physical Activity Scale for the Elderly (PASE) aus.

Erfasst wurden kortikale Dicke und subkortikale Volumina mittels standardisierter MRT-Analysen. Zur Auswertung dienten multivariate lineare Mixed-Effects-Modelle, ergänzt durch Mediationsanalysen mit nichtparametrischem Bootstrap, um den Einfluss der strukturellen Veränderungen auf die kognitiven Testergebnisse zu bestimmen.

Regelmäßige Bewegung verlangsamt Hirnatrophie

Patienten mit durchgehend hoher körperlicher Aktivität zeigten über den Beobachtungszeitraum eine signifikant langsamere Ausdünnung der temporoparietalen Kortikalregionen – darunter lateraler Temporallappen, Gyrus fusiformis, Gyrus parahippocampalis und inferiorer Parietallappen (p < 0,05).

Auch der Volumenverlust im Hippocampus und in der Amygdala verlief in dieser Gruppe signifikant langsamer (p < 0,05). Konkret nahm die kortikale Dicke bei hochaktiven Patienten im Mittel von 4,8 mm auf 4,9 mm zu, während sie bei niedriger aktiven Patienten von 4,7 mm auf 4,63 mm abnahm. Das Hippocampusvolumen stieg von 2223 mm³ auf 2234 mm³ (hoch aktiv) und verringerte sich von 2185 mm³ auf 2112 mm³ (niedrig aktiv).

Kognitive Funktionen profitieren von Bewegung

Die Mediationsanalysen ergaben, dass ein Teil des positiven Effekts auf die kognitiven Funktionen über den geringeren strukturellen Abbau vermittelt wurde. Eine langsamere Abnahme der temporoparietalen Kortikaldicke ging mit einem geringeren Rückgang der Gedächtnisleistung (β = 0,06; p = 0,050) und der Aufmerksamkeit (β = 0,04; p = 0,017) einher. Ebenso war das stabilere Hippocampusvolumen mit besseren Aufmerksamkeitswerten (β = 0,03; p = 0,016) assoziiert.

Fazit: Bewegung schützt Hirnstruktur und geistige Leistungsfähigkeit bei frühem Parkinson

Regelmäßige körperliche Aktivität war in dieser vierjährigen Beobachtungsstudie mit einer langsameren strukturellen Degeneration temporoparietaler und limbischer Hirnareale bei Patienten mit früher Parkinson-Krankheit verbunden. Diese strukturellen Veränderungen korrelierten mit einem geringeren kognitiven Abbau. Die Ergebnisse liefern belastbare Hinweise auf einen potenziell schützenden Effekt von Bewegung auf zentrale Hirnregionen, die für Gedächtnis, Aufmerksamkeit und emotionale Regulation relevant sind.

Autor:
Stand:
11.09.2025
Quelle:

P. et al. (2025): Diaz-Galvan,Association of Physical Exercise With Structural Brain Changes and Cognitive Decline in Patients With Early Parkinson Disease. Neurology, DOI: 10.1212/WNL.0000000000213932.

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