Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und erhöhten NfL-Konzentrationen bei Parkinson

Schlafstörungen in den prodromalen und frühen Stadien der Parkinson-Krankheit sind mit erhöhten Blutspiegeln der Neurofilament-Leichtketten (NfL), einem Biomarker für neuronale Degeneration, assoziiert. Eine frühzeitige Behandlung könnte die Neurodegeneration bei Parkinson-Patienten verlangsamen.

Schlafstörung älterer Herr

Schlafstörungen zählen zu den häufigsten nicht motorischen Symptomen der Parkinson-Krankheit (PD). Dazu gehören der REM-Schlaf (rapid eye movement, REM), die REM-Schlafverhaltensstörung (REM sleep behaviour disorder, RBD), Schlaflosigkeit, das Restless-Legs-Syndrom (RLS), die obstruktive Schlafapnoe (OSA) und übermäßige Tagesschläfrigkeit (Excessive Daytime Sleepiness, EDS). Oft treten sie bereits im Prodromal- oder Frühstadium der Krankheit auf, teilweise Jahre bevor die typischen motorischen Symptome auftreten.

Die frühzeitige und genaue Diagnose der Parkinson-Krankheit bleibt eine Herausforderung, da zuverlässige biologische Marker fehlen. Als einer der vielversprechendsten Biomarker für die Parkinson-Krankheit wurden erhöhte Konzentrationen von Neurofilament-Leichtketten (Neurofilament light chain, NfL) im Blut oder Liquor mit einem schwereren Krankheitsverlauf, einer verkürzten Lebenserwartung und einer erhöhten Anfälligkeit für motorische und kognitive Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht. Ein Forschungsteam aus China hat untersucht, ob Schlafstörungen erhöhte NfL-Spiegel im Serum vorhersagen können. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift 'Annals of Oncology' veröffentlicht.

Daten von mehr als 1.100 Teilnehmern ausgewertet

Die Arbeitsgruppe analysierte die NfL-Werte und Schlafsymptome bei 1.113 Probanden, darunter 585 Patienten im Frühstadium der Parkinson-Krankheit, 353 Personen mit prodromaler Parkinson-Krankheit und 175 gesunde Kontrollpersonen. Die Daten wurden aus der Parkinson’s Progression Markers Initiative (PPMI), einer großen internationalen Parkinson-Datenbank, bezogen.

Schlafstörungen wurden anhand des RBD Screening Questionnaire (RBDSQ) und der Epworth Sleepiness Scale (ESS) bewertet. Höhere Werte auf beiden Skalen deuteten auf stärkere Anomalien hin.

Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und hohen NfL-Werten bestätigt

Bei der ersten Beurteilung (Basislinie) wiesen Patienten mit frühem Parkinson die höchsten NfL-Werte auf, gefolgt von Prodromalpatienten und gesunden Personen.

Bei Patienten im Frühstadium der Parkinson-Krankheit wurden signifikant höhere NfL-Spiegel im Serum festgestellt, wenn nächtliches Traumverhalten (β =0,033; p=0,042) und Arm- und Beinbewegungen während des Schlafs (β= 0,027; p=0,049) vorhanden waren. Im Prodromalstadium der Parkinson-Krankheit waren die Serum-NFL-Spiegel bei Personen mit Schlafstörungen signifikant erhöht (β=0,038; p=0,026).

Auch hier zeigte sich ein Aufwärtstrend bei Personen im Frühstadium der Parkinson-Krankheit, die einen höheren RBDSQ-Gesamtwert aufwiesen (β=0,002; p=0,011) oder als wahrscheinliche RBD eingestuft wurden (β=0,012; p=0,009). Ebenso stiegen bei Patienten mit einem hohen ESS-Gesamtwert (β=0,001; p=0,012) oder bei denen, die unter verschiedenen Bedingungen Tagesmüdigkeit zeigten (β=0,013; p=0,007), die NfL-Werte im Laufe der Nachbeobachtung an.

Bei gesunden Menschen waren größtenteils keine Zusammenhänge zwischen Schlaf und NfL feststellbar.

Frühzeitige Erkennung von Schlafstörungen und Überwachung der NfL-Konzentration entscheidend

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Schlafstörungen signifikant mit erhöhten NfL-Serumkonzentrationen im Prodromal- und Frühstadium der Parkinson-Krankheit einhergehen. Dies legt nahe, dass sie mit neuronalen Schäden bei PD verbunden sind, wie von den Studienautoren festgestellt wurde.

„Dieser Befund unterstreicht das Potenzial von Schlafstörungen als robustem klinischem Indikator für die neuronale Degeneration, die eng mit dem Fortschreiten der PD [Parkinson-Krankheit] verknüpft ist“, erklären die Forscher.

Die frühzeitige Erkennung von Schlafstörungen und die Überwachung der NfL-Konzentrationen sind daher entscheidend, um gefährdete Parkinson-Patienten frühzeitig zu identifizieren und eine rechtzeitige Intervention zu ermöglichen.

Autor:
Stand:
18.07.2024
Quelle:

Qi, W.-Y. et al. (2024): Associations of sleep disorders with serum neurofilament light chain levels in Parkinson’s disease. BMC Neurology, DOI: 10.1186/s12883-024-03642-y.

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden